Coronapandemie

Welche Bilanz der Handel nach dem Krisenjahr 2020 zieht

Während der Handel insgesamt im Jahr 2020 ein Umsatzplus von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr erzielen konnte, verlor der Textilhandel ein Viertel seiner Umsätze. Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert von der Politik die schnelle Auszahlung der Überbrückungshilfen.

Von Thomas Müller 02.02.2021

© U. J. Alexander / Imago Images

Das Jahr 2020 war geprägt von der Krise, unter der der Einzelhandel noch immer stark leidet.

Der Einzelhandel in Deutschland setzte im Vorjahr rund 577 Milliarden Euro um. Dabei konnte der Onlinehandel seine Umsätze um rund ein Viertel auf 72 Milliarden Euro erhöhen, der stationäre Einzelhandel verzeichnete immerhin ein Plus von vier Prozent. Das zeigen aktuelle Erhebungen des Statistischen Bundesamtes.

„2020 war für viele Unternehmen aus den Bereichen Onlinehandel und Lebensmittel ein gutes Jahr, bei Möbel- und Baumärkten lief es besser als erwartet. Für die meisten Modehändler dagegen bleibt das vergangene Jahr als Katastrophe in Erinnerung“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Ursachen dieser extrem unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb der Branche sind die Coronakrise und die zur Eindämmung der Pandemie angeordneten Maßnahmen.

So verlor der Bekleidungshandel im Vergleich zu 2019 fast ein Viertel seiner Erlöse. Der Lockdown ab Mitte Dezember bedeutete für die geschlossenen Modegeschäfte im letzten Monat des Jahres gar einen Umsatzrückgang um mehr als 40 Prozent. Der Onlinehandel hingegen wuchs im gleichen Zeitraum um mehr als 30 Prozent. 

Aufgrund der akuten Notlage vieler Handelsunternehmen im aktuellen Lockdown fordert der HDE von der Politik die schnelle Anpassung und Auszahlung der Überbrückungshilfen sowie konkrete Festlegungen, wann und unter welchen Rahmenbedingungen eine Wiedereröffnung der Geschäfte erfolgen kann.

Ausstiegsplan aus dem Lockdown

„Wenn die Bundesregierung jetzt nicht entschlossener als bisher ihre Unterstützungsprogramme an die Realitäten im Einzelhandel anpasst, dann treibt die Krise viele Handelsunternehmen in die Insolvenz“, so Genth. Die versprochenen Anpassungen bei der Überbrückungshilfe III müssten rasch und konsequent umgesetzt werden, ansonsten sei es für viele Händler und viele Innenstädte zu spät.

Zudem fordert der HDE eine langfristig tragfähige Strategie zum Umgang mit der Pandemie. „Die Unternehmen brauchen Verlässlichkeit. Wir benötigen einen transparenten Plan für einen Ausstieg aus dem Lockdown, der sich an realistischen und fundierten Indikatoren orientiert. Wir fordern eine Öffnungsstrategie“, so Genth weiter. Eine solche Öffnungsperspektive dürfe nicht hinter verschlossenen Türen erarbeitet werden, sondern müsse Ergebnis einer breiten gesellschaftlichen Debatte sein.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, HDE

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