Anzeige
Studie

Warum Handelsmargen unter Druck geraten

Verbraucher in Deutschland wollen ihre Besuche im stationären Einzelhandel dauerhaft um rund ein Viertel reduzieren, wie eine aktuelle Studie der Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal und Retail Economics zeigt. Viele wollen stattdessen mehr online kaufen.

13.07.2021

© atock.adobe.com

Viele Verbraucher wollen künftig mehr Waren online einkaufen.

In Deutschland geben 64,8 Prozent der Verbraucher an, lokale Geschäfte im Vergleich zur Zeit vor der Pandemie künftig genauso oft (54,3 Prozent) oder sogar öfter (10,5 Prozent) besuchen zu wollen. 35,3 Prozent der Kunden dagegen wollen ihre Besuche reduzieren, was bei 16,8 Prozent daran liegt, dass sie insgesamt weniger ausgeben wollen. Netto resultiert aus diesen Zahlen ein erwarteter Rückgang der Besuche im stationären Handel um 24,7 Prozent.

Händler müssen also mehr denn je die Verwendung und Rentabilität ihrer Ladenflächen überdenken, zumal 27,1 Prozent der deutschen Verbraucher davon ausgehen, dass die Veränderung ihres Einkaufsverhaltens von Dauer ist. 6,2 Prozent der Befragten sehen diese Veränderung in sämtlichen, 20,9 Prozent nur bei bestimmten Produktkategorien – manche Branchen werden also weit stärker getroffen als andere.

Branchen, deren Angebote die Befragten auch nach der Pandemie häufiger online nutzen wollen, sind Mode (23,1 Prozent), Elektrogeräte (20,9 Prozent), Reise & Freizeit (16,6 Prozent) oder auch Haushaltswaren (15,4 Prozent). Je jünger die Zielgruppe, umso höher dieser Wert. Viele Verbraucher haben während der Pandemie bestimmte Produkte zum ersten Mal online gekauft, was den Studienautoren zufolge einen dauerhaften Wandel im Konsumverhalten begünstigt.

Onlineshift schwächer als im europäischen Durchschnitt

Insgesamt erwarten die Konsumenten, dass 25,2 Prozent ihrer gesamten Haushaltsausgaben sich dauerhaft zum E-Commerce verlagern werden. Damit liegt Deutschland an letzter Stelle unter den befragten Ländern und unter dem europäischen Durchschnitt von 29,9 Prozent. Die Pandemie beschleunigt das Wachstum des Online-Anteils an den Gesamtumsätzen im Handel weiter. Europaweit machten Online-Einkäufe im Jahr 2019 rund 12 Prozent der Gesamtumsätze aus, 2020 waren es bereits rund 15 Prozent. Für das Jahr 2025 wird ein Online-Anteil von 20 Prozent erwartet. Für Deutschland sagt der „The Shape of Retail“-Report jedoch das langsamste Wachstum voraus. Hierzulande verhielten sich die Konsumenten konservativer und stiegen langsamer auf E-Commerce um, so die Autoren.

Je mehr sich der Handel allerdings in Richtung Online verlagert, umso stärker sinken die Gewinne der Händler. Diese Entwicklung herrscht der Studie zufolge seit 2011 in allen analysierten Ländern vor. Der Report prognostiziert daher, dass die Margen im europäischen Durchschnitt von 6,4 Prozent im Jahr 2011 auf 3,2 Prozent im Jahr 2025 sinken werden. In Deutschland sinken die Margen weniger stark, allerdings nur deshalb, weil sie aufgrund der vorherrschenden Rabatt- und Sparkultur traditionell überdurchschnittlich niedrig sind. Von 2,4 Prozent für 2019/20 wird hier ein Rückgang auf 2,1 Prozent 2025 erwartet.

Im Onlinegeschäft sind den Autoren zufolge generell niedrigere Margen möglich als im stationären Einzelhandel. Insbesondere die Retourenquote sehen sie als hohen Kostenfaktor: Deutsche Konsumenten retournieren durchschnittlich 7,1 Prozent aller bestellten Waren. Damit liegen sie im europäischen Vergleich erneut am Ende des Feldes. Dieser Wert steigt jedoch voraussichtlich weiter an, denn junge Erwachsene retournieren 10,6 Prozent der Bestellungen, verglichen zu 6,6 Prozent bei den Senioren. Waren zurückzusenden ist fest im Konsumverhalten junger Menschen verankert.

Datenbasis:
Für den Report wurden zwischen 19. April und 1. Mai 2021 über 3.000 Haushalte in sechs Europäischen Ländern (Deutschland, Vereinigtes Königreich, Schweiz, Frankreich, Italien, Spanien) befragt. Dazu wurden in einer Stichprobe über 250 europäische Einzelhändler aus diesen Ländern analysiert, die 2019/20 zusammen für mehr als 2 Billionen Euro Umsatz verantwortlich sind. Dies macht ca. 40 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in den sechs europäischen Ländern aus. 

Schlagworte: Einkaufsverhalten, Coronavirus

Kommentare

Ihr Kommentar