Testfahrt

Neue Energie für den Bestseller

In der fünften Generation stattet Toyota sein SUV-Urgestein mit Hybridtechnik aus. Den Japanern gelingt eine Punktlandung: Die emissionsfreie Reichweite des modern gestylten Plug-in-RAV4 kann sich sehen lassen, während drei Motoren für viel Hubraum und sportlichen Fahrspaß sorgen.

Von Frank Heide 07.12.2020

© Toyota

Toyota RAV4 PHeV

Da können Umweltschützer noch so über die massive Förderung von Plug-in-Hybriden (PHEV) schimpfen – die finanziellen Anreize wirken bei „Otto Normalfahrer“ extrem gut. Noch nie wurden in Deutschland so viele Elektroautos (mit und ohne Ladestecker) verkauft wie seit Juli 2020. Ihr Marktanteil beträgt mittlerweile mehr als zehn Prozent aller Neuzulassungen. Toyota macht also alles richtig, wenn in genau dieser Phase die Neuauflage eines globalen Bestsellers der Marke in den Wettbewerb rollt. Der RAV4 zählt zwar seit 1994 zu den Urgesteinen des SUV-Segments, doch erst in der fünften Generation bekommt er nun die Hybridtechnik, die aktuell mit 6.750 Euro bezuschusst wird. Das Fahrzeug kostet mindestens 46.300 Euro.

Dienstwagenfahrer, die den Plug-in-RAV4 auch privat nutzen, müssen monatlich nur noch 0,5 statt 1 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Bei einem Preis von 59.000 Euro, die der RAV4 in Topausstattung kostet, sind statt 590 nur 295 Euro zu versteuern. Was bekommt man für sein Geld? Ein unaufdringliches, aber stattliches und modern gestyltes SUV. Wirklich sparsam ist man mit dem 4,40 Meter langen Fünftürer im Stadtverkehr, wo er auch im Alltag die Herstellerangabe von 75 Kilometer rein elektrischer Reichweite schafft. Auch für viele Pendler dürfte diese Fahrleistung aus den 18,1-kWh-Lithium-Ionen-Batterien reichen, um die tägliche Strecke zu absolvieren.

Reifenquälende Power

Unter der Oberfläche bekommt man gleich drei Motoren, was den RAV4 zu einem ungewöhnlichen E-Auto mit viel Hubraum macht: zweimal Elektro mit 182 PS vorn und 54 PS hinten plus weitere 185 PS aus einem 2,5-Liter-Vierzylinderbenziner. Macht zusammen: 306 PS Systemleistung, die eine stufenlose CVT-Automatik automatisch auf alle vier Räder verteilt.

Damit sind auch dynamische Fahrleistungen möglich, wie ich im Sportmodus feststelle: In nur sechs Sekunden lässt sich der gediegen ausgestattete 1,9-Tonner aus dem Stand auf Tempo 100 pushen. Auch bei Zwischenspurts springt der Wagen förmlich nach vorn, diese reifenquälende Power hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Allerdings kommt er so auch schnell an seine Grenzen, denn das Fahrwerk des RAV4 ist eher auf Alltag und Komfort ausgelegt. Rein elektrisch schafft er auf der Autobahn 135 km/h, bei Tempo 180 wird er abgeriegelt. Auf der Habenseite verbucht der RAV4 zudem eine vernünftige Zuladung, sie liegt zwischen 520 und 1 605 Liter Stauvolumen. Im Vergleich zur „normalen“ Variante haben die großem Akkus also im Heck nicht allzu viel Platz gekostet.

Was gefällt nicht so gut? In die vielen Daten und Anzeigen zu Verbrauch, Ladestand, Reichweite oder Fahrstil muss man sich erst mal einarbeiten. Intuitiv​ fand ich die Bedienung im Toyota nicht gerade. Aber wer sich eingefuchst hat, der merkt, dass der RAV4 echten Hybridfans eine wahre Informationsflut bietet. Ein bisschen altmodisch wirkt die hohe Anzahl von Knöpfchen, Schaltern und Reglern im Innenraum. Viele Wettbewerber haben inzwischen ihre Fahrzeuge erfolgreicher entrümpelt.

Enorme Zahl vom Komfortfeatures

Andererseits findet man – je nach Ausstattungsvariante – eine enorme Zahl an modernen Komfortfeatures und Sicherheitsassistenten, von Apple CarPlay und Android Auto über aktive Spurhaltung und Kollisionsvermeidung bis hin zu einem Kamera-Rückspiegel, der für neue Perspektiven sorgt.

Vielfahrer sollten beachten, dass der Toyota bei hohen Geschwindigkeiten richtig zulegt – sowohl beim Verbrauch als auch bei der Geräuschentwicklung. Wer ohnehin lieber mit 130 statt 180 km/h unterwegs ist, wird damit jedoch kein Problem haben. Trotz der aktuell massiven Förderanreize und der großen Beliebtheit gilt es zu bedenken: Ein Plug-​in-Hybrid ist nur sinnvoll für Fahrer, die zu Hause oder beim Arbeitgeber die Möglichkeit haben, die Akkus aufzuladen. Sonst wird die 250 Kilogramm schwere E-Technik zum unnötigen Ballast. 

Heides Testurteil

Der Plug-in-Hybrid punktet mit guter Elektroreichweite, beherrscht aber auch den Sprint, wenn es mal sein muss. Seine Stärken spielt der RAV4 aus, wenn man es ruhig angehen lässt. Natürlich gibt es spannendere Autos als diesen Toyota, doch mit denen ist der Fahralltag kein solch unaufgeregtes Vergnügen.

Schlagworte: Fuhrpark, Autokauf

Kommentare

Ihr Kommentar