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IFH-Studie

Welche Bedeutung der Onlinehandel in Deutschland hat

Welche Rolle der E-Commerce in der deutschen Handelslandschaft spielt, untersucht eine aktuelle Studie des Kölner Professors Werner Reinartz und des IFH Köln. Sie analysiert die Wertschöpfung durch den Onlinehandel, aber auch Folgen des B2C-E-Commerce für kleine Fachhändler.

02.06.2021

© Piman Khrutmuang / stock.adobe.com

Der Onlinehandel boomt - aber welche Folgen hat das? Eine Studie gibt Aufschluss.

Welche volkwirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung hat der Onlinehandel in Deutschland? Ist er eine Bedrohung für traditionelle Handelsstrukturen? Antworten auf diese Fragen liefert die Studie „Wertschöpfung im Onlinehandel“ in Form von acht Kernthesen. "Unsere Studie zeigt, dass der Onlinehandel Wert für Konsumenten und Unternehmen schafft, als Innovationstreiber fungiert und den stationären Handel in vielerlei Hinsicht unterstützt“, fasst Professor Dr. Werner Reinartz, Wirtschaftswissenschaftler an der Kölner Universität und Direktor des Kölner Instituts für Handelsforschung, die Ergebnisse zusammen.

1. Onlinehandel schafft Wertschöpfung

Rund 13 Milliarden Euro direkte volkswirtschaftliche Wertschöpfung – also Nettobeitrag zum Bruttoinlandsprodukt – realisierte allein der B2C-Onlinehandel 2020. Das sind 12,7 Prozent Anteil an der Wertschöpfung des gesamten Einzelhandels. Wertschöpfung ist dabei definiert als der im Produktionsprozess geschaffene Mehrwert einer Branche. Auch indirekt werden Werte geschaffen: Sowohl das Dienstleistungsgewerbe – allen voran die Logistikbranche – als auch die Ebene der Hersteller und des Großhandels profitieren von der Wertschöpfung des Onlinehandels. Seine hohe Bedeutung in der deutschen Wirtschaft spiegelt sich außerdem im Export, in Unternehmensgründungen und dem Innovationsgrad der Branche wider.

2. Onlineshops der Multichannel-Händler stützen maßgeblich das Filialnetz der großen Filialisten

Betrachtet man die Umsätze der Top-15-Multichannel-Händler genau, zeigt sich: In den letzten Jahren werden die Umsatzzuwächse ausschließlich aus dem Onlinekanal generiert, während das stationäre Geschäft mit Frequenzverlusten und rückläufigen Umsätzen kämpft. Der Onlinehandel ist damit maßgeblicher Bestandteil des Multi-Channel-Geschäfts. Die Filialen übernehmen zunehmend andere wichtige Funktionen im Kontakt mit den Kunden.

3. Plattformen stützen kleinbetriebliche Fachhändler

Hochrechnungen des IFH Köln gehen davon aus, dass im Jahr 2020 44 Prozent des Onlinehandels allein auf Marktplätzen stattfindet. Ein Grund: Die Zahl der Händler, die auf Marktplätzen aktiv sind, wächst deutlich und übersteigt längst die der Händler mit eigenem Onlineshop. Auch kleineren (Fach-)Händlern bieten Plattformen einen niedrigschwelligen Onlinehebel, der Sichtbarkeit erzeugt und Umsätze ermöglicht. Gleichzeitig nimmt der Wettbewerb auf Plattformen für kleinere Händler durch den Preisdruck, den Druck durch größere Anbieter und den Direktvertrieb durch Hersteller zu.

4. Onlinehandel ermöglicht kleinen Händlern das Erschließen globaler Absatzmärkte

Die Exportquoten des Nonfood-Fachhandels liegen teilweise im zweistelligen Bereich und steigen tendenziell, vor allem bei Händlern aus den Bereichen Lederwaren und Kunst oder bei Antiquariaten. Auch der Handel mit Textilien landet mit 5,2 Prozent noch in den Top Ten der Exportquoten. Das heißt, der Onlinehandel ermöglicht kleineren Händlern grundsätzlich, globale Absatzmärkte insbesondere auch über Plattformen zu erschließen. Dieser Effekt beschränkt sich jedoch vor allem auf Nischenmärkte.

5. Onlinehandel ist Innovationsmotor für die Handelsbranche

Der Onlinehandel treibt mit seinem Innovationsverständnis den gesamten Handel. Viele neue Ideen in der Handelsbranche finden ihren Ursprung im E-Commerce. Nicht zuletzt deshalb treibt der Onlinehandel auch digitale Innovationen am Point of Sale im stationären Handel. Darüber hinaus bewerten Onlinekäufer Innovationen im Onlinehandel überwiegend positiv.

6. Onlinehandel schafft Beschäftigung

Der Onlinehandel schafft Arbeitsplätze. Die Zahl der Beschäftigten im Online-/Versandhandel hat sich in den letzten zehn Jahren um plus 155 Prozent (Hochrechnung 2020) auf mehr als 233.000 erhöht – das entspricht einer Steigerung um 142.000 Beschäftigte und übersteigt damit den Zuwachs im Einzelhandel. Dabei schafft der Onlinehandel sowohl Beschäftigung für Akademiker als auch für Geringqualifizierte.

7. Onlinehandel deckt die Kundenbedürfnisse nach bequemer Versorgung

Der Onlinehandel erfüllt grundlegende Konsumentenbedürfnisse nach Bequemlichkeit und Produktversorgung und ist bei den Verbrauchern fest im Alltag verankert. Rund 62 Prozent der Befragten geben an, durch den Onlinehandel ihr Arbeits- und Privatleben besser vereinbaren zu können und 57 Prozent können sich ein Leben ohne Onlinehandel nicht vorstellen. Convenience-Aspekte wie leichter Zugang zu Informationen, Zeitersparnis oder der Zugang zu Produkten aus dem Ausland sind Toptreiber für den Onlinehandel. Er hilft zudem, die Versorgungssicherheit in ländlichen Regionen sicherzustellen.

8. Onlinehandel ist nachhaltiger als sein Ruf

In der gesamten Konsumgüter-Wertschöpfungskette ist der Anteil der Handelsstufe an den CO2-Emissionen insgesamt, im Vergleich zu Produktherstellung, Nutzung und Entsorgung, überschaubar. Bei der Diskussion um die ökologischen Auswirkungen des Onlinehandels liegt der Fokus meist auf der Auslieferung. Bei der Betrachtung der gesamten Wertschöpfungskette im Handel – also inklusive Beschaffungslogistik, Lagerhaltung und Geschäft – zeigt sich jedoch: Bezüglich der CO2-Emissionen ist der Onlinehandel nachhaltiger als sein Ruf. In den drei betrachteten Kategorien (FMCG, Bücher und Elektronikprodukte) verursacht der Onlinehandel nur circa 25 bis 40 Prozent der CO2-Emissionen des stationären Handels. Aus Konsumentensicht wird allerdings der stationäre Handel mit knappem Vorsprung als die umweltfreundlichere Alternative wahrgenommen.

Die Studie steht nach Angabe von Kontaktdaten hier kostenlos zum Download bereit.

Datenbasis:
Für die Studie, die von der Otto Group unterstützt wird, wurden 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten befragt, elf Expertengespräche geführt und eine Vielzahl statistischer Quellen ausgewertet.

Schlagworte: Onlinehandel, E-Commerce, IFH Köln

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