Zahlsysteme – die deutsche Antwort

Paydirekt entwickelt sich zur Alternative für den omnipräsenten Bezahldienst PayPal. Für Onlinehändler könnte es sich mittelfristig empfehlen, einzusteigen – schon um Gebühren zu sparen.

Von Eva Neuthinger 22.05.2016

Werner Gasper managet 92 Onlineshops. Der Markenhändler führt das Unternehmen Office Direkt Service-Center in Remagen bei Bonn. Jeden Tag gehen bei der Firma mehrere Tausend Bestellungen ein. Als Bezahlsysteme bietet Gasper Kreditkarten, Vorkasse, Nachnahme, Lieferung auf Rechnung sowie PayPal an – und seit Ende vergangenen Jahres auch Paydirekt. „Wir verzeichneten innerhalb der ersten Tage bereits mehr als 1 000 Transaktionen, Tendenz stark steigend“, sagt Gasper.

Bei Paydirekt handelt es sich um ein deutsches Bezahlverfahren, derzeit speziell für den Onlinehandel. Eingeführt haben es die privaten Banken gemeinsam mit ihren genossenschaftlichen Kollegen. Die Verbraucher begleichen hiermit ihre Internetkäufe direkt von ihrem Girokonto. Sie registrieren sich einmalig online bei ihrem Geldinstitut, geben sich einen Benutzernamen und ein individuelles Passwort. Dann kann es losgehen.

Ab Ende April profitieren auch Kunden der Sparkassen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende dieses Jahres eine bundesweite Deckung haben“, meint Alexander von Schmettow vom Sparkassen- und Giroverband in Berlin. Dann könnte es für Händler interessant werden. Denn die Menge macht den Unterschied. Das Potenzial liegt mit den Sparkassenkunden bei rund 50 Millionen Anwendern. Die Anbindung könnte also einen Schub nach vorn bringen. Bis Anfang April haben sich bereits 250 000 Verbraucher registriert. Im Gegenzug sind bisher aber auch erst 30 Onlineshops dabei, die meisten sind kleinere Firmen. Der Elektrohändler Alternate gilt als einer der umsatzstärksten.

„Die Institute sind mit einer ganzen Reihe weiterer Handelshäuser im Gespräch, darunter auch große Unternehmen“, sagt Niklas Bartelt, Geschäftsführer der Paydirekt GmbH. Bei der Akquise neuer Teilnehmer dürften sie wesentlich mit den folgenden Vorteilen punkten.


„Betreiber eines Onlineshops können bei Paydirekt sicher sein, dass ihnen kein Konkurrent in die Karten blickt.“ – Ulrich Binnebößel, Zahlungsexperte des HDE


Die Sicherheit: „Als Unternehmen der Banken und Sparkassen gelten für uns deren geprüfte Sicherheitsstandards“, sagt Bartelt. Kundendaten werden verschlüsselt übermittelt, ein Zugriff von Unbefugten wird damit erschwert. Unternehmer Gasper sieht darin einen Grund, warum sich seine Kunden immer öfter für Paydirekt entscheiden. „Die Verbraucher sind inzwischen recht sensibilisiert. Den deutschen Banken vertrauen sie“, so der Markenhändler. Es erhält auch kein Dritter Einsicht in den Warenkorb. Das wiederum kommt dem Handel gut zupass. „Betreiber eines Onlineshops können bei Paydirekt sicher sein, dass ihnen zum Beispiel kein Konkurrent in die Karten blickt und Daten für seine eigenen Zwecke nutzt“, sagt Ulrich Binnebößel, beim HDE zuständig für Zahlungssysteme. Auch der Geldeingang des Händlers ist bei Paydirekt garantiert. Die Bank des Käufers prüft jede Transaktion und schreibt den Betrag direkt dem Konto des Handelsunternehmers gut. „Ohne Abzüge, denn die Entgeltabrechnung erfolgt gesondert“, sagt Bartelt.

Unternehmer Gasper zahlt für Paydirekt deutlich weniger als für das gleiche Geschäft beim amerikanischen Großkonkurrenten PayPal. Abhängig vom Umsatzvolumen liegen die Gebühren bei PayPal schätzungsweise zwischen etwa 1,5 und 1,9 Prozent, plus 35 Cent pro Transaktion. Wie viel der Firmenchef bei Paydirekt zahlt, hängt von seinem Verhandlungsgeschick ab. „In der Komplexität der Vertragsgestaltung sehen wir für die Unternehmen noch einen großen Nachteil“, sagt Experte Binnebößel. Der Firmenchef schließt mit jeder einzelnen teilnehmenden Bank einen gesonderten Vertrag ab.

Anfrage bei der Hausbank

Für Werner Gasper hielt sich der Aufwand dennoch sehr in Grenzen. Innerhalb von zwei Wochen konnte er die Vorbereitungen abschließen. Im ersten Schritt kontaktierte er seine Hausbank. „Sie fragte bei den anderen Instituten die jeweiligen Vertragsentwürfe ab. Das ersparte mir schon mal viel Zeit. Im zweiten Schritt ging es in die Verhandlungen. Als Handelsunternehmer hatte ich damit aber keine Probleme, weil Preisgespräche mit Lieferanten zum täglichen Geschäft gehören“, meint Gasper.

Das System soll ohnehin einfacher werden. Sogenannte Händlerkonzentratoren sollen einen Komplettservice zu einem Preis bieten. Betreiber eines Onlineshops unterschreiben also nur einen Vertrag, vermutlich bei einem Payment Service Provider (PSP), der auch technisch unterstützt. „Einen ersten Pilotpartner haben wir bereits an Bord. Fast alle Anbieter, mit denen wir in Kontakt stehen, avisieren Interesse an unserem Modell“, sagt Bartelt. Namen nennt er nicht.

Fazit: Das Bezahlverfahren Paydirekt kommt langsam in Schwung. „Die Initiative der deutschen Banken als Reaktion auf die Marktmacht von PayPal war überfällig. Das System erscheint ausgereift und verdient sicherlich eine Chance“, sagt HDE-Experte Binnebößel. Er empfiehlt Handelsunternehmern, die weitere Entwicklung zu beobachten – und bei einem positiven Verlauf zügig einzusteigen. Unternehmer Gasper erzielt mit Paydirekt auf jeden Fall schon jetzt ein Plus: „Es läuft bei uns in jeder Beziehung einwandfrei.“


Paydirekt und seine Konkurrenten

Im Herbst vergangenen Jahres ging Paydirekt an den Start. Ende April kamen die Sparkassen ins Boot, womit sich dann alle deutschen Banken beteiligen. Das könnte dem System mittelfristig zum Durchbruch verhelfen.

Perspektive: Bis Ende dieses Jahres will Paydirekt eine Werbekampagne starten, die den Bekanntheitsgrad bei den Kunden steigern soll. Die Banken forcieren das System ebenfalls, indem sie die Verbraucher ausführlich informieren. Der Erfolg wird wesentlich davon abhängig sein, wie viele Kunden teilnehmen und Paydirekt nutzen. Trotz Paydirekt investieren derzeit Sparkassen, Volksbanken und einige Privatbanken in das mehr als zehn Jahre alte System Giropay – und machen sich so selbst Konkurrenz. Überdies entfällt seit April bei Beiträgen unter 30 Euro die TAN-Eingabe. Laut ECC Köln ist Giropay derzeit in 16 Prozent der Onlineshops vertreten, bis 2018 sollen es der Prognose nach 26,1 Prozent sein. PayPal wird sich laut ECC bis dahin in 90,9 Prozent der Onlineshops als Zahlverfahren etabliert haben.

Kosten: Der Händler sollte durch Paydirekt Kostenvorteile erzielen, was wesentlich vom Entgegenkommen der deutschen Banken und Sparkassen abhängt. Es spricht nichts dagegen, parallel sowohl PayPal also auch Paydirekt im Onlineshop anzubieten.

Mobile Payment: PayPal erwägt auch das Bezahlen mit dem Smartphone und hat die Technik bereits dafür ausgelegt. Einen Zeitplan für die Einführung gibt es allerdings noch nicht.

Schlagworte: Paypal, Internet-Bezahlsystem, Bezahlverfahren, Bezahlsysteme

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