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Marketing

Innenstadt im digitalen Schaufenster

Online nach Lieblingsprodukten suchen und vor Ort einkaufen: Das Start-up BLVRD will Shopper zurück in den lokalen Mode­handel locken – und digitalen Plattformen die Stirn bieten.

Von Ralf Kalscheur 12.10.2021

© BLVRD

BLVRD-Gründer Ari Berzenjie hat eine Fashion-Produktsuchmaschine entwickelt, die Kunden online einen Überblick über Händler, Marken, Artikel und verfügbare Warenbestände innerhalb einer Innenstadt ermöglichen soll.

Die Idee für seine App BLVRD – gesprochen Boulevard – hat Ari Berzenjie nach einer mehrstündigen, letztlich erfolglosen Shoppingtour in seiner Heimatstadt Hannover. „Bei der Onlinerecherche waren mir ein Paar schwarze Sneakers aufgefallen. Die wollte ich gleich im Geschäft anprobieren, doch keiner der Läden, die ich anlief, hatte sie vorrätig oder in meiner Größe vorrätig.“ Mit leeren Händen kehrt der modeaffine Ingenieur nach Hause zurück und fragt sich, wie sich die Suche im lokalen Modehandel digital und geschäftsübergreifend gestalten lässt, so die Gründungsstory von BLVRD.

Ökosystem Innenstadt

Das im Jahr 2019 gelaunchte Start-up hat eine Fashion-Produktsuchmaschine entwickelt, die Kunden online einen Überblick über Händler, Marken, Artikel und verfügbare Warenbestände innerhalb einer Innenstadt ermöglichen soll. „Wir begreifen die City als ein Ökosystem, in dem lokale Mode­händler nicht nur ihre eigenen Multi- oder Omnichannel-Konzepte verfolgen, sondern sich auch gemeinsam mit ihren Sortimenten und aktuellen Beständen in einem digitalen Schaufenster präsentieren“, erklärt Berzenjie. „Online suchen, lokal kaufen“, lautet die Formel, die laut verschiedenen Studien dem bevorzugten Einkaufsverhalten jüngerer Zielgruppen entspricht.

Nutzer können auf der Plattform gezielt nach Kleidungsstücken stöbern und einsehen, in welchen Farben und Größen ein lokales Geschäft sie führt und was sie kosten. Über die App lässt sich der gewünschte Artikel reservieren sowie bei Bedarf ein Wunschtermin zur Anprobe oder Abholung vereinbaren. Eine Navigationsfunktion führt den Verbraucher in den Store. „In Zukunft ist es denkbar, den Kunden per In-Store-Navigation direkt zum richtigen Regal zu führen“, so Berzenjie. Clever: BLVRD greift die Diskussion um umweltschädliche Retourenquoten im Onlinehandel auf und zeigt den Nutzern an, wie hoch die CO2-Ersparnis durch den versandfreien Einkauf vor Ort sein soll.

Über das Dashboard der App können sich teilnehmende Händler anonymisierte Echtzeitdaten zum lokalen Einkaufsverhalten standort- und zielgruppenspezifisch anzeigen lassen. „Unser Plan ist, aus den Insights Abverkaufsprognosen für bestimmte Standorte abzuleiten“, erklärt der 34-jährige Gründer. Bis es so weit ist, können die Stores immerhin schon durch individuell generierte Coupons, die in der App als Barcode abgebildet werden, den Abverkauf steuern.

Kleine Händler bezahlen für das Listing auf BLVRD und Marketingmaßnahmen der App 99 Euro im Monat, Unternehmen mit mehr als zwei Filialen entrichten eine monatliche Gebühr in Höhe von 299 Euro. „Für die Anbindung an BLVRD reicht es uns, wenn kleine Händler ihre Bestände erfassen, das geht auch per Excel-Tabelle“, sagt Berzenjie.

Große Expansionsziele

Bislang ist BLVRD in Hannover und Hamburg vertreten, insgesamt 28 Filialen von Handels­unternehmen wie Peek und Cloppenburg, Sportscheck und Kauf dich glücklich sowie sechs kleinere Händler listen rund 250 000 verschiedene Accessoires und Modeartikel auf der Plattform. Das Gründungsinvestment in Höhe von 600.000 Euro gab die Unternehmerin Vian Feldhusen, im laufenden Jahr will BLVRD, das neun Mitarbeiter beschäftigt, in die zweite Finanzierungsrunde gehen.

Die Coronapandemie hat die Wachstums‑​pläne zurückgeworfen, erzählt Berzenjie. Aktuell habe die App, die das Onlinemagazin Gruender.de zu den 25 erfolgreichsten Start-ups in Deutschland zählt, rund 7 000 Nutzer. „Bis Jahresende wollen wir 50 000 bis 60 000 Nutzer gewinnen, das Marketingbudget dafür haben wir bereits eingeplant.“ Anfang 2022 ist die Expansion nach Köln, München und Düsseldorf vorgesehen. Um die Vision, zukünftig 80 Prozent der Großstädte in Deutschland abzudecken, wahr werden zu lassen, muss das Start-up schnell wachsen.

Schlagworte: Onlinehandel, Innenstädte, Start-up

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