Anzeige
Breitbandausbau

Fischhändler ohne Netz

Stephan Schubert handelt mit Fischen für den Gartenteich, seit zehn Jahren können Käufer bei ihm auch online bestellen. Was die Sache umständlich macht: Am Firmensitz im niedersächsischen Holz­hausen hat er keinen brauchbaren Internetanschluss.

Von Jens Gräber 31.08.2019

© Fischfarm Schubert

Sitzt digitaltechnisch auf dem Trockenen: Fischhändler Stephan Schubert ist seit zehn Jahren Onlinehändler ohne verlässlichen Internetanschluss.

Den Fischhändler Schubert persönlich zu erreichen, ist nicht ganz leicht. Wer eine E-Mail an die Fischfarm schickt, erhält eine automatische Antwort. Zurückschreiben könne er erst am folgenden Tag zwischen 6 und 8 Uhr morgens. Was seltsam klingt, ist leicht erklärbar: Schubert hat in seiner Firma keinen modernen Internetanschluss. Sparsamkeit ist nicht der Grund – es gibt in Holzhausen, einem kleinen 160-Einwohner-Ort in der Mitte Niedersachsens, schlicht keine Breitbandanbindung. Und beim Anruf im Betrieb heißt es, der Chef sei gerade auf dem Gelände unterwegs.

Onlinezugang nur vom Homeoffice aus

Klar, Schubert hat ein Handy. Aber auch mit dem Mobilfunknetz ist es so eine Sache in Holzhausen. „Wo ich jetzt gerade stehe, ist es o.k.“, sagt der 51-Jährige, als es endlich klappt mit einem Telefonat. „Aber unser Gelände hier ist leicht abschüssig. Wenn ich weiter unten bin, verstehen Sie mich nicht mehr. Und im Gebäude selbst geht gar nichts.“ Klar, dass der Mobilfunk ihm in Sachen schnelles Internet auch nicht weiterhilft.

Und wie funktioniert das nun, Onlinehandel ohne Netz? Eine seiner Mitarbeiterinnen arbeite in einem Nachbarort von zu Hause aus, erklärt Schubert. Dort gibt es Internet. „Die kommt dann morgens hierher und bringt uns alle Unterlagen mit, vor allem eben die eingegangenen Bestellungen.“ Oder er selbst arbeite an seinem Wohnort – ebenfalls mit Netzanschluss – die Bestellungen ab.

Es funktioniert, immerhin macht der Fischhändler 95 Prozent seines Geschäfts inzwischen online. Rund 200 000 Fische verkauft er so pro Jahr, alle verschickt via General Overnight, einem Spezialisten für den Transport lebender Tiere. Und sein Umsatz wachse jedes Jahr um etwa zehn Prozent, sagt Schubert. Aber er kann Bestellungen nicht sofort bestätigen, weil er immer erst am nächsten Tag seine Fischbestände prüfen muss.

Nicht allein dafür wäre ein Internetanschluss nützlich. „Eine Videoüberwachung könnten wir gut gebrauchen, hier ist schon öfter eingebrochen worden“, erzählt Schubert. „Aber was nützen mir Kameras mit Netzanschluss, wenn ich dann von zu Hause oder unterwegs nicht darauf zugreifen kann?“

Warten auf DSL-Anschluss

Versprechen, das Netz in der Gegend auszubauen, habe es schon öfter gegeben, sagt Schubert. Passiert sei nichts. Obwohl, das stimmt nicht ganz. Vor einigen Monaten wollte die Telekom Schubert auch noch den Telefonanschluss abschalten. Die Begründung klingt wie ein schlechter Witz: Die analoge Plattform dafür werde abgeschaltet. Zu alt, ein Auslaufmodell, das digitale Netz kommt – nur nicht in Holzhausen, jedenfalls bisher nicht. Schubert protestierte und darf nun erst mal weiter telefonieren. Und der schnelle DSL-Anschluss soll Ende des Jahres endlich kommen, so das Versprechen des zuständigen Anbieters EWE. Verständlich, dass Schubert vorerst skeptisch bleibt.

Schlagworte: Onlinehandel, Breitbandausbau, E-Commerce

Kommentare

  • Dennis R.

    Na ja die Information ist aber schon sehr sehr veraltet, es wurden Leerrohre verlegt, Verträge unterzeichnet der Anschluss liegt in den nächsten Wochen an, laut Inhaber.

    Wenn man im Sommer den Beitrag schreibt, könnte man ihn auch dann veröffentlichen....
    Vor 4 Monaten hätte man den Beitrag mal online stellen können.

    **"Der Beitrag klingt eher wie versteckte Online PR, als auf ein wirkliches Problem hinzuweisen"**

    Mit zusätzlichen Flachantennen an bzw auf dem Dach, einem 4 G Booster, sowie einem LTE Router mit SIM lässt sich selbst im letzten Winkel in Deutschland ein vernünftiger Anschluss realisieren. Ich muss es wissen. Ich wohne in der Lüneburger Heide ;)

    Ausgangsbasis:

    kein Netz in der Wohnung-Garten-Umkreis
    kein Telefonieren und surfen möglich.
    Außer man fährt in den Nachbarort und sitzt da im Auto rum mit Laptop.

    Neuer Istzustand:

    Telefonieren 2G voller Empfang
    Surfen 3g (Nutzung -17-23 % Prozent) 4G (73-83%)

    Down: 4,5 - 7 MBit Up: 7- 12,2 Mbit je nach Ansteuerung der Funkzelle
    Antworten
    27.11.2019, 11:44 Uhr
    • Jens Gräber

      Lieber Dennis R.,

      tatsächlich ist der Text schon vor einer ganzen Weile im gedruckten Heft erschienen und nun durch einen technischen Fehler mit dem falschen Datum auf der Webseite erschienen. Wir korrigieren das. Zum Zeitpunkt des Erscheinens war das der Stand der Dinge.
      Antworten
      27.11.2019, 11:44 Uhr
Ihr Kommentar