Anzeige

Immersive Welten

Augmented und Virtual Reality – fiktive Welten für reale Potenziale im Handel? Visionäre Start-ups zeigen, wie Handel mit virtuellen Produkten und technologie­­ge­triebenem Service funktionieren kann.

Von Nadine Meya 02.04.2019

© VRTX

Surreale Welten, Avatare und Gaming? Die Technologie rund um Augmented und Virtual Reality (AR und VR) hält weitaus mehr bereit als Gamerglück. Ob im Geschäft oder als virtuelle Erweiterung der „Netzwelt“ im heimischen Wohnzimmer: VR- und AR-Anwendungen formen nicht nur neue Räume für Konsumenten. Die Technologie eröffnet Händlern neue Räume, um – unterstützt von einer aufblühenden Start-up-Szene – digital aufzuschließen.

In rund fünf Jahren soll der Einsatz von AR- und VR-Anwendungen in Unternehmen zum Standard gehören. Das zeigt eine 2018 von Capgemini durchgeführte Umfrage. Heute schon führen 38 Prozent der Unternehmen in Deutschland AR-, 28 Prozent VR-Lösungen ein. Damit liegen sie bei der Umsetzung auf Platz vier hinter den USA, China und Frankreich. Auch die Verbraucher stellen sich auf die Einführung der Technologie ein. In einer Studie des Unternehmens Artec 3D in den USA haben rund 69 Prozent der Befragten angegeben, dass VR und AR im Onlineshopping eine Rolle spielen werden. Eine zentrale Erkenntnis: Rund die Hälfte der Befragten findet ein interaktives 3-D-Modell beim Onlineshoppen hilfreicher als Bilder. „Wer sich jetzt nicht mit der Technologie auseinandersetzt, ist unvorbereitet, wenn sie sich auf breiter Front durchsetzt. Die Kunden werden zu den Händlern gehen, die die neuesten Features anbieten“, sagt Jens Thiemann, Gründer des AR- und VR-Start-ups VRTX Labs, voraus.


VR versus AR

In der Virtual Reality befindet sich der User in einer komplett virtuellen Welt ohne Berührungspunkte mit der Außenwelt. Augmented Reality hingegen ist die informationsbasierte virtuelle Erweiterung der physischen Welt.


Next Generation E-Commerce

Doch wo genau stecken die Potenziale für den Handel? „Mittlerweile gibt es Hunderte Start-ups, die sich mit der Technologie beschäftigen. Vor allem im Bereich AR auf Smartphones werden zahlreiche Lösungen angeboten“, weiß Thiemann. Ein niederländisches Start-up, das einem Handelsriesen geholfen hat, eine solche Lösung erfolgreich einzusetzen, ist Twnkls. Es hat mithilfe der ARKit-Software von Apple innerhalb von nur neun Wochen die App „Ikea Place“ entwickelt.

Diese erlaubt es Kunden, Möbel mittels AR in den eigenen vier Wänden probeweise zu stellen. Doch nicht nur den Möbelmarkt mischen die immersiven Welten auf, auch die Bekleidungsindustrie profitiert von den neu geschaffenen Möglichkeiten. Der Konzern GAP macht es vor. In Zusammenarbeit mit dem mittlerweile von Gerber Technology erworbenen Start-up Avametric hat er auf Basis der Google-Tango-Technologie die App DressingRoom ins Leben gerufen. DressingRoom ermöglicht den Kunden, die Kleidung vor dem Kauf auf einem Modell virtuell anzuprobieren.

Neben Smartphone-Apps verändern auch AR- und VR-Brillen unser Shoppingerlebnis. „2016 hat Facebook die Oculus und HTC die Vive herausgebracht. Das waren die ersten massenmarktfähigen 3-D-Systeme. Bei AR begann die erste Technologiewelle bereits mit Google Glass, gefolgt von der Einführung der Microsoft HoloLens im Jahr 2016“, erinnert sich Thiemann. Ein heiß diskutiertes Start-up im Brillenumfeld ist Magic Leap. 2018 hat es seine Augmented-Reality-Brille Magic Leap One auf den Markt gebracht.

Für Kathleen Schröter, Executive Manager des 3IT – Innovation Center for Immersive Imaging Technologies am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut, ist die Entwicklung der Branche stark an bessere Brillen gekoppelt: „Solange die Brillen für den Endverbrauchermarkt nicht gut genug sind, bleiben VR und AR dort erst einmal eine Nische. In industriellen Anwendungen sieht man den Einsatz schon, zum Beispiel wird bei der Wartung von Fahrstühlen via HoloLens bereits eine Art Fernwartung hinzugeschaltet oder es wird die Sortierung in Lagerhallen durch AR-Brillen unterstützt.“

Welches Potenzial AR-Brillen für den Konsumentenmarkt jetzt schon haben, demonstriert Saturn. In Zusammenarbeit mit dem Start-up Innoactive erweckte das Unternehmen mithilfe der HoloLens 2017 den Avatar Paula zum Leben. Die virtuelle Assistentin hat den Kunden in ausgewählten Geschäften während der „HoloTour“ neue Produkte und deren Features vorgestellt.

Obwohl der Einsatz der Technologie zunimmt und Lego Wear erst jüngst in London mit einem Pop-up-Store ohne Ware, dafür aber mit Augmented-Reality-Modeboutique, zeigt, was technisch geht, bleibt Schröters Haltung kritisch: „Der Handel sollte sich mehr mit der Einbindung von digitalen Geschäftsmodellen und der Customer Journey sowie Customer Experience beschäftigen, um ein positives und persönliches Erlebnis mit dem Einkauf zu verbinden, statt eine Technologie zu suchen, die den Kunden kurzfristig locken könnte, weil sie gerade gehypt wird.“

Neue Zugänge zu Marken und Produkten

Mancher Branchenkenner sieht das anders und das Potenzial von AR und VR genau darin, Kunden beim Einkauf besondere Erlebnisse zu ermöglichen und neue Zugänge zu Marken und Produkten zu eröffnen. Angst müssten Händler vor den virtuellen Welten nicht haben, betont Gründer Jens Thiemann – außer jene, die sich nicht damit beschäftigen: „Diese Technologie ist kein Hexenwerk. Aber weil sie mit Macht kommen wird, müssen wir uns mit ihr auseinandersetzen.“

Das vollständige Interview mit Jens Thiemann, CEO des Start-ups VRTX Labs und Sprecher der Virtual- und Augmented-Reality-Plattform des Bundesverbands Deutscher Start-ups finden Sie hier.

 

Drei Start-ups, eine Mission: Welten verschmelzen

Von der Beratung über die Entwicklung von Hard- bis Software – diese jungen Unternehmen tragen virtuelle Welten in den Einzelhandel:

 

Voller Durchblick

Das 2010 gegründete US-amerikanische Start-up Magic Leap zählt zu den Playern der Szene, die sich auf Head-Mounted Displays und Mixed Reality konzentrieren. Im Fokus der Entwicklungsbemühungen steht also eine Augmented-Reality-Hard- und Software. Zuletzt hat es seine Brille Magic Leap One auf den Markt gebracht. Es handelt sich dabei um eine für Entwickler vorgesehene Creator Edition. In Deutschland ist die lang ersehnte Brille noch nicht erhältlich. Sie wird gemeinsam mit dem sogenannten Lightpack, einer mit der Brille verbundenen Recheneinheit, und einem Controller geliefert. Dabei fällt die futuristische Hardware laut Medienberichten mit 320 Gramm leichter aus als bei der Konkurrenz. Investoren wie Google, Alibaba oder auch Axel Springer haben bereits in das viel diskutierte Start-up investiert.
Lösungen für Augmented-­Reality-Hard- und Software: magicleap.com

Gebrandete Welten

Twnkls ist ein internationaler AR-Player und selbst ernannter Pionier der Szene. Das niederländische Start-up entwickelt Augmented Reality und Computer-Vision-Technologie. Damit die Lösungen nicht an innovativer Kraft verlieren, unterhält es eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Das Team aus 36 Experten versteht sich dabei als Full-Service-Agentur, die Unternehmen vom ersten Schritt eines grundlegenden Verständnisses bis hin zur Schaffung virtueller Räume begleitet. Zu den Angeboten des 2011 gegründeten Unternehmens gehören dabei neben der Konzeption von Strategien, die sich an den Bedürfnissen AR-interessierter Unternehmen orientieren, Seminare, Keynotes und Workshops. Dabei steht es seinen Kunden beratend zur Seite und designen individuell gebrandete Welten.
Konzeption von Strategien, ­Seminare, Key-Notes und Workshops: twnkls.com

Szenarienschmiede

Innoactive entwickelt VR-, AR- und MR-Software – unter anderem für den Einzelhandel, die Automobil- und Pharmaindustrie. Das 2013 gegründete Start-up zählt mittlerweile Größen wie VW, Continental oder die MediaMarktSaturn Retail Group zu seinen Kunden. Ob es um die Schaffung von Räumen für virtuelle Meetings, Avatare oder spezielle Trainingseinheiten für die Mitarbeiter geht: Der Softwarehersteller aus München überzeugt durch vielfältige Szenarien und Einsatzgebiete. 2018 konnte sich das junge Unternehmen über eine 4,4 Millionen Euro schwere Investition von Unternehmertum Venture Capital Partners und Capnamic Ventures freuen.
Entwicklung von VR-, AR- und MR-Software: innoactive.de

Schlagworte: Augmented Reality, Virtual Reality, Start-up, Technologie, Service

Kommentare

Ihr Kommentar