Studie

Wie Diversität für Handelsunternehmen zum Erfolgsfaktor wird

DEI-Konzepte (Diversity, Equity and Inclusion) gewinnen für Handelsunternehmen zunehmend an Bedeutung. Das zeigt eine gemeinsame Studie von Handelsverband Deutschland (HDE), Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC sowie Google Deutschland.

21.01.2022

© stock.adobe.com

Diverse Teams, in denen Menschen unterschiedlicher sozialer und gesellschaftlicher Hintergründe zusammenarbeiten, sind Experten zufolge besonders erfolgreich.

Von den 334 befragten kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) erwarten demnach 55 Prozent, dass Diversität für ihr eigenes Unternehmen in Zukunft ein immer wichtigeres Thema werden wird. Für 37 Prozent der Teilnehmenden sind DEI-Konzepte schon heute von Bedeutung, während 30 Prozent den Konzepten gegenüber neutral eingestellt sind. Nur ein knappes Drittel gab an, Diversität habe keine Relevanz für ihren Betrieb.

Wie aus der Studie hervorgeht, steigt die Bekanntheit von DEI-Konzepten im Mittelstand mit der Unternehmensgröße. Insbesondere kleine Unternehmen mit wenigen Mitarbeitenden hatten bislang keinen Kontakt mit dem Konzept, nur 13 Prozent von ihnen haben sich hiermit beschäftigt. Von größeren Betrieben mit mehr als 50 Mitarbeitenden gaben 26 Prozent an, sich schon mit entsprechenden Ansätzen befasst zu haben.

Anhand von Strategien, internen Prozessen, Richtlinien, Kommunikation und Unternehmenskultur wurden die 52 teilnehmenden Großunternehmen einem DEI-Reifegrad zugeordnet. Ein Drittel der Befragten erreicht mit ersten Schritten Reifegrad 1, in dem die Prinzipien an vielen Stellen noch nicht im Betrieb verankert sind. Mit 44 Prozent befindet sich die Mehrheit der Großunternehmen im Reifegrad 2, hat somit eine oder mehrere DEI-Initiativen und stößt Veränderungen an. Reifegrad 3 entsprechen 20 Prozent der Befragten, die DEI-Prozesse überarbeiten, Maßnahmen umsetzen und deren Prinzipien sich im Unternehmen widerspiegeln. Nur zwei Prozent der Großunternehmen erreichen Reifegrad 4 und haben DEI-Prinzipien als strategischen Grundpfeiler in allen Unternehmensbereichen verankert.

Empfehlungen für erfolgreiches Diversity Management

Die Umsetzung und Verankerung entsprechender Werte stellt sowohl mittelständische als auch Großunternehmen vor eine Herausforderung. Auf Grundlage der Erkenntnisse geben HDE, PwC und Google in ihrer Studie daher Handlungsempfehlungen, die bei der Implementierung eines erfolgreichen Diversity Managements im Handel unterstützen. Wichtig ist demnach, alle Mitarbeitenden durch einen kontinuierlichen Dialog für DEI-Grundsätze zu sensibilisieren, Rollen und Verantwortlichkeiten klar zu definieren sowie formulierte Ziele entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verfolgen und mithilfe messbarer Leistungskennzahlen zu steuern.

„Vielfalt ist nicht nur ein Gerechtigkeitsthema. Vielmehr geht es dabei auch um Kreativität, die aus dem Aufeinandertreffen unterschiedlicher sozialer und gesellschaftlicher Hintergründe entstehen kann. Deshalb liegt in der Diversität des Personals für jedes Unternehmen auch die große Chance, den eigenen wirtschaftlichen Erfolg positiv zu beeinflussen. Unterschiedliche Blickwinkel und Herangehensweisen sind ein Mehrwert, den es zu nutzen gilt. Diverse Teams sind erfolgreicher, das zeigen unsere Erfahrungen aus der Praxis. Der Handel steht hier zwar noch am Anfang, doch die Branche hat bereits ein Bewusstsein für die Bedeutung von Diversität entwickelt. Jetzt braucht es Mut zum Handeln“, sagt Dara Kossok-Spieß, Initiatorin der Diversity Offensive des Handels beim HDE.

„Auch wenn eine wachsende Zahl der kleinen und großen Handelsunternehmen erkannt hat, dass Diversity in Zukunft einen maßgeblichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten wird, steht ein wesentlicher Teil bei der konkreten Implementierung einer DEI-Strategie noch am Anfang" führt Ilana Rolef-Heberling, Head of Brand Transformation, Communications and DEI bei PwC Deutschland, aus. Das liege auch daran, dass oftmals keine Maßstäbe definiert seien, anhand derer Fortschritte auf dem Weg zu einer solchen Strategie gemessen werden könnten.

Attraktivität als Arbeitgeber steigern

"Aus diesem Grund haben wir ein Reifegradmodell entwickelt, das es den Unternehmen erleichtert, Ziele auf dem Weg zu einer ganzheitlichen DEI-Strategie zu definieren und den Prozess messbarer und transparenter zu machen. Mit Hilfe von insgesamt sieben Dimensionen wird eine valide und vergleichbare Einordnung der DEI-Aktivitäten in ein vierstufiges Bewertungsraster möglich“, so Rolef-Heberling. Unternehmen, die solche Aktivitäten als integralen Bestandteil ihrer Unternehmensstrategie betrachteten und lebten, schafften nachhaltiges Vertrauen bei ihren Kunden und erhöhten so auch ihre Attraktivität als Arbeitgeber.

„Wir wissen, dass gelebte DEI-Kultur zu besseren Entscheidungen, mehr Innovation und Erfolg führen kann. Dieses Wissen möchten wir in Form der Studie mit dem deutschen Einzelhandel teilen und die Branche weiter für dieses wichtige Thema sensibilisieren. Unsere im Rahmen der Studie durchgeführten Workshops haben bewiesen, wie wertvoll der Austausch untereinander ist und dass Veränderungen möglich sind. Mit Mut zu DEI-Strategien wird der Einzelhandel noch erfolgreicher, davon sind wir überzeugt“, sagt Alexander Zerdick, Director Retail bei Google Deutschland.

Die komplette Studie steht hier kostenlos zum Download bereit.

Datenbasis:
Für die Studie wurde im Zeitraum von Mai bis September 2021 jeweils eine Befragung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit bis zu 250 Mitarbeitenden sowie von Großunternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden aus dem Handel durchgeführt. Teilgenommen haben 334 KMU sowie 52 größere Handelsunternehmen. Die Umfragen richteten sich insbesondere an Geschäftsführende und Personalmitarbeitende. Der Fragebogen für KMU enthielt Fragen zum aktuellen und künftigen Stellenwert von Diversity, zu Verantwortlichkeiten im Unternehmen und Dimensionen von DEI-Konzepten. Zur detaillierten Bestimmung des Status quo bei Großunternehmen im Handel ordneten sie ihre aktuellen Maßnahmen im Rahmen eines umfangreicheren Fragebogens in ein siebensäuliges Reifegradmodell ein, gaben etwa Einblicke in Strategien, Richtlinien, Kultur und Kommunikation.

Schlagworte: HDE, Diversität, Studie

Kommentare

Ihr Kommentar