Schnelles Geschäft

Die Kompaktfilialen der großen Handelsketten, sogenannte Convenience Stores, haben mittlerweile einen festen Platz in der deutschen Einzelhandelslandschaft. Laut einer neuen Studie erwirtschafteten Convenience Stores 2018 in Deutschland ein Umsatzvolumen von 13,2 Milliarden Euro.

20.02.2019

© imago/Ralph Peters

Das Geschäft mit dem kleinen Hunger zwischendurch wächst seit 2013 jährlich um 1,6 Prozent. Besonders die günstige Lage der kleinformatigen Märkte in Bahnhöfen, Fußgängerzonen, Raststätten und Tankstellen überzeugt die Mehrheit der Konsumenten (65 Prozent) von häufigeren Zwischenstopps in den Miniablegern der konventionellen Filialen. 50 Prozent geben an, sie frequentieren diese wegen der attraktiven Warenauswahl. Dabei sind Frische-Artikel, wie Sandwiches, Snacks und verzehrfertige Salate sowie Obst, mit 36 Prozent die am häufigsten genannte und damit wichtigste Food-Produktkategorie, die die Befragten dort kaufen.

Erstaunliche 90 Prozent der Befragten legen Wert auf eine Auswahl gesunder Lebensmittel. Die Verfügbarkeit frischer, regionaler Lebensmittel finden immerhin 52 Prozent wichtig. Das sind einige der zentralen Erkenntnisse der aktuellen „Convenience Store Study 2019“ des global tätigen Beratungsunternehmens AlixPartners, für die 1.000 deutsche Verbraucher online befragt wurden.

Für die Einzelhandelskonzerne sind diese Kleinstfilialen insbesondere in Ballungszentren ein substantielles Zusatzgeschäft, das zudem mit über 7.000 Euro pro Quadratmeter eine um etwa 63 Prozent höhere Brutto-Flächenproduktivität als ihre konventionellen Supermarkt- und Nahversorgerkonzepte ermöglicht. So ist die Expansion in das Convenience-Segment anstatt in das Wettrüsten im Discount- beziehungsweise Supermarkt-Segment ein strategisches Investment in eine attraktive Nische.

Mobile Zielgruppe

„Das Konzept der Convenience Stores trifft den Nerv der Zeit und ermöglicht es den Handelskonzernen, ihre Flächenproduktivität erheblich zu verbessern. Mit diesen neuen Vertriebslinien erreichen sie insbesondere eine junge, hochmobile Zielgruppe, die bereit ist, einen erheblichen Preisaufschlag für Lage, Produktauswahl und Frische zu bezahlen“, so Peter Heckmann, Managing Director und Handelsexperte bei AlixPartners. Dabei ist die strategische Ausrichtung des Produktportfolios und des Ladenkonzepts auf die Kategorie „Foodservice“ erfolgskritisch. Schließlich bleiben Salate, Sandwiches, Wraps, Sushi, verzehrfertiges Obst und Gemüse sowie Backwaren die wachstumsstärksten Produktkategorien in diesem relativ neuen Marktsegment.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Neben dem Snack für unterwegs könnten Convenience Stores bei ihren Kunden künftig auch mit attraktiven Zusatzservices punkten. 46 Prozent der Befragten würden häufiger in den Shop kommen, wenn es spezielle Kundenbindungsprogramme gäbe. 41 Prozent interessieren sich für Postdienstleistungen und würden beispielsweise gerne ihre Pakete dort abholen. Zudem gilt: Je jünger die befragten Konsumenten sind, desto stärker ist das Bedürfnis nach solchen Zusatzdienstleistungen. Angebote wie die Medikamentenabholung jenseits der Apothekenöffnungszeiten und Finanzdienstleistungen wie Konsumentenkredite und Schnellüberweisungen kommen mit 29 beziehungsweise 21 Prozent auf deutlich niedrigere, aber dennoch sehr relevante Werte.

„Um in diesem hart umkämpften Markt der Nahversorger für den schnellen und unkomplizierten Einkauf bestehen zu können, entwickeln die Händler nicht nur immer neue Produkt- und Servicekategorien, sondern setzen konsequent auf innovative Technik und digitale Initiativen, die das Einkaufen bequemer und schneller machen, um damit die Frequenz an kaufwilligen Kunden weiter zu erhöhen“, so Maximilian Coqui, Co-Autor der Studie und ebenfalls Managing Director bei AlixPartners.

So ermöglicht die Digitalisierung auch den traditionellen Convenience Playern neue Geschäftspotenziale: 28 Prozent der befragten Konsumenten lassen sich von Angeboten auf digitalen InStore-Displays zu weiteren Einkäufen inspirieren. 27 Prozent wünschen sich während des Besuchs im Shop mobile Sparcoupons für das Smartphone und immerhin 23 Prozent würden zum Bezahlen lieber einen Self-Check-out nutzen, statt sich an der Kasse anzustellen.

Amazon Go im Auge

„Digitale Shopping-Technologien sind eines der großen Zukunftsthemen für den Einzelhandel – auch und gerade für Convenience Stores. Spätestens seit der Ankündigung des Marktstarts von Amazon Go ist klar, wohin sich der Einzelhandel eher kurz- als mittelfristig technologisch und strukturell entwickeln wird“, so Coqui. In Bezug auf die Auswirkungen eines möglichen Amazon-Go-Markteintritts in Deutschland liefert die Studie ebenfalls deutliche Zahlen: 30 Prozent der Befragten würden weniger und sieben Prozent sogar signifikant weniger in konventionellen Minimärkten, Tankstellenshops oder Kiosken einkaufen, wenn ein Amazon Go Store in der Nähe eröffnen würde.

„In den kommenden zwei bis drei Jahren entscheidet sich, wer im deutschen Markt den Convenience-Trend im Lebensmittelhandel am erfolgreichsten für sich nutzen kann und die meisten neuen Minifilialen an den raren und teuren Hochfrequenzstandorten aufbaut“, so Heckmann. Dabei spielen nicht nur möglichst flächendeckende Kooperationen mit Partnern, wie Betreibergesellschaften von Bahnhöfen, Tankstellen und Autobahnrasthöfen, eine entscheidende Rolle. „Erfolgsentscheidend wird vor allem auch sein, wer seine Logistikprozesse und IT-Systeme erfolgreich auf diese kleinteiligen Vertriebsformate ausrichten kann.“

Schlagworte: Lebensmittel, Lebensmittelhandel, Stationärhandel, Studie, Amazon Go, Convenience

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