Vier unter Strom

Der Elektromobilität gehört die Zukunft. Doch bis dahin dauert es noch ein Weilchen. Zwei Stromer und zwei Hybrid-Modelle, die die Wartezeit verkürzen.

Von Thomas Müller 01.02.2018

© Lexus

Hyundai Ioniq Hybrid 

Mit dem Ioniq setzen die Koreaner konsequent auf die Elektrifi zierung – und bieten ihren Kunden dennoch Auswahl an. Ob Hybrid, Plug-in-Hybrid oder Elektroauto: Hyundai hat’s. Fuhrparkmanager, die sich mit der Reichweite des reinen Stromers (bis zu 280 Kilometer unter Idealbedingungen) und den recht langen Ladezeiten (viereinhalb Stunden an der Wallbox) nicht abfi nden mögen, könnten sich auf das Hybrid- Modell konzentrieren: Der Verbrauchswert ist dank Rekuperation erstklassig (3,4 Liter auf 100 Kilometer) und auch der CO2-Ausstoß (92 g/km) des fast 1,5 Tonnen schweren Kompaktwagens spricht für sich. Die Spitzengeschwindigkeit (185 km/h) unterstreicht die Alltagstauglichkeit des Ioniq-Hybrid ebenso wie das Ko erraumvolumen (443 Liter). Das Fahrverhalten ist dank Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe angenehm. Spurhalte- und Notbremsassistenten sorgen für Sicherheit; beheizbare Sitze sowie ein temperierbares Lenkrad sind an kalten Tagen auch nicht zu verachten. Die für Hyundai typische gute Verarbeitung im Innenraum, ein zeitgemäßes Infotainmentsystem mit 8-Zoll-Display und ein durchaus ansprechendes, jedenfalls Konkurrenten wie Leaf und Prius überlegenes, Außendesign komplettieren ein rundes Autoangebot.

BMW i3S

BMWs kleines Elektroauto steckt voller innovativer Technologien, doch die kraftvolle Dynamik der Marke aus Bayern verkörpert das Modell eher nicht. Schmallippig wirkt der Stromer, etwas schwächlich unterwegs auf dünnen Reifen. Der i3s ist nun die Antwort des Autobauers auf die viel geäußerte Kritik. Das frisierte Modell kommt mit breiteren Reifen, einer um vier Zentimeter breiteren Spurweite und, so könnte man meinen, mit insgesamt breiterer Brust (neue Frontschürze) daher. 14 PS mehr Leistung und ein um 20 Newtonmeter erhöhtes Drehmoment machen sich bei dem 1 265 Kilogramm schweren Kleinwagen deutlich bemerkbar. Der Stromer spurtet unter sieben Sekunden von null auf Tempo 100 und erreicht immerhin eine Spitzengeschwindigkeit von 160 km/h (zehn km/h schneller als der i3). Neben Look und Power hat BMW die Frisierarbeiten für den i3s auch auf die Ausstattung ausgedehnt. LED-Scheinwerfer gehören hier zur Serie, die upgedateten Assistenz- und Infotainmentsysteme bieten mehr Möglichkeiten. Der Preisunterschied zwischen den Modellen liegt bei rund 3.500 Euro. Für jene, die sich einen i3 als Zweitwagen leisten können, macht der Aufschlag für die sportive Variante womöglich keinen großen Unterschied, sodass das Geld in die Modifi zierungen gut investiert ist.

Lexus LS 500H

In Europa tritt die japanische Oberklasse auf der Stelle, zu stark ist die Konkurrenz mit Ringen, Raute oder Stern als Emblem. In anderen Teilen der Welt kommt Lexus mit seinem Spitzenmodell LS besser an: Seit 1989 verkaufte Toyota das Flaggschi seiner Tochtermarke immerhin 800 000-mal. Nun geht die fünfte LS-Generation an den Start, um mit der vereinten Kraft des neuen Hybridantriebs Boden im Wettbewerb mit den etablierten Premiummarken gutzumachen. Ein 3,5-Liter-V6-Benziner (295 PS) und zwei Elektromotoren (zusammen 60 PS) schieben die über 2,2 Tonnen schwere Limousine in 5,4 Sekunden von null auf Tempo 100. Die Lithium-Ionen-Batterie ist 20 Prozent kleiner und zudem leistungsstärker als der Akku der Vorgängerserie. Lexus‘ stufenloses „Multi Stage Hybrid System“ ermöglicht die lineare Beschleunigung ohne den „Gummibande ekt“ nach dem Gangwechsel, der bei den Automatikgetrieben des früheren Modells auftrat. Beim Lexus LS 500h verzichten die Japaner jedoch auf die Möglichkeit des rein elektrischen Fahrens. Was E-Auto-Fans enttäuschen mag, freut Fuhrparkmanager: Weil die Elektromotoren nur zum Beschleunigen genutzt und beim Ausrollen und Bremsen nachgeladen werden (Rekuperation), kann der Luxus-Lexus eine vergleichsweise gute Umweltbilanz (Normverbrauch: 6,2 Liter; CO2-Ausstoß: 167 g/km) vorweisen. Das mit dem EyesOn Design Award ausgezeichnete Interieur folgt übrigens dem Omotenashi genannten Prinzip der japanischen Gastfreundschaft. Und für gute Freunde ist einem ja bekanntlich nichts zu teuer.

Nissan Leaf 

Er ist vielleicht nicht unbedingt eine automobile Schönheit, doch deswegen muss der Nissan Leaf sich keineswegs verstecken. Das meistverkaufte Elektroauto der Welt überzeugt mit anderen Qualitäten: Es läuft und läuft. Die Funktionalität des Stromers hat sich längst herumgesprochen; darum dürfte Nissan mit der zweiten Generation seines Verkaufsschlagers leichtes Spiel beim Verbraucher haben. Ein Hauch schnittiger ist der Nachfolger geworden – und deutlich agiler: Der Elektromotor leistet nun 150 PS bei 320 Newtonmeter Drehmoment. Man darf sich die verdutzten Gesichter der Fahrer sportlicher Verbrenner vorstellen, wenn der Leaf an der Ampel losschießt wie ein Kugelblitz. Die Zurückgelassenen mag trösten, dass der Stromer auf der Autobahn nur ein Tempo von 140 km/h erreicht. Der Leaf-Fahrer kann sich bei der gemächlichen Fahrt auf der rechten Spur immerhin sicher sein, dass er sein Ziel erreichen wird. Ein leistungsstärkerer Akku schraubt die Normreichweite auf beachtliche 368 Kilometer. Platz im Ko erraum (435 Liter Fassungsvermögen) lässt die große Batterie trotzdem. Wenn man den Fuß vom „Gaspedal“ nimmt, bremst der Stromer selbsttätig und lädt die Batterie per Rekuperation wieder auf. An der Steckdose dauert der Ladevorgang 15 Stunden, am Schnelllader nur rund eine Stunde.

Schlagworte: Autoquartett, Fuhrpark, Elektroautos, Auto

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