Branchenreport

Welche Freizeitartikel in der Krise gefragt sind

Der Branchenbericht Sport-, Spiel- und Freizeitmärkte des IFH Köln und der BBE Handelsberatung zeigt insgesamt ein Umsatzplus für das Jahr 2020. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild mit Gewinnern und Verlierern der Krise.

20.01.2021

© Signal Sportscheck

Der Absatz von Sportartikeln ist im vergangenen Jahr nur leicht um ein Prozent gestiegen.

Die omnipräsenten Sicherheits- und Hygienemaßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie schmälern die Konsumlust der Verbraucher seit Monaten. Während ein Großteil der Nonfood-Branchen von starken Umsatzeinbrüchen betroffen ist, zeigt sich bei den Freizeitmärkten (Sport, Spielwaren, Fahrräder, Musikinstrumente und Bücher) ein sehr differenziertes Bild. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt der neue Branchenbericht Sport-, Spiel- & Freizeitmärkte des IFH Köln und der BBE Handelsberatung.

Zwar kann nach ersten Hochrechnungen für 2020 mit einem deutlichen Umsatzplus von rund 850 Millionen Euro (2,9 Prozent) gerechnet werden, das jedoch auf die hohen Umsatzzuwächse im Fahrradmarkt zurückzuführen ist. Bereinigt um die Fahrradumsätze realisiert der Gesamtmarkt Freizeit ein leichtes Umsatzminus von 0,1 Prozent gegenüber 2019.

Das stark veränderte Freizeitverhalten während der Pandemie könne als klarer Treiber für bestimmte Warengruppen identifiziert werden, kommentiert Max-Henrik Fabian, Consultant am IFH Köln, die Ergebnisse der Studie. "Sei es das Wiederentdecken alter Hobbys wie Musizieren, der gemeinsame Zeitvertreib mit Gesellschaftsspielen oder Sport von zuhause: Die Warengruppen, die Abwechslung im Krisenalltag bieten, können von der aktuellen Situation profitieren“, so Fabian.

Neue Bedarfsstrukturen verändern Nachfrageverhalten

Bei Betrachtung der Teilmärkte im Freizeitbereich finden sich deutliche Gewinner und Verlierer: Bei den beiden umsatzstarken Branchen Sport- und Spielwaren ist nur von einem minimalen Plus (1 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent) auszugehen. Hier sind es vor allem die Team- und Wintersportarten, die 2020 verlieren. Demgegenüber stehen gute Ergebnisse bei Sportgeräten, die in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden.

Im Markt für Musikinstrumente steigert sich das Umsatzvolumen voraussichtlich um 3,8 Prozent. Hier profitieren in erster Linie Zupf- und Streichinstrumente, zu denen unter anderem auch Gitarren zählen. Diese auch autodidaktisch erlernbaren Instrumente gelten als besonders beliebt bei Einsteigern. Außerdem wachstumsstark: der Zubehörbereich. Verlierer sind insbesondere Blasinstrumente.

Wie überall im Einzelhandel ließe sich auch im Sport-, Spiel- & Freizeithandel ein Katalysatoreffekt durch Corona beobachten, führt Florian Schöps, Senior Consultant bei der BBE Handelsberatung, aus. Viele Entwicklungen und Trends, die sich schon im vorangegangenen Jahrzehnt abzeichneten, hätten sich deutlich beschleunigt. Für kommende Orderrunden gelte es nun, abzuwägen, wo mit anhaltend stärkerer Nachfrage zu rechnen sei und wo der Coronaboom wieder abflauen könnte. "Betriebswirtschaftliche Faktoren wie Bestand und Liquidität müssen Händler verstärkt berücksichtigen. Die Herausforderungen werden nicht geringer,“ erklärt Schöps.

Buchmarkt ist hart getroffen

Am stärksten betroffen durch die Krise: Der deutsche Buchmarkt. Hier können die Umsatzverluste nicht kompensiert werden, es muss für 2020 mit einem Minus von 2,9 Prozent gerechnet werden. Die überwiegend positiven Einzelmarkttendenzen sollten laut den Autoren des Berichts nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem der Fachhandel stark unter Druck steht. So fallen die Umsatzverluste im institutionellen Fachhandel (ohne den Fahrrad-Fachhandel) nach Hochrechnung mit mehr als vier Prozent deutlich aus.

Die komplette Studie steht hier kostenpflichtig zum Download bereit.

Schlagworte: Sportartikel, Spielwaren, Freizeit, Coronakrise

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