Flottenmanagement

Spurwechsel

Weniger Kilometerleistung, weniger Mitarbeiter, Kosten sparen: In der Coronakrise besteht bei vielen Unternehmen Bedarf, ihr Flottenmanagement den neuen Bedingungen anzupassen. Welche Lösungen gefragt sind.

Von Eva Neuthinger 14.09.2020

© Getty Images/3alexd

Jürgen Karpinski: „Die Firmen wollen in der Krisensituation Kosten sparen.“

So langsam scheinen die Nachfrage und das Interesse der Großkunden wieder anzuziehen. „Allerdings darf das noch nicht als gesicherter Trend oder belegbare Entwicklung gesehen werden. Doch seit wir unseren Verkauf wieder öffnen dürfen, konnten wir über die vergangenen Wochen eine Belebung des Marktes beobachten“, erklärt Jürgen Karpinski, Geschäftsführer der Firma Auto Schmitt und Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe.

An jeweils zwei Standorten in Frankfurt und Idstein beschäftigt der Unternehmer 220 Mitarbeiter. Unter anderem bietet der Kfz-Händler Firmen aller Branchen in den Segmenten Dienstwagen sowie Nutzfahrzeuge eine Rundumversorgung. „Wir wickeln bei Bedarf das gesamte Flottenmanagement ab. Von der Finanzierung bis zur Wartung, der Reparatur und der Abrechnung von Tankquittungen“, erläutert Karpinski.

In den vergangenen Monaten haben sich aus seiner Sicht die Bedürfnisse der Unternehmen verschoben. „Zunächst verzeichneten wir einen kompletten Einbruch. Das Thema Dienstfahrzeuge stand bei unseren Kunden während des Lockdowns quasi überhaupt nicht mehr auf der Agenda“, erläutert Karpinski. Inzwischen beobachtet er, dass sich häufiger zwei oder mehr Arbeitnehmer ein Fahrzeug nach Bedarf teilen. „Die Firmen wollen in der Krisensituation Kosten sparen“, sagt Karpinski. Außerdem werden die einzelnen Fahrzeuge weniger genutzt, weshalb die Kilometerleistung tendenziell gesunken ist.

Verträge anpassen

Das deckt sich mit den Ergebnissen diverser Umfragen des Flottendienstleisters Vimcar. Das Unternehmen erfasste die Bewegungsdaten von über 90 000 Geschäftsfahrzeugen. Bei jeder vierten Firma reduzierten sich die Strecken um die Hälfte, wobei Pendelfahrten von zu Hause zur Arbeit deutlich weniger einbrachen als geschäftliche Fahrten. „Viele Mittelständler wie auch Einzelhändler konnten nicht einfach ins Homeoffice wechseln, weil ihr Geschäftsmodell es nicht zulässt. Oft fehlte es zudem an den technischen Voraussetzungen, um die Arbeit in die eigenen vier Wände zu verlagern“, kommentiert Vimcar-Geschäftsführer Andreas Schneider die Entwicklung. Kundengespräche wurden oft telefonisch oder online geführt. Lieferservices waren gefragt. Deshalb verzeichnete der Dienstleister eine verstärkte Nachfrage nach Software zur Fahrzeugortung.

„Erst wenn Geschäftstermine und Dienstreisen wieder wie gewohnt stattfinden, werden sich die Wegstrecken wieder auf dem Ursprungsniveau einpendeln“, prognostiziert Schneider. Er geht von einem schrittweisen Anstieg aus. Die Mehrheit von 60 Prozent der befragten Unternehmen will die Anzahl ihrer Fahrzeuge konstant halten. Jeder zehnte Mittelständler plant, die Flotte zu reduzieren. Elf Prozent der Firmen beabsichtigen, Verträge anzupassen, und jeder fünfte Umfrageteilnehmer hat die Bestellung neuer Fahrzeuge aufgeschoben.

Alles kommt auf den Tisch

Bei der Bestellung von Neufahrzeugen kommt es derzeit ohnehin zu Lieferverzögerungen. Das beobachtet auch der Lebensmitteleinzelhändler Tegut. „Bei einigen Fahrzeugmodellen hat sich die Lieferzeit verlängert, ansonsten hat sich aber für uns als Lebensmitteleinzelhändler beim Flottenmanagement nichts geändert“, erklärt Florian Göb, Leiter des Bereichs Sicherheit und Versicherung bei Tegut. Das Unternehmen least 99 Prozent seiner Pkw und leichten Nutzfahrzeuge, da ansonsten angesichts von 330 Fahrzeugen im Fuhrpark die Kapitalbindung zu hoch wäre. „Gekauft wird nur, wenn die Nutzung des Fahrzeugs dies bedingt. Das heißt, wenn absehbar ist, dass viele Beschädigungen zu erwarten sind, die von der Leasinggesellschaft bei der Rückgabe wertmindernd in Abzug gebracht werden“, erklärt Göb.

Das Problem der Lieferengpässe lösen Firmen momentan häufig, indem sie bestehende Leasingverträge verlängern. „So konnten wir das Problem auf dem kurzen Dienstweg kurzfristig beheben“, erklärt Stefan Gentemann, Vertriebsleiter Car-Solutions beim Leasingfinanzierer Abcfinance Advise in Köln. Insgesamt seien die Flotten weder verkleinert worden noch verzeichne er eine geringere Nachfrage als gewöhnlich.

Vertragsverlängerungen stehen momentan auch bei Autohändler Jürgen Karpinski auf dem Plan. Er konstatiert: „Inwieweit sich diese Lösung als Alternative zum Neuabschluss anbietet, muss individuell geprüft werden.“ Auch neue Preisgestaltungen stünden im Fokus. „Alle Stellschrauben des Leasings, wie die vereinbarte Kilometerleistung, die neue Laufzeit und der Restwert, können auf den Tisch kommen“, so Karpinski. Verlängerungs- oder Anschlussverträge werden gegebenenfalls unter neuen Bedingungen geschlossen.

Kollege Frank Hägele von der Deutschen Leasing rät Unternehmen, in der aktuellen Situation auf ihren Leasinganbieter zuzugehen und den Fuhrpark analysieren zu lassen: „Die Fuhrparkanalyse anhand der Gesamtkosten ist ein erster entscheidender Schritt in einem tief greifenden Optimierungsprozess.“ Auf Basis der gewonnenen Informationen könne im nächsten Schritt die gesamte Flotte zukunftsfähig aufgestellt und gegebenenfalls auch über Vertragsanpassungen gesprochen werden.

Patrick Rosenblatt, Geschäftsführer des gleichnamigen Fachgeschäftes für Tapeten, Farben und Bodenbeläge in Erftstadt bei Köln, geht einen komplett anderen Weg. Er entschied sich vor fast zwei Jahren statt des Leasings für ein Auto-Abo der Firma Like2drive. „Wir haben zwei Firmenwagen. Der Vorteil besteht für uns darin, dass wir regelmäßig ein neues, sehr gut ausgestattetes Modell nutzen können und uns um die aufwendige Konfiguration nicht zu kümmern brauchen“, erklärt Rosenblatt. Darüber hinaus entstehe kein bürokratischer Aufwand mit Versicherungen, Schadenabwicklungen oder Inspektionen. „Es fällt lediglich eine feste Rate an, mit der wir gegenüber anderen Finanzierungen Geld sparen“, sagt der Händler. Drei Monate vor Abo-Ende wählt er online einen neuen Wagen aus. Rosenblatt: „Damit ist die Anschlussmobilität reibungslos gesichert.“ ●

Schlagworte: Auto, Fuhrpark, Flottenmanagement

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