Coronapandemie

Warum Lebensmittelketten das Aus der 2G-Regel fordern

Der Ruf nach einer bundesweiten Abschaffung der 2G-Regel im Einzelhandel wird immer lauter. Obwohl selbst nicht betroffen, fordern vier großen Lebensmittelhändler in einem Brief an mehrere Spitzenpolitiker ein Ende der Beschränkungen für den übrigen Handel.

01.02.2022

© Zhu Difeng / stock.adobe.com

Gerichte in mehreren Bundesländern haben die 2G-Regel für Einzelhandelsgeschäfte bereits gekippt.

Unterzeichner des Briefs sind die Spitzenmanager Markus Dicker und Jens Ritschel für Aldi Nord und Aldi Süd, der Edeka-Vorstandsvorsitzende Markus Mosa, Rewe-Vorstandschef Lionel Souque sowie Gerd Chrzanowski, Komplementär der Schwarz-Unternehmenstreuhand.

Sie erklären: "Auf Basis unserer nunmehr fast zweijährigen Erfahrungen mit der Pandemie können wir feststellen, dass der Einzelhandel mit den geeigneten Hygienekonzepten (maßgeblich Maskenpflicht und Abstandswahrung) kein Infektionsherd ist." Das gelte unabhängig von den gehandelten Sortimenten.

Bei den betroffenen Non-Food-Händlern sorge die 2G-Regel, die nur Geimpften und Genesenen den Zutritt erlaubt, dagegen für erhebliche Umsatz- und Ergebniseinbußen, heißt es in dem Schreiben weiter. Die Gefahr von tausenden Schließungen insbesondere inhabergeführter Geschäfte und verheerenden Auswirkungen auf die Innenstädte sei offensichtlich: "An vielen tausend Standorten in Deutschland bilden wir zusammen mit dem Nonfood-Handel die eine Handelslandschaft unseres Landes zum Nutzen unserer Kundinnen und Kunden."

Finanzminister zweifelt an 2G-Regelung

Die Topmanager drängen deshalb: "Den Unternehmen sollte es jetzt ermöglicht werden, unter Einsatz der hinlänglich bewährten Hygienekonzepte ihre Kundinnen und Kunden ohne weitere Beschränkungen zu empfangen und zu bedienen."

Gleichzeitig signalisierte FDP-Chef und Finanzminister Christian Lindner Zweifel an der geltenden Regelung. "Ich stelle mir persönlich die Frage, ob wir wirklich auf Dauer die sehr scharfen Zutrittsbeschränkungen im Handel brauchen. Da entsteht ja ein wirtschaftlicher Schaden. Und da muss eben immer gefragt werden, ob der Schaden in einem richtigen Verhältnis steht zum zusätzlichen gesundheitlichen Nutzen", sagte Lindner.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert schon seit Längerem, die 2G-Regel im gesamten Handel abzuschaffen. Es sei nicht logisch begründbar, warum täglich 40 Millionen Kundenkontakte im Lebensmittelbereich ohne größere Auswirkungen auf das Pandemiegeschehen stattfinden könnten, während die zehn Millionen Kundenkontakte des restlichen Einzelhandels problematisiert würden, argumentiert der Verband.

„Das entbehrt jeder Grundlage und ist erkennbarer Unsinn. Die politischen Entscheidungsträger müssen zur Vernunft zurückkehren und 2G im Einzelhandel flächendeckend für alle Handelsbranchen abschaffen“, so Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Bund und Länder hatten die 2G-Regel für weite Teile des Einzelhandels angesichts der steigenden Corona-Inzidenzzahlen Anfang Dezember vergangenen Jahres beschlossen. Davon ausgenommen sind Läden des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien, Apotheken. Allerdings wurde die Regelung bereits in mehreren Bundesländern von Gerichten gekippt.

Der Brief der Lebensmittelhändler steht hier zum Download bereit.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Lebensmitteleinzelhandel, Einzelhandel

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