Anzeige
Interview

„Viele Händler arbeiten mit negativem Working Capital“

Volker Riedel, Partner der Unternehmensberatungsgesellschaft Dr. Wieselhuber und Partner in München, zur aktuellen pandemiebedingten Krisensituation für Händler.

Von Eva Neuthinger 04.05.2020

© Jan Huebner / Imago

Die Coronakrise bringt viele Händler in Liquiditätsprobleme.

Kann der Gang in die Insolvenz eine Lösung für die momentanen Probleme sein?

Einzelhändler sollten zuerst die Möglichkeiten der Liquiditätshilfen und Förderungen ausschöpfen. Wenn das nicht reicht, kann die frühzeitige Insolvenz in der Eigenverwaltung – am besten im Schutzschirmverfahren – mit allen Vor-, aber auch Nachteilen eine Option sein. Zu bedenken ist, dass die Sanierung viel Geld kostet. Die Honorare für die Berater, die Kosten des Verfahrens sowie die Aufwendungen für die Restrukturierung summieren sich in der Regel auf erhebliche Beträge. Deswegen muss man mit liquiden Mitteln in das Verfahren gehen.

Welche Händler also könnten betroffen sein?

Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, dass die Zahlungsunfähigkeit noch nicht eingetreten ist. Betroffen könnten Einzelhändler sein, die zum einen über eine niedrige Eigenkapitalquote verfügen und andererseits hohe Kosten haben. Sie trifft eine Liquiditätskrise besonders, wenn sie sich nicht kurzfristig mit Fremdkapital versorgen können. Nicht jede Bonitätsklasse erhält aktuell Fördermittel. Viele Händler kämpfen mit Mieten in Höhe von 20 Prozent ihres Umsatzes. Teilweise arbeiten sie infolge einer dynamischen Flächenexpansion mit negativem Working Capital. Kommen ineffiziente Strukturen in der Logistik oder Managementfehler dazu, kommen die Unternehmen ans Limit. Dann bedarf es einer Restrukturierung zu niedrigeren Kosten und das ist insbesondere bei Händlern über ein Schutzschirmverfahren möglich.

Wie kann eine Sanierung in der aktuellen Situation gelingen?

Ziel wird es sein, in einer konzertierten Aktion unter Beteiligung der Gläubiger das Unternehmen zu entschulden und zu restrukturieren. Gute Mitarbeiter sollten möglichst gehalten werden, da qualifiziertes Personal in Zeiten des Fachkräftemangels schwer wiederzubekommen ist. Die Lieferantenstrukturen können neu geordnet werden – auch mit Blick auf mögliche weitere Lieferengpässe, beispielsweise bei Produkten aus Asien.

Schlagworte: Finanzierung

Kommentare

Ihr Kommentar