Jeden Tag Gründer

Kleinere Händler beklagen häufig die Konkurrenz aus dem Internet. Wolfgang Meyer sieht die Digitalisierung als Chance, nicht als Bedrohung. Der Gründer und Geschäftsführer vom Haus der Musik in Detmold hat auf den Onlinehandel gesetzt und gelernt, die Vorteile des Digitalen zu nutzen.

Von Kapka Todorova 30.04.2019

© privat

Herzenssache: Wolfgang Meyer in seinem „Haus der Musik“, wo trotz Digitalisierung die Notenblätter von der Decke baumeln.

Wolfgang Meyer betreibt ein mittelständisches Unternehmen mit sieben festen Mitarbeitern und drei Aushilfen. Jeder der Mitarbeiter ist ein Fachmann, beherrscht mindestens drei Instrumente und kann Kunden professionell beraten. Das Angebot des Onlineshops umfasst Noten von 440 000 Musikstücken. Dahinter steht eine moderne Logistik. „Wir haben das Warenwirtschaftssystem unserer Lieferanten mit unserer Website und unserer Warenwirtschaft verknüpft und können in Echtzeit auf die Lager der Lieferanten zugreifen“, erklärt Meyer. Rund 70 Prozent der Noten verkauft das „Haus der Musik“ mittlerweile online, wobei Meyer selbst zwischen On- und Offline keinen Unterschied macht. Als moderner Unternehmer hat er die Kanäle längst integriert.

Vor 20 Jahren entschloss sich der gelernte Musiker, nicht mehr auf die Bühne zu gehen und stattdessen im Hintergrund zu arbeiten, also Instrumente und Noten zu verkaufen. Der Italiener, bei dem er damals immer seinen Cappuccino trank, habe eines Tages zu ihm gesagt: „Mensch, gegenüber steht ein leeres Haus, frag doch einfach mal“, erinnert sich der Gründer. Der Vermieter ließ sich von Meyers Idee überzeugen. „Ich habe dann von null mit einem Angestellten und ohne Kapital angefangen. Alles musste schnell gehen. Eine Woche nach Gründung der Firma haben wir den Laden eröffnet. Und er lief vom ersten Tag an“, erinnert sich Meyer. Der ideale Standort und die ortsansässige Musikhochschule von bundesweiter Bedeutung sorgten vom Start weg für hohe Umsätze.

Doch trotz guter Rahmenbedingungen musste Meyer beweglich bleiben. Besonders fordernd waren die vergangenen fünf Jahre. „Die Digitalisierung hat den Markt und die Erwartungen der Kunden rasant verändert.“ Doch Meyer wusste das Internet samt der sozialen Medien als Plattform für seine Geschäftsideen zu nutzen. Das Ziel war, einen Shop aufzubauen, der sich von anderen unterschied und das gewachsene Vertrauensverhältnis zu den Kunden bewahrte.

Allein einen Onlineshop aufzumachen, ist natürlich nicht alles: Es geht um Verknüpfung, Schnittstellen, Zusammenarbeit. „Man muss die digitale Welt verstehen, lieben und beherrschen – das ist Chefsache“, so der Musikfreund. Und er weiß um die Qualitäten, die er als kleiner Händler ausspielen kann: Seine Kunden können ihn anrufen, treffen, ihre Instrumente und Noten vor Ort kaufen, aber auch online bestellen, nachdem sie sich haben beraten lassen. Jüngst bekam Meyer eine Urkunde von der IHK: Gratulation zum 20-jährigen Betriebsbestehen. „Früher hätte ich mich gefreut und gesagt: ,Wir machen weiter so.‘ Heute wäre aber so eine Einstellung fatal. Wir sind jeden Tag Gründer.“


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