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Exploring Retail: Gin Tonic in der Herrenabteilung

Tristan Brandt ist Geschäftsführer von Engelhorn Gastro. Auf dem Kongress „Exploring Retail“ referiert der Sternekoch über Synergien zwischen Gastronomie und Handel. Zuvor sprach er mit dem handelsjournal.

03.05.2016

© Engelhorn Gastro GmbH

Kaufhaus-Restaurants haben nichts zu bieten? Tristan Brandt beweist das Gegenteil. Beim ihm „stehen die Leute mittags sogar Schlange“

An Ihrem Arbeitsplatz, dem Mannheimer Textilkaufhaus und Shoppingkomplex Engelhorn, können Kunden nicht nur auf acht Etagen einkaufen, sondern auch Ihre vier Restaurants und zwei Bars kennenlernen. Warum kocht ein ambitionierter Koch in einem Kaufhaus?
Einer meiner Ausbilder hat mich 2013 an Seniorchef Richard Engelhorn empfohlen. Erst habe ich gedacht: „Kaufhaus-Restaurant? Das ist eigentlich nicht das, was du dir vorstellst.“ Doch die Zusammenarbeit hat gleich sehr gut funktioniert. Seitdem haben wir unser Angebot stetig erweitert. Wir bieten hochwertige Gastronomie für unterschiedlichste Bedürfnisse. Nicht nur Gourmetküche für Feinschmecker, sondern auch preiswerte Qualität in unserem 2014 eröffneten Restaurant „Dachgarten“. Da stehen die Leute mittags sogar Schlange.

Der stationäre Handel sucht nach neuen Konzepten für die Fläche. Können gute Gastroideen den Handel retten?
Sie können ihn sicher nicht retten, aber sie können dazu beitragen, dass sich Kunden länger im Geschäft aufhalten. Für das Modehaus Engelhorn ist die Gastronomie zu einem wichtigen Imagefaktor geworden. Das Einzugsgebiet hat sich vergrößert, die Leute kommen inzwischen von weit her, um Essen und Einkaufen miteinander zu verbinden. In der Mannheimer City gilt das Modehaus ohnehin als gastronomische Topadresse.


Exploring Retail ’16

Unter dem Motto „Customer Experience – Wenn Handel zum Erlebnis wird“ zeigen namhafte Experten am 5. und 6. Juli in Köln, wie sich die Customer Journey zukünftig entwickelt und mit welchen innovativen Store-Konzepten der Kunde nachhaltig in den Bann gezogen wird. Dabei spielen auch verstärkt integrierte Gastronomiekonzepte eine zentrale Rolle.


Das Feinkostunternehmen Eataly demonstriert, wie man dem Einzelhandel Erlebnischarakter verleiht. Wie beurteilen Sie dieses Konzept?
Das geht absolut in die richtige Richtung. Die Menschen suchen beim Einkaufen ja das Besondere. Und sie brauchen heute einen Anreiz, um überhaupt in die Stadt zu fahren. Aus diesem Grund eröffnen wir jetzt zusätzlich einen Feinkostladen, damit die Kunden nachkochen können, was sie bei uns auf dem Teller hatten.

Sie haben einen Michelin-Stern und viel internationale Erfahrung. Nicht jeder Händler kann sich einen Spitzenkoch leisten. Was empfehlen Sie diesen Händlern?
Man muss die eigene Kundschaft unter die Lupe nehmen. Was sind das für Leute? Was kann ich tun, damit sie sich bei mir wohler fühlen? Sind es Familien mit Kindern, könnte vielleicht ein Crêpestand interessant sein. Ganz wichtig ist es, Ideen zu erproben und Erfahrungen zu sammeln.

Probieren geht über Studieren – in der Küche wie im Handel?
Ich denke, ja. Auch wir testen ständig Neues. So werden wir künftig einen Barkeeper mit Rollwagen durch die Abteilungen schicken, der den Kunden für fünf Euro Gin Tonic anbietet. Wir wollen niemanden zum Trinken verleiten, sondern die Einkaufszeit angenehmer gestalten und auf unsere tolle Gastronomie aufmerksam machen.

Schlagworte: Exploring Retail, Handelsgastronomie, Interview

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