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Interview

„Livestream-Shopping erfordert viel Planung, aber es lohnt sich“

Der Modeladen „Fräulein“ hat bereits zum zweiten Mal ein Livestream-Shopping-Event auf Instagram organisiert. Mit dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel spricht Inhaberin Simona Libner über ihre Erfahrungen, Zukunftspläne - und Ratschläge für ihre Konkurrenz.

Von Mittelstand 4.0–Kompetenzzentrum Handel 01.02.2021

© Kompetenzzentrum Handel

Simona Libner (links) führt gemeinsam mit einer Mitarbeiterin Mode im Livestream vor.

Wie fällt die Bilanz nach dem zweiten Event aus?

Der Livestream wurde sehr gut angenommen. Wir haben durchweg positives Feedback erhalten – auch verbunden mit dem Wunsch, künftig längere Streams anzubieten. Das freut uns natürlich sehr, aber wir wollen uns dennoch immer weiter verbessern. Wenn wir uns Kosten und Nutzen für unser Unternehmen anschauen, dann erkennen wir zusätzliches Potenzial: Das Verhältnis zwischen der Zeit, die wir aufwenden, um die Kleidungsstücke für den Live-Verkauf auszusuchen, zu fotografieren sowie einzustellen und der Zahl der eingehenden Bestellungen könnte definitiv noch besser sein.

Konntet ihr sehen, wie viele zugeschaut haben? Und wer zugeschaut hat?

Beim ersten Mal haben etwa 75 Leute zugeschaut, beim zweiten Event waren es etwas weniger. Wir konnten sehen, dass viele Mitbewerber sich zugeschaltet haben. Vielleicht auch, um sich inspirieren zu lassen. Ansonsten waren viele Stammkunden dabei, wir wollen aber natürlich künftig auch neue Kunden gewinnen durch die Events.

Ihr plant also definitiv weitere Live-Shopping-Events?

Ja, alle zwei Wochen. Es erfordert viel Planung, aber wir denken, es lohnt sich.

Was sind denn eure konkreten Vorsätze für das nächste Shopping Event?

Wir möchten auf jeden Fall den Wunsch nach einem längeren Livestream-Event erfüllen. Wir wollen zudem ein längeres Intro mit Kameraschwenks in den Laden erstellen, die Zuschauer virtuell mitnehmen und ihnen zeigen, was wir noch für tolle Produkte haben. Wir planen zudem, mehr Hintergrundwissen zu vermitteln. Denn das macht uns ebenfalls aus: Wir kennen unsere Ware und Produkte. Wir können unseren Kunden sagen, woher ein Produkt kommt, wie es hergestellt wird und vieles mehr. Deshalb wird zum Beispiel mein Mann Daniel künftig häufiger vor der Kamera stehen, denn er kann noch viel mehr über Hosen erzählen als ich. Wir wollen auch stärker darauf achten, welche Kleidung wir vorstellen: Naturfarben wie Macha und Eukalyptus zum Beispiel sind die Trendfarben für die kommenden Monate – die hätten wir schon letztes Mal zeigen sollen.

Was würdest du anderen kleinen und mittleren Händlern raten, die auch mal via Livestream verkaufen wollen?

Jeder ist natürlich anders und hat seine eigene Art der Präsentation. Aber man sollte schon darauf achten, dass man eine gewisse Präsenz hat und nicht einfach nur einen Text vom Blatt abliest. Auf einmal vor Zuschauern zu sprechen, das kann einen schnell überfordern, manchem ist es vielleicht auch peinlich – dann sollte man es besser lassen.

Dir ist das nicht peinlich?

Nie – da sind meine Kinder auch viel gewöhnt (lacht). Allerdings gebe ich zu, man braucht schon ein gewisses Selbstbewusstsein. Und vielleicht auch etwas Talent: Wenn ich mich da vorne hinstelle und meine Kleidung verkaufe, muss ich auch etwas Spritzigkeit an den Tag legen. Das gilt aber strenggenommen nicht nur vor der Kamera, sondern auch im täglichen Geschäft. Kunden mit der Frage zu begrüßen, ob man ihnen helfen kann, ist nicht gut. Das muss heißen: „Ich erfülle Ihnen Ihre Wünsche!“

Schlagworte: Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel, Livestream-Shopping, Digitalisierung

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