Mit Karte, bitte

Beim Bezahlen vertrauen die Bundesbürger auf Bewährtes. So erachten fast drei Viertel der Bevölkerung die kontaktbehaftete Bezahlung mit PIN-Eingabe per Girocard als sicher. Die jüngere Generation zeigt sich jedoch offen für innovative Bezahlverfahren, so eine neue Studie.

21.08.2018

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Über die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen kann es sich zum Beispiel vorstellen, mit dem Smartphone zu bezahlen. Angesprochen auf die Sicherheit dieser Bezahlinnovationen, haben manche jedoch derzeit noch Vorbehalte. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie, für die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme im Juni dieses Jahres 1.192 Personen ab 16 Jahren befragte.

Die Bedeutung der Kartenzahlung ist in Deutschland fest etabliert. Der weitaus größte Teil der Bevölkerung hierzulande, 94 Prozent, verfügt über eine Girocard. Die Debitkarte ist somit Deutschlands weitverbreitestes elektronisches Zahlungsmittel. Digitale Vorreiter sind die 30- bis 44-Jährigen: In diesem Alterssegment zückt eine relative Mehrheit an der Kasse generell lieber Karte statt Bargeld (49 Prozent). 31 Prozent der Bundesbürger bezahlt bereits grundsätzlich lieber mit Karte als mit Scheinen und Münzen.

Die Kartenzahlung genießt bei den Bürgern hohes Vertrauen. So erachten 73 Prozent der Befragten die kontaktbehaftete Bezahlung per Girocard und PIN-Eingabe als sicher. Neben dem Sicherheitsaspekt setzen die Bürger bei der bargeldlosen Bezahlung an der Kasse auch auf andere Eigenschaften: Grundsätzlich assoziiert eine Mehrheit der Bevölkerung die heimische Debitkarte mit Modernität (70 Prozent), Komfort (54 Prozent) und Flexibilität (50 Prozent). Attribute, die auch auf Bezahlinnovationen, wie das kontaktlose Bezahlen, zutreffen. Schließlich entfällt etwa bei der Bezahlung mit Girocard kontaktlos unter 25 Euro in der Regel die PIN-Eingabe.

Der Kassengang wird dadurch noch komfortabler: Laut einer GfK-Messung dauert die Bezahlung dann im Schnitt nur elf Sekunden. Manche Bundesbürger zeigen sich in Hinblick auf Neuerungen in der Bezahllandschaft gegenwärtig jedoch noch zurückhaltend. Im internationalen Vergleich gelten die Bürger hierzulande, in Bezug auf moderne Bezahlverfahren, bisher als traditionell veranlagt. So ist es wenig überraschend, dass eine Mehrheit, angesprochen auf die Sicherheit unterschiedlicher Bezahlsysteme, sich sorgt, dass Kriminelle durch Schadsoftware oder Viren Zugriff auf das Smartphone und damit die Bankdaten oder auf die im Gerät hinterlegte digitale Bankkarte bekommen könnten.

„Um die kontaktlose Bezahlung mit dem Smartphone ranken sich einige Mythen“, sagt der Sicherheitsexperte Thomas Denny von SRC Security Research & Consulting GmbH. „Das kontaktlose Bezahlen mit dem Smartphone basiert auf denselben Sicherheitsanforderungen wie das kontaktlose Bezahlen mit der physischen Plastikkarte. Deren Umsetzung und Einhaltung wird von der Deutschen Kreditwirtschaft überprüft.“

Wenngleich die traditionelle Barzahlung und die klassische Kartenzahlung in Deutschland noch immer eine wichtige Rolle in der Praxis einnimmt, ist insbesondere die jüngere Generation offen für neue Technologien. Sie zeigt überdurchschnittliches Interesse an Bezahlinnovationen: Für jeden zweiten Inhaber einer Girocard im Alter unter 30 Jahren käme die Bezahlung mit dem Smartphone in Frage (52 Prozent). „Obwohl es in allen Altersgruppen noch Vorbehalte gibt, zeigt die Innovationsbereitschaft der jüngeren Generation, dass Bezahlinnovationen in Zukunft zur gelebten Tradition werden können“ sagt Werner Süßlin vom Institut für Demoskopie Allensbach. Eine Trendwende, auf die auch die Deutsche Kreditwirtschaft reagiert: Sie startet diesen Sommer den nationalen Roll-Out des kontaktlosen Bezahlens mit dem Smartphone.

Aktuelle Girocard-Bilanz

Für das erste Halbjahr 2018 verzeichnet die Girocard erneut Wachstum. Sowohl Transaktionen als auch Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im zweistelligen Prozentbereich gewachsen. Immer häufiger zahlen Kunden auch kleinere Beträge mit ihren Bank- und Sparkassenkarten, wie die Statistik der Deutschen Kreditwirtschaft auf Basis aktuell vorliegender Daten zeigt. Von Januar bis Juni dieses Jahres zückten die Kunden die Girocard rund 1,76 Milliarden Mal zum Bezahlen und damit rund 14 Prozent häufiger als im ersten Halbjahr 2017 (rund 1,54 Milliarden Transaktionen). Die Umsätze lagen mit rund 87 Milliarden Euro um rund 12 Prozent höher als 2017. Damals wanderten rund 78 Milliarden Euro im Girocard-System über die Ladentheke. Immer weiter erschließt die Girocard dabei auch den Kleinbetragsbereich, wie der durchschnittliche Zahlbetrag belegt. Nach zuletzt 50,66 Euro im ersten Halbjahr 2017 sank der Durchschnittsbon erstmals unter die 50-Euro-Marke. Mit 49,49 Euro liegt er dabei rund 2,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Einen Beitrag dazu leistet auch die kontaktlos-Technologie: Von Januar bis Juni dieses Jahres zahlten die Kunden der deutschen Banken und Sparkassen pro kontaktloser Transaktion im Schnitt rund 33,52 Euro. Insgesamt waren bereits rund 7,2 Prozent aller Girocard-Transaktionen im ersten Halbjahr 2018 kontaktlos. Ein außerordentliches Ergebnis, das zeigt, dass die Girocard Inhaber das neue Verfahren sehr gut annehmen. Obwohl viele Karten und Terminals noch umgerüstet werden, zeigen die Zahlen, dass kontaktloses Bezahlen mit Girocard schon heute für viele Bürger Teil ihres Bezahlalltags ist. So war etwa bei den Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken im Juni bereits jeweils mehr als jede zehnte Girocard-Transaktion kontaktlos.

Große Zuwächse gibt es nicht nur bei der Nutzung der Girocard, sondern auch beim Angebot auf Handelsseite. So stieg die Zahl der aktiven Terminals von rund 802.000 im ersten Halbjahr 2017 um 2,3 Prozent auf rund 820.000.

Schlagworte: Bezahlverfahren, Girocard, Kartenzahlung, Payment, Studie

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