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Zeit der Erneuerung

Wie viele andere Menschen, habe ich fest daran geglaubt, dass 2021 ein besseres Jahr wird. Doch im Moment beschleicht mich das ungute Gefühl, dass dieser Optimismus womöglich nicht angebracht war.

Von Ian McGarrigle 28.02.2021

© pallball, stock.adobe.com

Die Situation gegenwärtig fühlt sich viel bedrückender an als vor gut einem Jahr. Doch wie heißt es so schön: Am dunkelsten ist es vor der Dämmerung.

Weite Teile Europas werden von einer neuen, viel bedrohlicheren Coronawelle heimgesucht; die Zahl derer, die an COVID-19 sterben, übersteigt die Todesrate der ersten Pandemiephase bei Weitem. Mit Ausnahme der lebensnotwendigen Sortimente musste auch der Einzelhandel erneut schließen. Die Aussichten sind düster. Wohl deshalb fühlt sich die Situation gegenwärtig viel bedrückender an als vor gut einem Jahr.

Doch wie heißt es so schön: Am dunkelsten ist es vor der Dämmerung. Mit den weltweit angelaufenen Impfprogrammen hat der Kampf gegen die Pandemie nun richtig begonnen; die Entwicklung neuer Impfstoffe läuft auf Hochtouren. Innerhalb der kommenden sechs Monate werden wir jenen Punkt erreichen, ab dem wir uns Stück für Stück das zurückerobern können, was ich vorsichtig „Normalität“ nennen möchte.

Doch was bedeutet „Normalität“ im Hinblick auf unsere Branche? Über die unumkehrbare Verschiebung vom stationären hin zum Onlinehandel besteht Einigkeit; mittlerweile bestätigen auch die Statistiken das ungeheure Ausmaß des Wandels. In den Vereinigten Staaten erhöhten sich die Online-Umsätze im Jahresvergleich (vom dritten Quartal 2019 bis zum dritten Quartal 2020) von einem Anteil in Höhe von 17 Prozent am Gesamtvolumen auf 37 Prozent. In Großbritannien, wo der Online-Anteil am Gesamtumsatz des Einzelhandels mit 21,6 Prozent schon vorher höher lag, stiegen die Raten bis Ende 2020 auf 36 Prozent.

Die interessante Frage bleibt freilich, wie sich der Handel neu erfinden wird und welche neuen Formate und Innovationen die Unternehmen entwickeln werden. Denn bislang ist unsere Branche aus jeder großen wirtschaftlichen Erschütterung gewandelt hervorgegangen.

Allein die Veränderungen in der Arbeitswelt haben zu einer wachsenden Zahl an Geschäftsgründungen geführt, die mit ihren Angeboten speziell auf neue Kundenbedürfnisse unter Pandemiebedingungen zugeschnitten sind. In Großbritannien sind im Coronajahr 2020 mehr Start-ups in den Markt gestoßen als 2019. Bei vielen der neu entstandenen Handelsformate und Brands steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt, insbesondere hinsichtlich der verwendeten Materialien und Inhaltsstoffe. Kein Wunder: Die Verbraucher haben im Zuge der Pandemie ein stärkeres Bewusstsein für gesunden, umwelt- und klimaverträglichen Konsum entwickelt.

Auch die großen Player des Einzelhandels werden ihre Marktposition nur über Innovationen sichern können. Auf der jüngsten NRF Big Show, dem Jahrestreffen der National Retail Federation, das in diesem Jahr nur virtuell ausgetragen werden konnte, beteuerte Indra Nooyi, die frühere CEO von PepsiCo, dass Unternehmen nicht davor zurückschrecken sollten, sich in anderen Wirtschaftsbereichen nach Unterstützung, Inspiration und Ideen umzusehen. Ihre ungebrochene Zuversicht, mit der sie auf das vor uns liegende Jahr blickt, begründete sie mit wenigen Worten: „Die Menschen haben die Pandemie satt und sehnen sich nach Interaktion, Begegnung, Erlebnissen. Wir werden eine umfassende Erneuerung aller Lebensbereiche erleben, vom Handel über Gastronomie, Theater, Freizeit bis hin zum öffentlichen Raum. Das angestaute Bedürfnis nach Neuem ist riesig; wir haben dergleichen noch nie zuvor erlebt.“

Es wird Zeit, dass wir uns auf diese „Erneuerung“ vorbereiten. Denn davon werden am Ende allein diejenigen profitieren, die verstanden haben, wie unsere veränderte Welt von nun an tickt.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Kolumne, Verbraucherverhalten

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