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Standpunkt

Zurück zur multifunktionalen Innenstadt

Im Zentrum trifft sich die Gesellschaft. Hier kommen Branchen, Funktionen und Menschen zusammen. Für den Handel ist es daher von ebenso zentraler Bedeutung wie für die Stadt selbst.

Von Stefan Genth 11.07.2022

© Horst Jürgen Schunk/stock.adobe.com

Innenstädte wandeln sich immer wieder, entwickeln sich weiter und passen sich veränderten Anforderungen an.

Ein Bummel durch die Innenstadt führt Besucherinnen und Besucher vorbei an den vielen Facetten eines Zentrums. Mit kleinen und großen Läden, Cafés und Restaurants, Bibliotheken, Museen sowie Spielplätzen und grünen Ecken lädt sie zum Verweilen ein. Als der Ort der Begegnung vereint ein lebendiger Stadtkern Geschäfte des Einzelhandels, die Gastronomie, private und öffentliche Dienstleistungen mit Kultur-, Bildungs- und Wohnangeboten. Diese Funktionsvielfalt entfaltet eine Sogwirkung und hat das Potenzial, die Menschen zu ihrer Freizeitgestaltung in die Innenstadt zu holen.

Dieser attraktive Spaziergang entlang innerstädtischer Funktionen und Plätze würde in vielen Stadtzentren jedoch in einer Sackgasse münden, wenn wir uns nicht engagieren. Denn die Realität sieht häufig weniger abwechslungsreich aus – noch. Denn Innenstädte befinden sich in einem stetigen Wandel, entwickeln sich permanent weiter und passen sich veränderten Anforderungen an. Die vergangenen zwei Jahre haben diese Dynamik verstärkt. Konfrontiert mit der Digitalisierung, Leerständen und den wirtschaftlichen Folgen gleich mehrerer Krisen, stehen Stadtzentren vor ihrer Neugestaltung.

Nötig ist hierfür die Rückkehr zur multifunktionalen Innenstadt, denn in der lebendigen Vielfalt liegt ihre Anziehungskraft. Es braucht einen ausgewogenen Branchenmix mit einem starken Einzelhandel und neuen Nachbarn. Zentren sollten für weitere selbstverständliche Nutzungen wie das Wohnen und Arbeiten offen sein. Nur so kann die Innenstadt ein Zuhause, Versorger, Erlebnisort und Arbeitsplatz zugleich sein. Wenn sie Wohnen, Einkaufen, Kultur und Arbeiten zusammenbringt, spielt dort das Leben. Doch die Voraussetzung ist eine Anpassung des rechtlichen Rahmens – von den Vorgaben für das Baugebiet Innenstadt bis hin zu Lärmvorschriften, und natürlich das geschlossene Handeln aller.

Zentren mit branchen- und funktionsübergreifender Anziehungskraft können zum festen Bestandteil der Freizeitgestaltung werden. Ihr Aushängeschild ist das städtebauliche Umfeld. Attraktive Räume, Gebäude und Straßenzüge prägen die Aufenthaltsqualität einer Stadt. Auch Bäume, Parkanlagen, Brunnen und Flüsse tragen hierzu bei. Und sie sorgen für eine klimabewusste Gestaltung der Innenstadt. Darüber hinaus gilt es, die Erreichbarkeit der Stadtzentren mit allen Verkehrsmitteln sicherzustellen. Moderne Mobilitätskonzepte sollten die Nutzung der einzelnen Verkehrsträger bestmöglich verknüpfen, den öffentlichen Personennahverkehr und das Fahrrad ebenso berücksichtigen wie das Auto.

Die Innenstadt war, ist und bleibt das Herz einer jeden Stadt. Das haben uns allen die zeitweiligen Lockdowns der vergangenen zwei Jahre deutlich vor Augen geführt. Ohne die Möglichkeit eines Besuchs im Stadtzentrum hat etwas gefehlt, ein wesentliches Stück Lebensqualität. Diese Beobachtung ist auch darauf zurückzuführen, dass mit der eigenen Stadt ein hohes Maß an Identifikation verbunden ist. Gemeinsam mit weiteren Akteuren aus Handel, Politik und Kommunen arbeitet der HDE daher an einer zukunftsorientierten Weiterentwicklung der Zentren. Mit der Digitalisierung und dem veränderten Verbraucherverhalten gehen neue Anforderungen an die Innenstadt einher. Gefragt sind kreative Konzepte, die Stadtzentren bundesweit zu lebenswerten und lebendigen Orten der Multifunktionalität inklusive eines starken Einzelhandels machen. 

Schlagworte: Innenstädte, Vitale Innenstädte

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