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Die Ware leben

Wohl Behütet

Bei Kleemann Hüte kriegt die Hauptstadt was Ordentliches auf den Kopf. Das Storekonzept des Ladenateliers ist ganz einfach: feste Öffnungszeiten, kein Onlineshop, dafür profunde Beratung und eine besonders wohlige Atmosphäre.

Von Cornelia Dörries 13.03.2020

© Kleemann Hüte

Must-see: Sogar Reiseführer empfehlen den Besuch von Doreen Persches Laden – nicht zuletzt der sehenswerten Einrichtung wegen.

Wenn im britischen Königshaus geheiratet wird, stellt sich Doreen Persche auf Überstunden ein. Denn was die Köpfe der Hochzeitsgesellschaft auf dem Balkon des Buckingham Palace schmückt, ist kurze Zeit später auch in ihrem Geschäft auf der Schönhauser Allee in Berlin gefragt. Doreen Persche ist Hutmacherin. Sie führt den 1905 gegründeten Familienbetrieb „Kleemann Hüte“ in der vierten Generation, und auf die vorsichtige Frage nach der wirtschaftlichen Lage antwortet sie sehr heiter: „Ich kann nicht klagen.“

Mit ungebrochener Zuversicht hat Persche den Laden im Jahr 1998 auch übernommen – zu einem Zeitpunkt, als ringsum viele Fachhändler aufgeben und sich in den Ladenlokalen der Nachbarschaft entweder Leerstand oder Billigketten breitmachen. Das Risiko fürchtet sie schon damals nicht. „Wir waren ein alteingesessener Betrieb und in Berlin gut bekannt. Man hat es als spezialisierter Anbieter in einer Nische schlichtweg leichter als ein Bäcker oder Buchhändler, weil die Konkurrenz nicht so groß ist.“ Dass darüber hinaus die großen Warenhäuser ihr Hutsortiment vernachlässigen und der anspruchsvolleren Kundschaft weder in Sachen Beratung noch Auswahl gerecht werden, spielt Persche in die Hände. Denn auch wenn der Hut heute nicht mehr obligatorischer Bestandteil einer gepflegten Garderobe ist, geht ihr die Kundschaft nicht aus. „Als ich in dem Beruf anfing, haben wir hauptsächlich für ein älteres Stammpublikum gearbeitet. Heute ist der überwiegende Teil unserer Kundschaft zwischen 30 und 50 Jahre alt und ausgesprochen international“, sagt sie.

Individuelle Modelle in Handarbeit

In einem niederländischen Berlin-Reiseführer wird Kleemann Hüte inzwischen sogar als „Must-see“ geführt. Kein Wunder: Allein die Einrichtung ist eine Sehenswürdigkeit. Der halbrunde Verkaufstresen aus fein gemasertem Holz stammt wie die maßgefertigten Vitrinen und Schränke aus den 1930er-Jahren, und wer zur Beratung und Anprobe auf dem wuchtigen Ledersofa Platz nimmt, hat freie Sicht auf den Arbeitsplatz der Hutmacherin.

Der Verkauf von Mützen, Hüten und Accessoires ausgewählter Hersteller ist eigentlich Nebensache. Das Kerngeschäft findet im Atelier statt, wo Doreen Persche individuelle Modelle entwirft und in Handarbeit fertigt. „Neue Kreationen entstehen in erster Linie für Damen“, erklärt sie. „Herren kommen vor allem, wenn sie ein Erbstück ändern lassen wollen oder das Lieblingsstück repariert werden muss.“ Und dann bestätigt sie noch ein Gerücht. Das „Hutgesicht“ gibt es wirklich. Also Menschen, die nahezu alles auf den Kopf setzen können und gut damit aussehen. Für die anderen nimmt sie sich Zeit. Und findet einen Hut für jedes Gesicht. ●

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Schlagworte: Die Ware leben, Handelshelden

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