E-Commerce

Ein Bild statt tausend Worte

Onlinehändler haben es schwer mit Kunden, die nicht genau wissen, was sie suchen. Das Start-up Nyris aus Berlin will mit einer visuellen Produktsuchfunktion Abhilfe schaffen und für mehr Bestellungen sorgen.

Von Tanja Könemann 12.01.2021

© iStock

Suchfunktionen auf Basis von Fotos können für mehr Online-Umsatz sorgen.

Kaufbedürfnisse entstehen oft, weil Kunden ein Produkt mal irgendwo gesehen haben: einen schönen Anzug im Social-Media-Kanal oder eine Tasche bei der Sitznachbarin in der Straßenbahn. Aber wie heißt das Produkt bloß? Und wer stellt es her? Ein ähnlicher Fall: Es fehlt ein bestimmtes Ersatzteil zur Reparatur, dessen Name nicht bekannt ist. Internationale Player arbeiten schon länger an einer Lösung für solche Probleme: Einkaufen anhand von Fotos.

Das Bildernetzwerk Pinterest etwa ermöglicht Nutzern mit dem Service „Shop the Look“, ein Kleidungsstück direkt aus einem Bild heraus zu kaufen. Online-Gigant Amazon bietet in seiner App eine ähnliche Funktion an, zudem haben Kunden die Möglichkeit, Produkte mit der Kamera ihres Smartphones zu erfassen und sich dieselben oder ähnliche Waren zum Bestellen anzeigen zu lassen. Die Bilderkennungssoftware des Berliner Start-ups Nyris bietet auch dem mittelständischen Handel die Möglichkeit, Kunden bei ihrer Suche zu helfen.

„Wir erweitern die Textsuche im Onlineshop um eine Bildsuche“, erklärt Gründerin Anna Lukasson-Herzig. „Wenn etwa die Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs ein Teil in der Hand halten und sich fragen, was das ist – Knüppel, Griff oder Werkzeug – und wie sie es bestellen sollen, können sie einfach ein Foto davon hochladen. Unsere Software sucht dann in der Datenbank Produkte, die genauso aussehen.“ Die Nutzung empfehle sich insbesondere in Bereichen, in denen gut ausgebildete Fachkräfte ihre Zeit bisher mit langen Suchvorgängen verbringen müssten. Neben der Artikelsuche setzen Onlineshopbetreiber die Software auch ein, um Nutzern ähnliche Artikel zum Kauf anzubieten oder Produkte automatisch zu kategorisieren.

Optimiertes Einkaufserlebnis

Die Kosten des Software-as-a-Service-Angebots richten sich nach der Größe der Datenbank, die durchsucht werden muss, der Menge der Anfragen und nach dem gewünschten Servicepaket. „Start-ups, die ihre Daten selbst hochladen und keine Serviceleistungen in Anspruch nehmen, erhalten die Lizenz für wenige Hundert Euro“, so Lukasson-Herzig. Von mittelständischen Kunden würde meist ein Paket zum Preis von 4.950 Euro monatlich gewählt.

Fabian Haustein, Geschäftsführer und Chef von 40 Mitarbeitern beim Hamburger Onlinehändler Esska.de, der Betriebstechnik und Werkzeug an Privat- und Firmenkunden vertreibt, ist vom Angebot des Start-ups angetan. „Wir nutzen Nyris in unserem mobilen Onlineshop und schaffen so ein besseres Einkaufserlebnis“, erklärt er. Schließlich sei es meist wesentlich einfacher, ein Foto einzustellen, als einen komplizierten Produktnamen einzutippen. Aber auch Branchenriesen setzen Nyris' Technologie bereits ein, Ikea etwa in seiner Place-App. Das Möbelhaus ist so überzeugt davon, dass es jüngst als Investor bei Nyris eingestiegen ist.

Schlagworte: Start-up, Onlineshop

Kommentare

Ihr Kommentar