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Gastbeitrag

Wie deutsche Onlinehändler den französischen Markt erobern

2020 war ein Rekordjahr für den europäischen Onlinehandel. Viele deutsche Händler sehen im Nachbarland Frankreich einen verlockenden Absatzmarkt. Worauf es beim Cross-Border-Handel ankommt, erklärt Thomas Métivier vom französischen Online-Marktplatz Cdiscount im Gastbeitrag.

16.04.2021

© Lightfield Studios / stock.adobe.com

Der Onlinehandel boomt, auch über Grenzen hinweg.

Frankreich ist nicht nur bevölkerungsmäßig die zweitgrößte Nation in der EU, sondern steht auch im E-Commerce mit an der europäischen Spitze. Jährlich steigt hier der Umsatz im Onlinehandel genauso wie die Pro-Kopf-Ausgaben. Vor allem die Pandemie, die in den letzten Monaten im Nachbarland ebenfalls die Schließung tausender Läden nach sich zog, hat diesen Trend noch verstärkt. Die Pro-Kopf-Ausgaben sind laut einer Studie des Logistik-Unternehmens Asendia im Jahr 2020 auf fast 2.500 Euro angestiegen – von zuvor 2.266 Euro.

Und während Reisen im zurückliegenden Jahr nur sehr begrenzt möglich war, erlebte der grenzüberschreitende Handel einen regelrechten Boom. Bei einer Umfrage von eShopWorld unter 22.000 Konsumenten in über 11 Ländern gaben 70 Prozent an, über die Grenze hinweg eingekauft zu haben.

Für Onlinehändler sind das erfreuliche Neuigkeiten. Doch der Schritt ins Nachbarland muss dennoch gut geplant und vorbereitet werden, vor allem in Zeiten einer Krise, die auch den Grenzverkehr zwischen den Ländern erschwert. Marktplätze bieten sich vor allem für den Einstieg in den Cross-Border-Commerce an, da sie Onlinehändler bei Logistik, Retouren-Abwicklungen und fremdsprachigem Kundenservice unterstützen und je nach Plattform bereits eine hohe Reichweite mitbringen. Gerade für den Verkauf in Frankreich sollten heimische Marktplätze wegen ihrer sehr guten Vernetzung in Betracht gezogen werden.

Ähnliche Produktvorlieben in beiden Ländern

Vor allem in Zeiten der Pandemie ist es allerdings zusätzlich ratsam, sich einen E-Commerce-Experten an die Seite zu holen, der Händlern bei Fragen zu Regularien und Logistik die notwendigen Antworten liefern kann. Das macht den Einstieg aktuell wesentlich leichter und vor allem schneller.

Die deutschen und französischen Kunden sind sich in vielen Aspekten sehr ähnlich. Beispielsweise bei den Produkten, die sie am liebsten online kaufen. So steht laut der Asendia-Studie Mode (58 Prozent) bei den Franzosen ganz oben auf der Liste, gefolgt von Kulturgütern wie Büchern (50 Prozent), Spielen und Spielzeug (39 Prozent) sowie Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte (38 Prozent). Deutsche Onlinehändler, die bereits erfolgreich im Inland verkaufen, haben also gute Chancen, mit ihren Produkten auch die französischen Kunden zu begeistern.

Unterschiede zwischen beiden Ländern lassen sich vor allem bei den bevorzugten Bezahlmethoden und der Zustellung von Paketen ausmachen. Französische Kunden bezahlen Ihre Produkte am liebsten mit der Carte Bancaire. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der französischen Online-Shopper bevorzugt sie als Bezahlmethode – lediglich 34 Prozent bevorzugen die Zahlung über PayPal oder einen ähnlichen Dienst. Zum Vergleich: In Deutschland nutzen Umfragen zufolge knapp 50 Prozent der Kunden am liebsten PayPal, während lediglich 19 Prozent mit Debit- oder Kreditkarte bezahlen.

Konnte der Kunde sein Wunschprodukt finden und mit der bevorzugten Methode bezahlen, geht es an den Versand. Um die dafür anfallenden Kosten so gering wie möglich zu halten, empfiehlt sich die Nutzung eines Fulfillment-Services direkt in Frankreich. Die angebotenen Produkte werden vor Ort gelagert und innerhalb Frankreichs schnell und günstig an den Kunden verschickt. Genau wie die Deutschen nehmen Franzosen ihre Pakete am liebsten ganz bequem zuhause an. Doch lassen sie ihre Produkte häufiger zu einer Pick-Up-Station liefern und holen das Bestellte dort selbst ab. 

Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Händler den Schritt ins benachbarte Frankreich wagen - zumal er noch nie so einfach war wie heute. Wen die Lust gepackt hat, Produkte an die Kunden auf der anderen Rheinseite zu verkaufen, dem wünsche ich: bonne chance!

Thomas Métivier ist Directeur de la Marketplace beim französischen Online-Marktplatz Cdiscount. In seiner Position ist er verantwortlich für die Planung und Überwachung von strategischen Projekten einschließlich der Unterstützung von Entwicklungsprojekten, die internationale Entwicklung des Marktplatzes und die Förderung von Innovationen im E-Commerce-Bereich gemeinsam mit Startups.

Schlagworte: Cross-Border, Coronakrise

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