Gastbeitrag

Wie Unternehmen ihre Lieferkette nachhaltig aufstellen

Nachhaltigkeit ist kein Randthema für den Handel mehr. Bereits 2018 gaben die Hälfte der Verbraucher an, auf Sozial- und Umweltstandards zu achten. Wie Retailer die Lieferkette entsprechend gestalten, erklärt Dirk Oliver Haller von der Deutschen Finetrading AG im Gastbeitrag.

Von Dirk Oliver Haller, Geschäftsführer der DFT Deutsche Finetrading AG 30.03.2021

© Jaroslav Pachy / stock.adobe.com

Der günstigste Preis allein ist nicht mehr entscheidend, Verbraucher legen Wert auf Nachhaltigkeit.

Der Preis entscheidet – ein Motto, das lange Zeit paradigmatisch für das Konsumverhalten der breiten Kundschaft stand, gerät ins Wanken. Die Zeiten, in denen allein der Preis die Kaufentscheidung dominierte, scheinen vorbei. Hinzu getreten sind andere Werte, die sich nicht unmittelbar materiell erfassen lassen. Es geht um die Herkunft der Produkte, um Fragen des umwelt- und klimafreundlichen Produzierens, um den Beitrag, den ein Unternehmen zur Lösung der globalen Herausforderungen für alle erbringt.

Herangewachsen ist ein neues gesellschaftliches Bewusstsein, das nicht nur den eigenen Geldbeutel im Blick hat, sondern Nachhaltigkeitsleistungen aktiv honoriert. Die wachsende Produktvielfalt, die Kunden zuweilen beim Einkaufen entgegenschlägt, verlangt nach neuen Qualitätskriterien. Der immaterielle Mehrwert, der durch nachhaltiges Produzieren entsteht, wird hier zum modernen Gütemerkmal.

Wer sich diesem Trend verschließt, verpasst Innovations- und Wachstumschancen, die unter zunehmenden Konkurrenzdruck später nicht mehr nachholbar sind.

Fürhungsebene muss Wandel unterstützen

Diese Erkenntnis steht freilich erst am Anfang einer neuen Nachhaltigkeitsstrategie in der Supply Chain. Für den kontinuierlichen Umbau der Lieferstrukturen muss dem Thema zunächst im eigenen Unternehmen der gebührende Platz eingeräumt werden. Dabei helfen etwa innovative Mitarbeiter, die in Teams ausloten, wo Abläufe in der Supply Chain unter Umweltgesichtspunkten optimiert werden können.

Auch die Führungsebene sollte von diesem Prozess nicht ausgenommen sein und aufgeworfene Herausforderungen zu mehr Nachhaltigkeit aktiv rezipieren. Denn von ihr hängt es maßgeblich ab, ob die erarbeiteten Ansätze auch wirkungsstark den Handelspartnern vermittelt werden können. Jeder Wertschöpfungsschritt entlang der Lieferkette bedingt, wie viel Nachhaltigkeit letztendlich im Endprodukt wirklich steckt.

Diese Abhängigkeit erfordert eine Gemeinschaftsleistung. Erst Dialog und kollektives Commitment möglichst vieler Beteiligter der Lieferkette ermöglichen, dass die eingeleiteten Veränderungen langfristige Erfolge zeichnen. Schließlich darf nicht vergessen werden: Ein schonender Ressourceneinsatz trägt dank reduziertem Material- und Energieaufwand zu einer besseren Kostenbilanz auch für jedes einzelne Unternehmen der Supply Chain bei.

Finanzierungsmöglichkeiten jenseits der Hausbank ausloten

Bis dies erreicht ist, bleibt der Nachhaltigkeitswandel ein Investitionsprojekt. Für die passende Kapitalausstattung geht der Blick üblicherweise auf den klassischen Hausbankkredit. Doch sollte dieser nicht die Sicht auf die diversen alternativen Finanzierungsmöglichkeiten verstellen, die sich mittlerweile auf dem Markt etabliert haben. Die individuellen Rahmenbedingungen spielen dabei eine entscheidende Rolle, um bestmögliche Vergabebedingungen zu erzielen.

Ist ein schneller und flexibler Zugang zu Liquidität nötig, bietet etwa das Finetrading eine leistungsstarke Lösung. Der Finetrader, der wie eine Art Zwischenhändler für seine Kunden direkt die Ware beim Zulieferer bestellt und im Skonto-Zeitraum bezahlt, sorgt für Finanzkraft, wenn es darauf ankommt. Zusätzlich sind die Konditionen günstig, weil der eingesparte Skonto-Satz bereits einen wesentlichen oder sogar den ganzen Teil der Zinslast abdecken kann.

Bekenntnis zur Nachhaltigkeit schafft Vertrauen beim Kunden

Die Prüfprozesse beim Finetrader verlaufen meist schneller als bei den Bankhäusern, die weitreichende Kreditsicherheiten einfordern. Die situative Flexibilität, die das Finetrading seinen Kunden gibt, verschafft zugleich länger angelegten Vorhaben wie dem Aufbau einer nachhaltigen Lieferkette die notwendige Beständigkeit. Die Volatilität des Marktes mit seinen Güterengpässen und saisonalen Nachfragespitzen kann so abgefangen werden, ohne bei anderen Unternehmensprojekten kürzer treten zu müssen.

Der Mix aus innovativen Lösungsansätzen durch enge Kooperationen in der Lieferkette und flexibler Finanzierung unter Einbezug moderner Financing-Modelle gibt der Nachhaltigkeitsstrategie ihre Kontur. Entwickeln sich die ersten positiven Resultate, lohnt es sich, die Ergebnisse transparent an den Kunden zu kommunizieren. Denn unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein, das den gesamtgesellschaftlichen Fortschritt im Fokus hat, verdient Beachtung und legt den Grundstein für ein solides Kundenvertrauen.

Dirk Oliver Haller ist Gründer und Geschäftsführer der DFT Deutsche Finetrading AG. Haller blickt auf 25 Jahre Berufserfahrung im Handel zurück und gründete 2010 die DFT. Gemeinsam mit seinem Team betreut er vom Unternehmenssitz in Ladbergen in Nordrhein-Westfalen aus nationale und internationale Kunden.

Schlagworte: Supply Chain, Lieferkette, Nachhaltigkeit

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