Anzeige
Supply Chain

Handel warnt vor Belastungen durch Lieferkettengesetz

Der Handel in Deutschland hat vor Belastungen durch ein geplantes europäisches Lieferkettengesetz gewarnt. In einem Schreiben an die EU-Kommissionspräsidentin heißt es, ein solches Gesetz, das weite Teile des Mittelstandes überfordere, sei nicht vermittelbar.

09.05.2022

© David Vives / Unsplash

Gerade mittelständische Einzelhändler seien nicht in der Lage, ihre weltweiten Lieferketten lückenlos zu überwachen, warnt der HDE.

Das gelte erst recht in einer Situation, in der weltweit etablierte Lieferketten zusammenbrechen, heißt es. Das Schreiben des Präsidenten des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ging anlässlich des Europatags am 9. Mai auch an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

"Mittelständische Einzelhändler sind schlicht nicht in der Lage, ihre gesamten Lieferketten bis hin zum Sub-Sub-Sub-Unternehmer des Herstellers am anderen Ende der Welt rechtssicher zu überwachen", warnt Sanktjohanser darin. "Hier muss dringend nachgebessert werden, indem zumindest auch auf EU-Ebene das im deutschen Gesetz verankerte Prinzip einer Stufenverantwortung angewendet wird."

Enormer Aufwand durch Neujustierung der Lieferketten

Große Firmen in der EU sollen für Kinder- oder Zwangsarbeit und Umweltverschmutzung ihrer internationalen Lieferanten verantwortlich gemacht werden. Die EU-Kommission plant ein entsprechendes EU-Lieferkettengesetz. Die Richtlinie könnte strenger werden als die deutsche Regelung, weil deutlich mehr Firmen von den neuen Regeln betroffen sein könnten. Das deutsche Gesetz gilt ab 2023, und zwar vorerst für Unternehmen mit mehr als 3000 Beschäftigten. Von 2024 an sinkt diese Schwelle auf 1000.

Der Handel trage die Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland vollumfänglich mit, heißt es im Schreiben des HDE-Präsidenten. "Was aber jetzt schon klar ist: Die neue Weltlage erfordert eine umfassende Neujustierung unserer Lieferketten: bei fossilen Brennstoffen, Rohstoffen, Lebensmittelrohstoffen und zahlreichen Vorprodukten. Diese Umsteuerung geschieht jetzt und ist für unsere Unternehmen mit enormen Kosten, Unsicherheiten und logistischem Aufwand verbunden."

Der vollständige Brief des HDE-Präsidenten steht hier zum Download bereit.

Schlagworte: Lieferkette, Supply Chain, HDE

Kommentare

Ihr Kommentar