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Gastbeitrag

Über alle Grenzen

Schon jetzt erfolgen 23 Prozent aller Onlineverkäufe in Europa grenzübergreifend, viele Händler sehen Chancen im Ausland. Warum es dabei entscheidend ist, länderspezifische Anforderungen zu kennen, erklärt der CEO der Delivery-Plattform Seven Senders, Johannes Plehn, im Gastbeitrag.

Von Johannes Plehn, CEO von Seven Senders 02.11.2021

© Thodonal / stock.adobe.com

Beim grenzüberschreitenden Onlinehandel gilt es, länderspezifische Anforderungen zu beachten.

Bei der Expansionsplanung gilt es, die Versandbedingungen und Versandvoraussetzungen für das Ausland genau zu prüfen. Je konkreter die Überlegungen vorab sind, desto leichter gelingt der Start. Zunächst sollten sich E-Tailer die Frage stellen, welche Besonderheiten der neue Markt mit sich bringt. Manches, was im nationalen Onlinehandel bereits gut läuft, lässt sich Eins zu Eins auf den Cross-Border-Versand übertragen, anderes muss neu gedacht werden. Folgende fünf entscheidenden Punkte sollten zu Beginn geklärt werden:

►Welches Unternehmen kommt als zuverlässiger Logistikpartner infrage?

►Welche Kundenpräferenzen gibt es im jeweiligen Zielland?

►Wird zusätzliches Personal benötigt?

►Welche Zusatzkosten fallen an?

►Ist eine Integration neuer Anwendungen und Ansprechpartner für die Expansion notwendig?

Wie eine YouGov-Studie im Auftrag von Seven Senders ergab, würden 53 Prozent der Onlinekäufer nicht noch einmal beim selben Händler bestellen, wenn Kaufabwicklung oder Versand nicht zufriedenstellend waren. Demnach ist eine professionelle Customer Experience entscheidend für die Beliebtheit eines Versandhandels – ganz gleich, ob national oder über Grenzen hinweg. Nur Onlinehändler, die die Präferenzen ihrer Kunden kennen und ihren Versand entsprechend organisieren, können ihre Kunden langfristig an sich binden.

Geeigneten Partner wählen

Dies beginnt schon bei der Anpassung des Onlineshops an Sprache und Währung des jeweiligen Ziellandes. Auch wenn es einen gewissen Aufwand erfordert, sich mit den Präferenzen der Kunden unterschiedlicher Märkte auseinanderzusetzen: Eine Pauschallösung führt im Cross-Border-Versand nicht zum Erfolg. Stattdessen sind individuelle Ansätze gefragt. So können sich die Kundenwünsche beispielsweise hinsichtlich Bezahlmethoden und Liefermodalitäten von Land zu Land deutlich unterscheiden.

Versandhändler, die ihr Business auf den Cross-Border-E-Commerce ausweiten möchten, stehen vor der Entscheidung, wen sie als Partner für fremde Märkte wählen: internationale Versanddienstleister oder lokale Carrier. Jede Wahl bringt Vor- und Nachteile mit sich. So können internationale Versanddienstleister für gewöhnlich nicht allen Wünschen der Kunden gerecht werden, da sie einige Services schlichtweg nicht anbieten.

E-Tailer, die den Versand mit lokalen Carriern an den Kundenpräferenzen ausrichten möchten, haben hingegen einen Partner, der den Markt und seine Anforderungen kennt. Gleichzeitig führt eine solche Partnerschaft aber auch zu komplexeren Abstimmungsprozessen, einen Zuwachs an logistischen Aufgaben, eine gestiegene Anzahl an Kontaktpersonen und letztendlich zu höheren Ausgaben.

Analysetools nutzen

Eine Lösung für die gestiegene Komplexität in der Zusammenarbeit mit Carriern bieten sogenannte Carrier-Netzwerke. Diese bieten zentrale Delivery-Plattformen, über die Onlinehändler zwischen unterschiedlichen Versanddienstleistern wählen, sodass Art der Zustellung und Abholung den Wünschen der Kunden vor Ort entspricht. Die Abwicklung erfolgt in der Regel komplett über den Netzwerkanbieter, wodurch Onlinehändler nur einen Vertrag abschließen müssen und einen zentralen Ansprechpartner für alle Zielländer haben.

Wenn der eigene Onlineshop auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleiben soll, ist es wichtig, flexibel zu bleiben und sich laufend an neue Entwicklungen anzupassen. Die E-Commerce-Branche ist sehr kurzlebig – allgemeine Anforderungen und Kundenwünsche, die heute eine hohe Relevanz besitzen, können schon sehr bald überholt sein. Auch hier setzen hochwertige Delivery-Plattformen an und bieten E-Tailern die Möglichkeit, sich laufend über neue Entwicklungen zu informieren. Wenn sich Kundenpräferenzen geändert haben, ermöglicht das System einen einfachen Wechsel zu einem anderen Zusteller innerhalb des Carrier-Netzwerks.

Eine gute Entscheidungshilfe für solche Änderungen in der Zusammenarbeit ist eine umfassende Datenanalyse. Mithilfe entsprechender Analyse-Tools gewinnt der E-Tailer eine Übersicht über alle Vorgänge im Cross-Border-Versand und erkennt Unregelmäßigkeiten, beispielsweise Probleme im Lieferprozess. So können Onlinehändler schnell aktiv werden, bevor ein großer Schaden entsteht. Carrier-Netzwerke helfen E-Tailern sowohl dabei, aktuelle Prozesse zu verbessern, als auch künftige Entwicklungen abzuschätzen. Dies kann den entscheidenden Unterschied machen, wenn es darum geht, neue Märkte zu erobern.

Dr. Johannes Plehn ist Gründer und Geschäftsführer der Delivery Plattform Seven Senders. Er blickt auf langjährige Erfahrung in den Bereichen E-Commerce, Supply Chain Design und Zustellung zurück. Während seiner Promotion an der ETH Zürich befasste er sich mit der Effizienz globaler Lieferketten. Als COO des Onlineshops „Wine in Black“ optimierte er Einkauf-, Bezahl- und Zustellprozesse und entwickelte ein integriertes Order-Management-System.

Schlagworte: Cross-Border, E-Commerce

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