Ebay deine Stadt

„Jeder Kommune ein eigenes Gesicht geben“

Mit der Neuauflage von „Ebay Deine Stadt“ öffnen die Projektpartner Handelsverband Deutschland (HDE) und Ebay lokalen Kaufleuten das Tor in den Onlinehandel – und verankern sie zugleich in ihren je­weiligen Kommunen.

Von Mirko Hackmann 11.07.2022

© Ebay Deine Stadt

Was mit dem Projekt bereits gelungen und was noch zu tun ist, darüber diskutiert der Chef von Ebay Deutschland, Oliver Klinck, mit dem stellvertretenden HDE-Hauptgeschäftsführer, Stephan Tromp.

Im April 2021 starteten Ebay und der Handelsverband Deutschland die lokalen Onlinemarktplätze „Ebay Deine Stadt“. Was war die Idee hinter der Kooperation?
Oliver Klinck: Mit zunehmender Dauer der Lockdowns wurde uns klar, dass es für den klassischen Handel eng werden wird und stationäre Händler, die bislang nicht online waren, nach neuen Vertriebswegen suchen müssen. Für die haben wir zunächst unser Durchstarterprogramm aufgelegt. Damit konnten wir die Teilnehmer unterstützen, ihr Geschäft bei Ebay schnell und effektiv aufzubauen. Doch wir merkten rasch, dass Berührungsängste mit dem vermeintlich bösen Onlinehandel noch immer verbreitet sind. So gelangten wir zu der Einsicht, dass wir mehr tun müssen. Dadurch sind wir auf „Ebay Deine Stadt“ gekommen. Denn uns war bewusst, dass die Mehrheit unserer Businessverkäufer einen stationären Hintergrund hat, sie also in ihren jeweiligen Städten lokal verankert sind. Daher war von Beginn an für nahezu jeden Ort in Deutschland eine kritische Händlermasse und somit ein relevantes Angebot für „Ebay Deine Stadt“ gesichert.

Ein Programm, das ursprünglich in ­Mönchengladbach und Diepholz ­gestartet war, mit seinerzeit eher mäßigem Erfolg ...
Klinck: 
Diesmal konnten wir von den damaligen Learnings profitieren und haben uns zudem die Zeit genommen, ein neues System an unser bestehendes anzudocken, das es jeder Kommune ermöglicht, auf Ebay ein eigenes Gesicht zu bekommen. Zudem konnten wir unseren langjährigen Partner HDE ins Boot holen, der uns geholfen hat, die Stakeholder in den Städten und Kommunen zu erreichen.

Wie ging das vonstatten?
Stephan Tromp: Wir haben zu den jeweiligen Wirtschaftsförderern und den Kommunen die Türen geöffnet. Den Charme von „Ebay Deine Stadt“ macht aus, dass es ein Angebot für Kaufleute im Einzelhandel ist, die gestärkt werden, indem sie einen niederschwelligen Weg in den Onlinehandel gewiesen bekommen – und zugleich für ihre lokalen Kunden sichtbar bleiben. Ebay wird nicht zum Gatekeeper, der sich zwischen Handel und Kunde stellt. Die Konsumenten entscheiden selbst, ob sie ein Produkt, das sie auf „Ebay Deine Stadt“ sehen, online ordern oder es im ­Geschäft vor Ort erwerben. Dann erhält Ebay keine Provision, profitiert aber, weil die Akzeptanz von Ebay als Marktplatz wächst. Die beteiligten Kommunen gewinnen ebenfalls, da der Standort Innenstadt durch den zusätzlichen Umsatz der stationären Geschäfte eine Aufwertung erfährt. Idealer­weise integrieren die Kommunen „Ebay Deine Stadt“ in ihre Stadtportale.

Klinck: Das Angebot zielt vor allem auf kleine, familiengeführte Unternehmen ab, die in der Regel weder über eine digitale Warenwirtschaft noch über ein ERP-System verfügen. Für diese Zielgruppe braucht es einfache Lösungen, die keiner nennenswerten Integration bedürfen. Genau das bieten wir. Und weil „Ebay Deine Stadt“ in unser reguläres System integriert ist, sind die Waren der beteiligten Händler sowohl auf dem lokalen Onlinemarktplatz sichtbar als auch im gesamten Universum von Ebay. So stärken die Kaufleute nicht allein ihre lokale Verankerung, sondern können ohne weiteren Aufwand potenziell in alle Welt verkaufen.

Herr Klinck, laut den von Ihnen veröffentlichten Zahlen sind inzwischen 30 Städte und Regionen Teil von „Ebay Deine Stadt“, seit dem Restart mit dem HDE sind also 20 neue hinzugekommen. Auf den lokalen Onlinemarktplätzen finden sich rund 25 Millionen Artikel von mehr als 12 000 Händlern. 2 900 Händler haben in den teilnehmenden Städten einen neuen Ebay-Shop eröffnet. Sind Sie damit zufrieden?
Klinck: Ich bin positiv überrascht. Ich bin schon lange in diesem Geschäft und weiß, wie schwierig es ist, Städte und Kommunen zu überzeugen. Technisch wäre es kein Problem, für alle Bestandshändler in jeder Stadt Deutschlands auf Ebay einen lokalen Marktplatz freizuschalten. Doch wir suchen aktiv die Partnerschaft mit den Kommunen, um deren Engagement sicherzustellen. Deswegen sind wir bewusst diesen etwas steinigeren Weg gegangen und erheben zudem eine überschaubare Gebühr. Dies ist eine Hürde, führt aber dazu, dass sich die städtischen Institutionen mit dem Thema auseinandersetzen und Commitment zeigen müssen.

Tromp: Das sind vor allem deshalb gute Zahlen, weil man trotz des technisch ­niedrigschwelligen Angebots den Aufwand für Händler nicht unterschätzen darf, die ohne bestehende Infrastruktur alles selbst machen müssen. Dennoch gilt es, alle Händler zu ermutigen, sich mit dem Onlinehandel ein zweites Standbein aufzubauen, um darüber zumindest Restanten zu verkaufen, auf denen sie wegen sinkender Frequenzen in ihren Innenstädten ansonsten sitzen blieben. Teilnehmende Händler kombinieren das stationäre Erfolgskriterium „Lage, Lage, Lage“ mit dem Online-­Erfolgskriterium „Reichweite, Reichweite, Reichweite“. Zudem stärkt „Ebay Deine Stadt“ dank seines Lokalkolorits die Bindung zu den heimischen Kunden, die zunehmend interessiert sind, ihre Innenstädte zu unterstützen.

Wie lange dauert es, bis „Ebay Deine Stadt“ live gehen kann?
Klinck: Technisch ist es binnen einer Woche möglich. Doch bis die notwendigen Gespräche geführt und alle Bedenken bei den Kommunen zerstreut sind, dauert es etwa einen Monat, bisweilen aber auch ein gutes Jahr. Für die Händler besteht die Hauptaufgabe darin, sukzessive ihr Inventar zu digitalisieren und die richtigen Produkte online zu stellen. Dabei unterstützen wir mit dem Durchstarterprogramm. Zudem bieten wir mit unserem Logistikpartner Fiege Local Pick-up an. Händler, die diesen Service nutzen, können ihre Waren versenden, ohne den Laden zu verlassen.

Wie sorgen Sie dafür, dass „Ebay Deine Stadt“ in den beteiligten Kommunen Bekanntheit erlangt?
Tromp: Das übernehmen unsere zahlreichen Landes- und Regionalverbände. Darüber hinaus holen wir Stadtmarketingverbände, die Wirtschaftsförderungsgesellschaften oder die teilweise lediglich in bestimmten Straßen aktiven sublokalen Arbeitsgemeinschaften ins Boot. Letztlich kennen die Akteure vor Ort die Strukturen am besten. Entscheidend ist, dass das Projekt in die Bevölkerung getragen wird und Aufmerksamkeit darauf gelenkt wird.

Klinck: Zudem erhalten alle Händler vor Ort ein Ebay-Badge, das sie in ihrem Schaufenster anbringen können, um Kunden ihre Teilnahme zu signalisieren. Überdies schalten wir zum Start regional Anzeigen und arbeiten kontinuierlich mit regionalen Medien zusammen. Zudem verpflichten sich die Städte vertraglich, auch selbst die Werbetrommel zu schlagen. Die besten Testimonials sind allerdings jene Händler, die schon erfolgreich bei Ebay verkaufen, denn die genießen bei ihren Mitbewerbern die höchste Glaubwürdigkeit.

Gibt es technische Features, die „Ebay Deine Stadt“ von der normalen Plattform abhebt?
Klinck:
 Das sind im Wesentlichen drei: Für besonders wichtig halte ich die Integration von Google Maps, das in Kombination mit „Ebay Deine Stadt“ wie eine Produktinformationssuchmaschine funktioniert. Sucht ein Kunde ein bestimmtes Produkt, sieht er, welche Händler in der Umgebung es zu welchem Preis anbieten, inklusive Öffnungszeiten der Geschäfte. Zudem haben wir ein einfaches Content Management System eingebaut, sodass vor allem kleine Gemeinden lokale Ereignisse in einem Kalender abbilden können. Und es gibt eine Funktion namens Schaufenster, die dazu dient, Händler, die eine Aktion veranstalten, ein Jubiläum feiern oder einfach nur ihre Geschichte erzählen wollen, hervorheben zu können.

Bleiben aus Sicht des Handels noch Wünsche offen?
Tromp: 
Für mich ist „Ebay Deine Stadt“ ein wichtiger Hebel zur Digitalisierung der Innenstadt. Denn die Integration von Google Maps trägt dazu bei, das stationäre Angebot im Internet sichtbar zu machen. Gerade um die junge Generation zu gewinnen, ist das von großem Wert. Mein allergrößter Wunsch ist, dass das Ganze bald auch auf dem Smartphone funktioniert. Denn das Smartphone ist die Kommunikationszentrale eines jeden Verbrauchers und alles, was bei der Innenstadtsuche nicht auf dem Smartphone angezeigt wird, existiert erst einmal nicht. Deshalb ist die permanente Optimierung dieses Features so entscheidend. 

Schlagworte: Innenstädte

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