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Innenstadt

Zentrum als Erlebnisraum

Eine neue Studie der IFH Förderer nimmt den Innenstadthandel in Zeiten der Digitalisierung unter die Lupe. Neben Analysen zur Attraktivität von Innenstädten und deren Entwicklung im Laufe der vergangenen Jahre, identifizieren die Autoren fünf Typen von Stadtzentren.

14.09.2021

© Kim Schneider/stock.adobe.com

Die pragmatische Einkaufsstadt sowie die kleine Versorgerstadt werden durch den weiter zunehmenden Onlinehandel voraussichtlich am stärksten herausgefordert, so die Studie.

Die Kunden- und Einkaufsfrequenzen sinken, Geschäfte schließen, das Angebot verkleinert sich. Dadurch nimmt die Attraktivität ab, was zu weiterer Desinvestition und noch mehr Leerstand führt: Es ist ein Teufelskreis, der vielerorts die Attraktivität der Innenstädte bedroht. Die Coronakrise und der in der Folge mit noch größerer Dynamik wachsende Onlinehandel befeuern die Entwicklung.

Doch die neue Studie „Innenstadthandel in Zeiten der Digitalisierung“, die Professor Werner Reinartz, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität zu Köln und Direktor des dort ansässigen Instituts für Handelsforschung (IFH), bei der Onlinekonferenz „Faszination Handel“ der IFH Förderer vorstellt, hält auch gute Nachrichten parat. Die Studie untersucht, was Innenstädte aus Sicht von Verbrauchern attraktiv macht, wie sich die Wahrnehmung deutscher Innenstädte in den letzten sechs Jahren entwickelt hat und welche Innenstadttypen in Deutschland existieren.

Gesamtattraktivität nimmt zu

Die von den Besuchern empfundene Gesamtattraktivität von Innenstädten gleich welcher Größe nimmt seit Beginn der Messungen im Jahr 2014 kontinuierlich und signifikant zu. „Die Annahme liegt nahe, dass die vielfältig unternommenen Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Innenstädte positive Veränderungen gezeitigt haben“, so Reinartz. Zwar würden große Städte insgesamt als attraktiver wahrgenommen, doch wachse die Zustimmung der Besucher von kleinstädtischen Zentren stärker. Haupttreiber der Gesamtattraktivität sind das Ambiente, die Erreichbarkeit und der Handels- und Dienstleistungsmix. 

Das vielseitige Einzelhandelsangebot in großen Städten findet bei den befragten Passanten Zustimmung, doch diese nimmt über die Jahre ab. Kleinere Städte hingegen holen auf. „Das Internet ist der große Gleichmacher“, erklärt Reinartz den Hintergrund. „Große Städte können den Vorteil der Angebotsvielfalt in Zeiten des Onlinehandels nicht mehr so ausspielen, wie noch vor einigen Jahren.“ Die Innenstadt müsse sich von einem Place of Commerce zu einem Place of Experience wandeln, in dem Ambiente, Gastronomie und das Freizeitangebot, aber auch der Einzelhandel eine tragende Rolle spielen.

Innenstadtcluster zeigt Stärken und Schwächen von Standorten 

Wo Städte ansetzen können, um ihre Attraktivität zu steigern, zeigt die Clusteranalyse, die fünf Innenstadttypen mit jeweils eigenen Stärken und Schwächen unterscheidet: Die „unnahbare Schöne“, die „unterschätzte Alleskönnerin“, die „pragmatische Einkaufsstadt“, die „attraktive Einkaufsstadt“ und die „kleine Versorgerstadt“. Unter der Annahme, dass der klassische, distributionsorientierte stationäre Einzelhandel in Zukunft an Relevanz für Innenstädte verlieren wird, kann die unnahbare Schöne weiterhin vor allem mit ihrem Ambiente punkten.

Die attraktive Einkaufsstadt hat auch ein ansprechendes Gastronomie- und Freizeitangebot zu bieten, während die unterschätze Alleskönnerin auf allen Ebenen überzeugt und anderen Städten als Blaupause dienen kann. Die pragmatische Einkaufsstadt sowie die kleine Versorgerstadt werden durch den weiter zunehmenden Onlinehandel voraussichtlich am stärksten herausgefordert. Hier gilt es also ganz besonders, die stadtspezifischen Stärken auszuspielen.

Das Whitepaper „Innenstadthandel in Zeiten der Digitalisierung“ untersucht auf Basis von Passantenbefragungen des IFH Köln in mehr als 250 deutschen Städten in vier verschiedenen Jahren, einer Datenextrahierung zur Einzelhändlerlandschaft des Online-Kartendienstanbieters OpenStreetMap und öffentlich verfügbaren Gemeindedaten die Treiber der Gesamtattraktivität von Innenstädten und bietet Anknüpfungspunkte für insgesamt fünf Typen von Innenstädten.

Es steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Schlagworte: Einzelhandel, Innenstadt, Vitale Innenstädte, IFH Köln, Studie

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