Hose auf Durchreise

Viele Onlinebestellungen von Shoppern sind nach kurzer Zeit wieder auf dem Weg zurück ins Lager. Insbesondere im Fashionbereich ist die Rücksendequote mit durchschnittlich fast 40 Prozent hoch. Doch es gibt gute Nachrichten für Modehändler, so eine neue Studie.

28.05.2019

© Andia UIG/Getty Images

Durchschnittlich können rund 70 Prozent der retournierten Artikel als A-Ware für den Kundenversand wiederverwendet werden.

Denn auch wenn Kleidungsstücke zu den meist retournierten Versandprodukten gehören, ist es mit 82 Prozent das Segment mit dem höchsten Anteil an Weiterverkäufen als A-Ware. „Dieser Anteil variiert je nach Branche stark, außerdem betreiben Händler großen Aufwand, um Retouren zu vermeiden“, erklärt Hilka Bergmann, Studienverantwortliche und Leiterin Forschungsbereich Verpackung und Versand. Im Schnitt kostet die Bearbeitung eines retournierten Artikels den Onlinehändler rund zehn Euro, so die aktuelle EHI-Studie „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2019“.

Guter Zustand der Ware

Durchschnittlich können rund 70 Prozent der retournierten Artikel als A-Ware für den Kundenversand wiederverwendet werden. Besonders groß ist der Anteil auch bei Händlern aus dem Bereich Sport & Freizeit (70 Prozent). Nur wenige Händler können gar keine oder nur vereinzelt Artikel wieder verkaufen. Dazu zählen insbesondere Produkte aus dem Nahrungs- und Genussmittelbereich, in dem Retouren kaum vorkommen. 

Als Gründe, warum Retouren nicht als A-Ware wiederverwendet werden können, geben 71 Prozent der befragten Onlinehändler an, dass die Artikel qualitativ zu sehr beeinträchtigt sind und eine Aufbereitung nicht möglich oder zu aufwändig sei. Darüber hinaus können Artikel wie Matratzen oder Kopfhörer aus hygienischen Gründen nicht wieder als A-Ware vertrieben werden. 
 
Sollten Artikel es nicht als A-Ware in den Wiederverkauf schaffen, gibt es für Händler unterschiedliche Optionen. Solche Artikel werden als B-Ware, in Outlets oder an das Personal verkauft, gespendet, an die Lieferanten zurückgesendet oder recycelt und nur selten komplett entsorgt.

Kurze Lieferzeiten gefragt

Morgens bestellt und abends im Haus – so scheint der perfekte Bestellvorgang auszusehen. Denn noch immer sind kurze Lieferzeiten für Händler von hoher Bedeutung. Das zeigt sich auch bei der Wahl des Versanddienstleisters, dessen Lieferzeiten für 80 Prozent der Händler das ausschlaggebende Kriterium für eine Zusammenarbeit ist. Ähnlich wie im Vorjahr beträgt die schnellstmögliche Lieferzeit im Durchschnitt 24 Stunden, so die Studienautoren. Für eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden verlangen Händler zum Teil einen Aufpreis. Für die nächsten drei Jahre ist eine weitere Beschleunigung der Liefergeschwindigkeiten geplant. Bieten aktuell lediglich zehn Prozent der Händler eine Lieferung am Tag der Bestellung an, so planen insgesamt 38 Prozent der Studienteilnehmer Same-Day-Delivery. Zurzeit liefern 41 Prozent innerhalb von 24 Stunden, zusätzlich planen dies 40 Prozent. Innerhalb von ein bis zwei Werktagen können 40 Prozent liefern. Dieser Wert soll in den nächsten drei Jahren auf 14 Prozent sinken, zugunsten der zeitnahen Lieferung. 
 
Die Gründe für eine hohe Liefergeschwindigkeit liegen für gut drei Viertel der Händler (78 Prozent) darin, die Erwartungen und Wünsche der Kunden zu erfüllen und weitere 47 Prozent möchten damit einen besonderen Service bieten. Für ebenfalls 47 Prozent spielt der Wettbewerbsdruck eine Rolle und 23 Prozent geben an, dass sie den Kunden so schnell wie im stationären Geschäft bedienen wollen. 
 
Die vollständige Studie „Versand- und Retourenmanagement im E-Commerce 2019“, für die 95 namhafte Onlinehändler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt wurden, ist hier im EHI-Shop erhältlich. 

Schlagworte: E-Commerce, Onlinehandel, Modehandel, Retourenmanagement, Retouren, Studie, EHI Retail Institute

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