Beratung in der Not

Das neue Bundesprogramm zur Förderung des unternehmerischen Know-hows bietet Zuschüsse für umfangreiche Maßnahmen. Start-ups, etablierte Betriebe und Unternehmen in Schwierigkeiten können Hilfe beanspruchen.

Von Rainer Reddig 18.10.2016

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Rund 3,7 Millionen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Damit der deutsche Mittelstand auch in Zukunft stark bleibt, sind Neugründungen und Übernahmen bestehender Unternehmen genauso wichtig wie eine stetige Anpassung der Unternehmen an sich schnell verändernde Rahmenbedingungen. Guter Rat ist gefragt – und teuer. Darum bezuschusst der Bund allgemeine und themenspezifische Unternehmensberatungen.

Mit Beginn des Jahres ist die bundesweite Beratungsförderung für KMU, zu denen auch Angehörige der freien Berufe zählen, neu ausgerichtet worden. Das neue Förderprogramm mit dem Namen „Förderung unternehmerischen Know-hows“ fasst die vorher aufgelegten Programme „Förderung unternehmerischen Know-hows durch Unternehmensberatung“, „Gründercoaching Deutschland“, „Turn-around-Beratung“ und „Runder Tisch“ zusammen.

Zuständig für die Umsetzung ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes in Köln ist mit der Prüfung der Anträge und Verwendungsnachweise zur Bezuschussung von Unternehmensberatungen beauftragt. Die Leitstelle ist eine Abteilung der HDE Trade Services, regionale Ansprechpartner der Leitstelle sind nach den neuen Rahmenrichtlinien daher bevorzugt Experten in den Landesverbänden des Handelsverbands Deutschland (siehe Infokasten).

Individuelle Maßnahmen
Das Förderprogramm richtet sich an Jung- und Bestandsunternehmen sowie Firmen, die sich – unabhängig vom Betriebsalter – in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. Neben allgemeinen Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung können zusätzlich spezielle Maßnahmen gefördert werden. Hierzu gehören etwa Beratungen von Unternehmen, die von Migranten oder Menschen mit Behinderung geführt werden, die Rat bei der Fachkräftegewinnung und -sicherung suchen oder die die Arbeit altersgerecht gestalten möchten. Unternehmen in Schwierigkeiten erhalten eine Beratungsförderung zu allen Fragen der Wiederherstellung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Zusätzlich kann eine Folgeberatung zur Vertiefung der Maßnahmen gefördert werden.

Antrag und Prozedere
Bestandsunternehmen dürfen pro Beratungsschwerpunkt nicht mehr als fünf Tage in Anspruch nehmen. Diese Begrenzung gilt nicht für Jungunternehmen oder Unternehmen in Schwierigkeiten. Hier kann die Maßnahme über den gesamten Förderzeitraum (maximal sechs Monate) durchgeführt und abgerechnet werden. Alle Unternehmen können bis zur Ausschöpfung der jeweils maximal förderfähigen Beratungskosten (Bemessungsgrundlage) pro Beratungsschwerpunkt mehrere Anträge auf Förderung stellen. Die jeweilige Fördermaßnahme muss als Einzelberatung durchgeführt werden, Seminare oder Workshops werden nicht berücksichtigt. Die Beratungsleistung muss überdies vom Berater in einem schriftlichen Beratungsbericht dokumentiert werden.

Die Höhe des Zuschusses für Jung- und Bestandsunternehmen orientiert sich an den maximal förderfähigen Beratungskosten sowie am Standort des Unternehmens in den verschiedenen Geltungsbereichen. So kann zum Beispiel ein Bestandsunternehmen mit Betriebsstätte in den neuen Bundesländern (ohne Berlin und ohne Region Leipzig) mit 2.400 Euro bezuschusst werden. Für Unternehmen in Schwierigkeiten beträgt der maximale Zuschuss bundesweit 2.700 Euro.

Bewerber stellen ihre Anträge online über die Antragsplattform des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes prüft den Antrag vor, leitet ihre Empfehlung an das BAFA zur Entscheidung weiter und informiert den Antragstellenden über das Ergebnis. Erst dann darf ein Beratungsvertrag unterschrieben beziehungsweise mit der Beratung begonnen werden. Eine rückwirkende Förderung ist ausgeschlossen. Jungunternehmen und Unternehmen in Schwierigkeiten müssen überdies vor der Antragstellung ein kostenloses Informationsgespräch mit einem der Regionalpartner der Leitstelle führen. Nach Abschluss der Beratung ist der Verwendungsnachweis innerhalb der Sechs-Monats-Frist ebenfalls online über die Antragsplattform des BAFA einzureichen.


Gewusst, wie und wo
Alle aktuellen Informationen rund um die neue Förderung des unternehmerischen Know-hows können über die Homepage der „Leitstelle für Gewerbeförderungsmittel des Bundes“ (leitstelle.org) abgerufen werden. Dort ist auch eine Übersicht der regionalen Ansprechpartner für das Bundesprogramm in den Landesverbänden des HDE aufgeführt.

Schlagworte: Agenda, Förderung, Gewerbe, HIlfe

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