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Studie

Wie sich der Modehandel für die Zukunft aufstellen muss

Der Modehandel kann seit Jahren ein stetiges Umsatzwachstum aufweisen. Die Krise beschleunigt jedoch die Verschiebung von Umsätzen zum Onlinehandel, der laut einer Studie bereits in zehn Jahren einen ebenso hohen Marktanteil wie stationäre Modegeschäfte aufweisen wird.

02.02.2021

© izzegutmen / stock-adobe.com

Modehändler sollten laut Studie auf IT-Lösungen setzen, die On- und Offlinekauf stärker verzahnen.

„Für den Handel bedeutet der Umsatzrückgang im stationären Bereich, dass er seine Flächen reduzieren muss“, kommentiert Marco Atzberger vom EHI Retail Institute das zentrale Ergebnis der in Kooperation mit der Unternehmensberatung KPMG durchgeführten Studie. Ein Dilemma, denn der Großteil der Kundschaft bevorzuge außerhalb des coronabedingten Lockdowns trotz aller Online-Alternativen das Modegeschäft vor Ort für seinen Einkauf.

Mit 16,5 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet der Onlinemodehandel im Coronajahr 2020 bereits 25 Prozent des gesamten Modeumsatzes von rund 66 Mrd. Euro. Diesen Anteil wird er in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, erwarten die Experten von KPMG und EHI. Die prognostizierten 79,2 Mrd. Euro Jahresumsatz 2030 sollen zu gleichen Teilen auf Online und stationäre Geschäfte entfallen.

Da der Marktanteil des Online-Modehandels stärker steigt als der des gesamten Modemarktes, wird es zu einem Schereneffekt für den stationären Bekleidungseinzelhandel kommen – sofern sich nicht entscheidende Parameter wie Ladenmieten ändern. Den Fixkostenanteil im stationären Bereich dauerhaft zu senken, könne zu einer Harmonisierung beider Vertriebskanäle führen und massive Kannibalisierungseffekte verhindern, so die Studienautoren.

Deutliche Reduktion stationärer Flächen erwartet

Die Interviews mit Handelsexperten zeigen, dass der Handel bis zum Jahr 2030 eine Flächenreduktion von etwa 50 Prozent erwartet. Die aktuelle Krise bietet dem Modehandel aber auch ein größeres Angebot an attraktiven Mietflächen und damit die Chance, sich durch eine strategische Bereinigung der eigenen Filialnetze, eine Flächenanpassung und eine zielgruppengenaue Ausdifferenzierung der Konzepte – in Verbindung mit smarten digitalen Lösungen – zukunftsfähig aufzustellen. 

Ob im Laden oder im Netz, die Kundschaft wünscht ein nahtloses Einkaufserlebnis, was für Handelsunternehmen bedeutet, die Systeme geschickt miteinander zu verknüpfen. Auch die Verfügbarkeit und das Auffinden von Kleidungsstücken in der eigenen Größe spielen eine erhebliche Rolle im stationären Modehandel. So geben jeweils 42 Prozent der Kundschaft an, dass sie öfter stationär einkaufen würden, wenn dies gesichert wäre.  

Auch Nachhaltigkeit ist für fast die Hälfte der befragten Konsumenten und Konsumentinnen (46 Prozent) ein wichtiges Thema. 34 Prozent der Kundschaft kaufen beispielsweise bereits gebrauchte Kleidung, weitere 28 Prozent können es sich vorstellen. Der Trend zu Secondhand-Kleidung hat das Potenzial, in den kommenden zehn Jahren einen Marktanteil von bis zu 20 Prozent auf sich zu vereinen und damit zu einem signifikanten Marktsegment im Fashionhandel aufzusteigen. 

Die komplette Studie steht nach Angabe von Kontaktdaten hier kostenlos zum Download bereit.

Datenbasis:
Im Sommer 2020 wurden 500 Kundinnen und Kunden zu ihrem Einkaufsverhalten befragt. Zusätzlich wurden 20 Textilisten in strukturierten Interviews zu Status quo und einer Zehn-Jahres-Perspektive des textilen Einzelhandels befragt.  

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, Modehandel, EHI Retail Institute, KPMG

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