Studie

Wie die Belebung der Innenstädte gelingt

Welche Faktoren die Belebung von Stadtzentren nach der Coronapandemie sicherstellen können, hat das IFH Köln untersucht. Die Untersuchung betont die Relevanz von zielgruppenorientierter Gestaltung, Schaffung eines Erlebniswertes und Ansiedlung von Einzelhändlern.

04.02.2021

© Hanno Bode / Imago Images

Während der Coronapandemie sind die Innenstädte leer. Was nötig ist, damit sich das danach wieder ändert, hat das IFH Köln untersucht.

Die Coronapandemie und der damit verbundene Shutdown des Einzelhandels trifft die Innenstädte schwer. "Stirbt der Handel, stirbt die Stadt", fasst Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), den Zusammenhang zusammen. Vor diesem Hintergrund analysiert die IFH-Studie „Vitale Innenstädte“ Attraktivitätsmerkmale deutscher Stadtzentren und zeigt Handlungsoptionen für die Zeit nach der Coronapandemie auf. 

„In diesem Jahr hat unsere Untersuchung zur Attraktivität der deutschen Innenstädte eine ganz besondere Relevanz. Obwohl die teilnehmenden Städte größtenteils durchaus positiv bewertet wurden, muss der Transformationsprozess jetzt eingeläutet werden, denn die Coronapandemie hat den Strukturwandel weiter enorm beschleunigt,“ resümiert Dr. Markus Preißner, wissenschaftlicher Leiter am IFH.

Der stationäre Einzelhandel bestimmt der Analyse zufolge maßgeblich, wie attraktiv und erlebnisorientiert deutsche Innenstädte wahrgenommen werden. Ebenfalls Top-Treiber für den Erlebniswert sind Sehenswürdigkeiten sowie Freizeit- und Kulturangebote. Um Stadtzentren attraktiver zu gestalten – nicht zuletzt, um die geschlossenen Innenstädte nach Corona zu revitalisieren – gilt es der Studie zufolge, Verantwortliche von Städten, Handel und der Immobilienbranche an einen Tisch zu bringen. Auch die Digitalisierung und eine zukunftsorientierte Positionierung von Städten – etwa durch den passenden Onlineauftritt – sind oft noch ein Manko. Hier sehen die Autoren Handlungsbedarf – schließlich kaufen zwei Drittel der Innenstadtbesucher auch online ein. Eine Dynamik, die durch Corona noch verstärkt wurde.

Städte müssen für jüngere Zielgruppen attraktiver werden

Der klassische Einkaufsbummel ist das Hauptmotiv für den Besuch von Innenstädten – vor allem für ältere Personen. Bei jüngeren Menschen unter 25 Jahren gibt die Hälfte an, zum Einkaufen in die Stadt zu kommen. Dafür sind Gastronomie oder Behörden-/ Arztgänge für Jüngere öfter ein Besuchsanlass als bei älteren Menschen. Für die Praxis bedeutet das: Ein Blick auf die Einwohnerstruktur und die speziellen Bedarfe der Zielgruppen vor Ort ist unerlässlich bei der Konzeption zukunftsfähiger Innenstadtmodelle.

„Gerade für die Revitalisierung von Innenstadtlagen nach dem Coronalockdown müssen rein anbieterzentrierte Strategien nachfrageorientierten Konzepten weichen. Alle Macht geht lokal bekanntermaßen von den Besucherinnen und Besuchern aus. Deshalb steht nicht radikale Disruption im Fokus, sondern die stetige und balancierte Anpassung an die jeweilig lokalen Bedarfe,“ erklärt Boris Hedde, Geschäftsführer des IFH.

HDE-Chef Genth erneuert in diesem Zusammenhang die Forderung des Handelsverbandes nach einem Innenstadtfonds, mit dessen Hilfe Städte und Kommunen entsprechende Maßnahmen für ein gesundes Stadtzentrum ergreifen könnten. "Dafür sollten in den nächsten fünf Jahren jährlich 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden, um beispielsweise ein bundesweites Leerstandsverzeichnis anzulegen und individuell für jede Stadt und jede Kommune passende Innenstadtkonzepte zu erstellen. Alle Beteiligten müssen an einem Strang ziehen, damit unsere Stadtzentren auch morgen noch vital und attraktiv sein können“, so Genth.

Die komplette Studie ist kostenpflichtig hier erhältlich.

Datenbasis:
Für die Untersuchung wurden in 107 teilnehmenden deutschen Städten aller Größen und Regionen zeitgleich Innenstadtbesucher zu ihren Einkaufsgewohnheiten und der Attraktivität der Innenstadt befragt. Die Datenerhebung erfolgte zwischen Ende September und Mitte Oktober 2020 anhand eines einheitlichen Fragebogens. Insgesamt sind so rund 58.500 persönliche Interviews geführt worden. Bei der Bewerbung der Umfrage auf Seiten der Städte und Gemeinden haben die Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e. V. (bcsd), der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB), der Handelsverband Deutschland (HDE) sowie weitere lokale Partner unterstützt.

Schlagworte: IFH Köln, Innenstadt, Vitale Innenstädte, Coronakrise

Kommentare

Ihr Kommentar