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Personalpraxis

Zusammenbringen

Alle Welt geht in Zeiten der Coronapandemie auf Distanz, das schürt Ängste - gerade jetzt, wo die Infektionszahlen wieder steigen. Dagegen kann ein verständnisvoller Chef sein Team einschwören.

Von Ruth Lemmer 23.10.2020

© Shutterstock

Auch wenn alle Welt von Social Distancing spricht, ist Rückzug die falsche Strategie: Es geht letztlich darum, körperliche Nähe zu vermeiden und sich nicht gegenseitig anzuatmen, in Wahrheit also Physical Distancing zu pflegen.

Mitarbeiterinnen im Lebensmittelhandel treffen auf unwirsche Kunden, die nicht immer einsehen, dass es überlebenswichtig ist, eine Maske zu tragen und Abstand voneinander zu halten. Beschäftigte in Boutiquen beobachten mit Sorge, wie zögerlich Shopper nach der Wiedereröffnung ihres Geschäfts einkaufen. Gefragte Waren, wie Kameras für Videokonferenzen und Laptops, werden noch häufiger als ohnehin schon online gekauft. Das Coronavirus beherrscht Ladeninhaber wie Mitarbeiter seit März – und eine Normalisierung ist nicht absehbar. Arbeitsplatzverlust und Ansteckungsgefahr: zwei Gefahren, die auf die Psyche gehen.

Auch wenn alle Welt von Social Distancing spricht, ist Rückzug die falsche Strategie gegen diese ungeordneten Ängste. Es geht letztlich darum, körperliche Nähe zu vermeiden und sich nicht gegenseitig anzuatmen, in Wahrheit also Physical Distancing zu pflegen. Um seine sozialen Kontakte im Arbeitsalltag sollte sich jeder umso intensiver kümmern. Das ist nicht nur, aber auch Chefsache.

Pläne für die Zukunft schmieden

Einfach mal telefonieren, ob mit oder ohne Video übers Handy, sich zum Chat verabreden, eine WhatsApp-Gruppe bilden, damit alle den gleichen Informationsstand haben: Auf jedem Kanal kann der Geschäftsinhaber signalisieren, dass die Mitarbeiter nicht überflüssig sind. Pläne für die Zukunft zu schmieden, schweißt zusammen. Die existenzgefährdende Krise darf nicht vertuscht, sie soll überwunden werden.

Für ein Arbeitsteam gibt es reichlich Dinge, die es gemeinsam machen kann. Gerade solche, für die bei Hochbetrieb die Zeit fehlt: renovieren, mal überall ordentlich sauber machen, Warenlisten auswerten, das Lager ausmisten, das Produktportfolio analysieren, Schaufenster gestalten, Ideen sammeln.

Werkelt ein Verkaufsteam offensiv an der Zukunft, gehört definitiv auch die Planung von Online-Aktivitäten dazu. Was passt zur Branche, was zu den Kunden? Sich da spielerisch einarbeiten, das können auch die Mitarbeiter, die wegen des Kundenmangels oder verkürzter Öffnungszeiten nicht im Geschäft stehen. Und wenn der Chef dann nach einer ungewohnten Arbeitswoche noch eine Runde Kaffee und Kuchen oder Würstchen und Wasser ausgibt, macht auch dies mögliche Ängste zumindest kurz vergessen – trotz gehörigen physischen Abstands.

„Widerstandskraft stärken“

Knut Bäcker, Personalmanager und Ehrenamtler bei #coronacare, dem kostenlosen Coaching-Pool der Weiterbildungsakademie ABIS Business, über den richtigen Umgang mit den Ängsten von Mitarbeitern

Welche Angst trifft Menschen härter, die vor Ansteckung oder die vor dem Arbeitsplatzverlust?

Die diffuse Angst vor der Ansteckung weicht der Furcht vor dem Verlust von Arbeit und Einkommen. Weil derzeit jegliche Planbarkeit fehlt, steigt das ungute Gefühl, an seinem Lebensabend sozial weniger abgesichert zu sein. Wie stark die Ängste beim Einzelnen werden, hängt davon ab, wie Menschen sich individuell zu Risiken verhalten und wie belastbar ihre Widerstandskräfte sind.

Wie kann der Chef die Widerstandskraft seiner Mitarbeiter stärken?

Da die Bandbreite des Umgangs mit Ängsten weit ist, muss der Vorgesetzte die Mitarbeiter seines Teams gut kennen. Dann weiß er, was der Einzelne braucht, und kann auf die individuellen Sorgen eingehen. In jedem Fall sollte ein Chef Verbindung zu den Beschäftigten halten, ganz gleich, ob sie zu Hause sind oder im Geschäft.

Wie offen dürfen und müssen Führungskräfte sein?

Es ist gut, sich den eigenen Ängsten zu stellen und diese zu benennen. Wer auf Sicht führen muss, sollte dies transparent machen. Und das Ziel „Wir stehen das zusammen durch“ wirkt positiv auf ein Team.

Schlagworte: Personalpraxis

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