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Digitalisierung

Datendeal

Kundeninformationen sind ein wertvolles, aber auch höchst sensibles Gut. Wie können Handel und Konsumenten gleichsam von ihnen profitieren – ohne sich jeweils als Verlierer zu fühlen? Die Lösung könnte in Datenpartnerschaften liegen, aus denen beiden Seiten Nutzen ziehen. Ein Denkanstoß.

Von Frank Rehme, Geschäftsführer Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel 10.09.2019

© Getty Images/akindo

Datenpartnerschaft kann Handel und Konsumenten nutzen.

Märchen sind oft Abbilder tief sitzender Ängste. Erfragt ein Händler Daten, sehen sich viele Kunden offenbar in der Rolle von Hänsel und Gretel: Der Handel ist in dieser Vorstellung die Hexe, die mit Lockangeboten versucht, den Konsumenten in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dabei weiß doch jedes Kind, dass hinter solchen Verlockungen nichts Gutes stecken kann!

Die Branche sollte sich daher neue Konzepte überlegen, die solche Ängste gar nicht erst aufkommen lassen. Denn Deutsche, das zeigen viele Studien, sind weit mehr auf den Schutz ihrer Daten im Internet bedacht als zum Beispiel US-Amerikaner, Briten, Chinesen und Inder. Den Handel betrachten die Menschen besonders misstrauisch. Aber was bedeutet das eigentlich? Woher rühren diese Befürchtungen? Ist es die Angst vor Systemen, die uns verunsichern, weil wir sie nicht durchschauen? Fürchten wir uns vor Datenpannen und Hackerattacken? Fühlen wir uns bevormundet oder verführt?

Es ist paradox: Obwohl Verbraucher angeben, großen Wert auf Datenschutz zu legen, bewegen sie sich nicht nur scheinbar sorglos in den Sozialen Medien, sondern nutzen auch selbst gern Daten aus der digitalen Welt – sofern sie sich einen Vorteil davon versprechen: So zeigen Preisvergleichsportale, wer welchen Artikel am günstigsten anbietet Rezensionen geben Auskunft über die Qualität von Produkten Warenverfügbarkeiten sind jederzeit abrufbar Bewertungsportale informieren über die Qualität von Ärzten, Rechtsanwälten oder Hotels

Was die Verfügbarkeit von Daten über den Handel angeht, ist der Verbraucher klar im Vorteil: Verfügt die Branche allenfalls über anonymisierte oder komprimierte Adressdaten, hat der Kunde Zugriff auf wesentlich präzisere und detailliertere Informationen.

Um Daten seiner Kunden zu erlangen, setzt der stationäre Handel bislang hauptsächlich auf Kundenkarten. Ein neuer und besserer Ansatz könnte es sein, dem Kunden seine eigenen Daten intelligent aufbereitet zurückzuspielen. Im Idealfall so, dass sie ihm helfen, seine persönlichen Ziele zu erreichen. Denkbar wäre beispielsweise ein persönliches Haushaltsbuch. Das heißt, ein Händler bietet seinen Kunden an, ihre Einkaufslisten preisoptimiert zu führen. Auch eine kalorienoptimierte Zusammenstellung des Einkaufskorbs für abnehmwillige Kunden wäre denkbar, womöglich ergänzt durch Rezepttipps und Ernährungsratschläge.

Die Beispiele zeigen, dass Datenpartnerschaften Mehrwerte auf beiden Seiten generieren können. Und zwar getreu dem Motto: „Wer siegen will, muss andere gewinnen lassen.“

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel unterstützt seit dem 1. Juli 2019 kleine und mittlere Händler bei der Digitalisierung. Es wird innerhalb der Initiative „Mittelstand-­Digital“ vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Mithilfe zahlreicher kostenfreier Angebote soll der Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft stattfinden. In den Publikationen geht es auch um Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz im Handel, Smart Science oder um die Verwendung von Daten, wie in diesem Beitrag von Frank Rehme, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums.

Schlagworte: Digitalisierung, Mittelstand, Mittelstand 4.0

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