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Prognose

Was der E-Commerce-Boom für die Handelslogistik bedeutet

Laut einer aktuellen Prognose des Immobilien-Dienstleisters Savills müssen Paketdienstleister ihre Lagerkapazitäten in Europa bis 2025 um rund 8,6 Mio. Quadratmeter erweitern, um die steigende E-Commerce-Nachfrage bedienen zu können.

12.05.2021

© Hermes / obs

Das starke Wachstum des Onlineabsatzes von Waren bringt für die Handelslogistik Herausforderungen mit sich.

Die Coronapandemie hat im Jahr 2020 zu einer enormen Verschiebung von Umsätzen aus dem stationären Handel in den E-Commerce geführt. Mike Barnes, Associate in der Forschungsabteilung von Savills, geht davon aus, dass viele Händler künftig ihre Filialen in die Abwicklung von Retouren einbeziehen, um diese besser zu bewältigen. Eine Verfeinerung von Omnichannel-Strategien sei in diesem Zuge zu erwarten. "Dennoch ist es unausweichlich, dass die Nachfrage nach Lagerflächen sowohl in Bezug auf Neu- beziehungsweise Bestandsware als auch bei der Retourenlogistik erheblich steigen wird“, erklärt Barnes.

Auch am deutschen Logistikimmobilienmarkt werde der E-Commerce-Boom in den kommenden Jahren der entscheidende Treiber sein, so die Einschätzung von Savills. Das Marktforschungsunternehmen Forrester Research and eMarketer kommt zu dem Ergebnis, dass rund 20 Prozent aller online erworbenen Artikel retourniert werden. In Deutschland werden die Rücksendungen demnach nach wie vor am häufigsten in den Filialen der großen Paketdienstleister abgegeben und von dort aus weitergeleitet. In Ländern wie den USA oder in Großbritannien etablieren sich hingegen bereits Partnerschaften mit Supermärkten oder auch mit Uber. 

Dass hierzulande im europäischen Vergleich die meisten Rücksendungen erfolgen, liegt laut Forrester-Analyse auch an den üblichen Zahlungsmodalitäten. So wird in Deutschland der Betrag in der Regel erst später per Rechnung oder Kreditkarte beglichen und nicht wie beispielsweise in Großbritannien direkt beim Kauf. Die Bereitschaft Ware zurückzusenden, dürfte bei noch nicht bezahlter Ware höher sein, heißt es.

Weiterer Ausbau von Lagerkapazitäten erwartet

Innerhalb Europas beobachtet Savills unterschiedliche Ansätze beim Umgang mit Retouren. In Großbritannien, im Jahr 2020 im Online-Shopping-Segment mit einem Anteil von 28 Prozent am Einzelhandelsumsatz Spitzenreiter in Europa, setzt beispielsweise der Onlinehändler Argos auf den Einsatz von Augmented Reality, um die Wahrscheinlichkeit einer Retoure zu verringern. In den Niederlanden erproben Logistikdienstleister die Retourenabholung an der Haustür, um die Rücksendung zu erleichtern und eingegangene Waren schneller bearbeiten zu können. Ähnliche Pilotprojekte gab es auch schon in Deutschland, zum Beispiel von Zalando.

Marcus de Minckwitz, Director bei Savills, erwartet dennoch einen weiteren Ausbau der Lagerkapazitäten der Einzelhändler – vor allem unter Berücksichtigung der Anzahl der Retouren. Die Frage sei, ob der Einzelhandel mit der Wiedereröffnung nach dem Lockdown die stationären Geschäfte stärker als zusätzliche Retourendrehscheibe nutzen werde. Minckwitz: „Klar ist, dass es kein Patentrezept für Warenrücksendungen gibt, da für Konsumenten der Komfort beim Kauf im Vordergrund steht. Einzelhändler sowie Paketdienstleister sollten diese veränderten Präferenzen bei der Planung ihrer Logistik berücksichtigen.“

Eine Kurzfassung der Savills-Prognose steht hier kostenlos zum Download bereit.

Schlagworte: Handelslogistik, E-Commerce

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