Personalpolitik

Wettbewerbsfaktor Vereinbarkeit

Anders als andere Arbeitgeber können stationäre Händler die meisten ihrer Mitarbeiter nicht ins Homeoffice schicken. Gerade deshalb ist eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Handel essenziell – auch über Krisenzeiten hinaus.

Von Thomas Müller 05.12.2020

© Getty Images/Justin Paget

Bereits jetzt unterstützen zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dennoch ist der Bedarf an familienorientierten Arbeitsbedingungen nach wie vor hoch.

Einzelhandelsunternehmen und deren Beschäftigte, die nicht aus dem Homeoffice oder mobil arbeiten können, standen im Frühjahr und stehen auch jetzt noch bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor besonderen Herausforderungen: Betriebliche Abläufe müssen sichergestellt werden, auch wenn Beschäftigte ihre Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu Hause betreuen müssen. Für Unternehmen stellt sich die Frage, wie sie ihre Beschäftigten dabei kurz- oder langfristig unterstützen können. Für die Entwicklung vereinbarkeitsorientierter Maßnahmen bietet das Unternehmensprogramm Erfolgsfaktor Familie praxisorientierte Unterstützung an.

Mit dem Unternehmensprogramm setzt sich das Bundesfamilienministerium zusammen mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft, BDA, DIHK und ZDH, sowie dem DGB dafür ein, Familienfreundlichkeit zum Markenzeichen der deutschen Wirtschaft zu machen. Das Programm bietet das bundesweit größte Netzwerk für Unternehmen, die sich für Familienfreundlichkeit engagieren, und umfasst mehr als 7 700 Mitglieder. Es stellt aktuelles Expertenwissen und die bundesweit größte Plattform für den Austausch von Informationen rund um eine familienbewusste Personalpolitik bereit.

Bereits jetzt unterstützen zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dennoch ist der Bedarf an familienorientierten Arbeitsbedingungen nach wie vor hoch – auch und gerade wegen der pandemiebedingten Einschränkungen in Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen. Vor allem Beschäftigte mit Familienverantwortung sind darauf angewiesen, ihre Arbeitszeiten zwar flexibel, aber auch planbar und verlässlich gestalten zu können.

Passgenaue Lösungen finden

Antworten auf diese Herausforderungen bietet zum Beispiel die Toolbox „Vereinbarkeit und Corona“ des Unternehmensprogramms mit Informationen und Empfehlungen zum betrieblichen Umgang mit dem Thema Vereinbarkeit in der Krise. Praxisbeispiele von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen, praxisnahe Tipps und ein Interview mit HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth stehen in der Toolbox bereit.

Vereinbarkeitsmaßnahmen während der Krise, über die Betriebe berichten, sind zum Beispiel die Ausweitung des Arbeitszeitrahmens, die den Beschäftigten eine flexiblere Arbeitszeitgestaltung ermöglicht. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Verteilung von Eltern in den verschiedenen Schichten so zu organisieren, dass sie sich bei der Betreuung der Kinder wechselseitig entlasten können. Individuelle Absprachen sind momentan besonders wichtig, um passgenaue Lösungen zu finden. Auch die Förderung der partnerschaftlichen Vereinbarkeit zwischen Müttern und Vätern und somit die Absprache und Koordination zwischen verschiedenen Arbeitgebern innerhalb einer Familie können während der Krise hilfreich sein.

Familienbewusste Personalpolitik ist auch für die Gewinnung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und somit bei der Sicherung von Fachkräften essenziell. Durch innovative Angebote für eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie können sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber positionieren und so Wettbewerbsvorteile nutzen. Insbesondere bei den jüngeren Generationen ist Vereinbarkeit ein ausschlaggebendes Kriterium für die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz.

Lerneffekte aus der Krise nutzen

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey betonte in ihrer Rede auf dem diesjährigen Deutschen Handelskongress, wie „relevant eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Branche ist.“ Gerade in der Coronakrise sind die Arbeitgeber und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einzelhandel großen Belastungen ausgesetzt, „insbesondere, wenn sie gleichzeitig familiäre Verantwortung tragen“, so die Ministerin.

Eine aktuelle Prognos-Studie zeigt: Durch die Krise haben Unternehmen die betriebswirtschaftliche Bedeutung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stark verinnerlicht: 82 Prozent sagen, dass Kinderbetreuung ein zentraler Faktor für die Produktivität ihres Unternehmens ist. Familienbewusste Unternehmen konnten schneller auf die Herausforderungen reagieren, weil sie mit Blick auf die Vereinbarkeit schon viele Flexibilisierungslösungen etabliert hatten.

Die Krise hat gezeigt, wie wesentlich Vereinbarkeitsmaßnahmen sind, um die betrieblichen Abläufe aufrechtzuerhalten. Viele Unternehmen haben ihre Maßnahmen flexibel angepasst und ausgeweitet. Die dabei entstandenen Erfahrungen und Lerneffekte werden auch nach der Coronakrise bleiben und bieten die Chance, perspketivisch echte Veränderungen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen.  

Weitere Informationen unter: erfolgsfaktor-familie.de

Schlagworte: Beruf und Familie, Politik

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