Fairnünftig

Bioqualität und fairer Handel sind für Andrea von der Heydt zentrale Kriterien beim Wareneinkauf. Aus der Arbeitslosigkeit heraus gründete sie mit viel Herzblut einen Modeladen und sorgt dafür, dass über ihre Theke ausschließlich umweltschonende Produkte gehen.

Von Kapka Todorova 04.09.2018

© Alexandra Breitenstein

Kratzig, schmucklos, überteuert – Ökomode hat traditionell nicht den besten Ruf. Doch zeitgemäße Produkte mit Biozertifikat haben wenig gemein mit ihren rustikalen Vorgängern aus der Frühzeit der grünen Bewegung. Bei Andrea von der Heydt können die Kunden aus mehr als 30 Ökolabels wählen, die in der Regel Hanf oder Biobaumwolle verarbeiten.

„Diese Materialien sind nicht weniger weich und anschmiegsam als konventionell produzierte Stoffe, zeichnen sich aber dadurch aus, dass in der Produktion auf den Einsatz von Pestiziden verzichtet wurde“, erklärt die Unternehmerin. Das schütze die Natur und die Gesundheit der Arbeiter, die zudem einen gerechten Lohn erhielten. Auch Materialien wie Tencel, Kork oder Modal Edelweiss werden mittlerweile zu modischer Kleidung oder Accessoires verarbeitet und finden Platz im Angebot von „FairBleiben“.

Und in der Tat: Stylisch aussehend, steht die grüne Mode der üblichen Markenware in nichts nach. Von der Heydt führt durchweg bekannte Labels aus der Öko-Fashionszene wie Hemp Age, Know­ledge Cotton Apparel, Bleed, Recolution oder Living Crafts – alles zu einem bezahlbaren Preis. Ein T-Shirt ist schon für 12,90 Euro zu haben. „Man kann in einem Billigladen ein T-Shirt für drei Euro kaufen und es nach wenigen Wäschen wegwerfen – oder etwas mehr ausgeben, aber dafür jahrelang etwas davon haben“, beschreibt die 49-Jährige ihr Verständnis von Nachhaltigkeit, zu dem sie erst recht spät in ihrem Leben gelangt ist.

Von Beruf Schauwerbegestalterin, hatte von der Heydt zunächst in der Modebranche gearbeitet, danach einen Lottoladen geführt. Der lag in direkter Nähe zu einem Biosupermarkt. Über Lebensmittel und ihre eigene Ernährung ist sie Stück für Stück den Themen Bioproduktion und fairer Handel nähergekommen. „Ich habe mich immer weiter in das Thema vertieft und mich informiert: Was ist bio? Was fair? Was nachhaltig? Wie produziert entsprechend? Als ich dann arbeitslos wurde, wollte ich unbedingt etwas machen, das mit Nachhaltigkeit zu tun hat.“

Der gelernten Schauwerbegestalterin schien es naheliegend, ein entsprechendes Modegeschäft zu eröffnen – um es auszuprobieren, zunächst auf lediglich 50 Quadratmetern. Doch schon nach wenigen Jahren wurde der Laden zu klein und Andrea von der Heydt bezog ihr aktuelles, 120 Quadratmeter messendes Domizil nicht weit vom Dortmunder Ostwall.

Neben Oberbekleidung führt „FairBleiben“ auch Unter- und Nachtwäsche aus Biobaumwolle, Strumpfwaren, Schals, Mützen, Taschen und Accessoires. Recycelte PET-Flaschen kommen als Rucksäcke daher und alte Schallplatten finden ein zweites Leben als Eierbecher. Die meiste Ware verkauft von der Heydt in ihrem Laden, aber das Onlinegeschäft wächst. Entsprechend bestellte Ware kommt – selbstverständlich – klimaneutral ins Haus. Es ist nicht immer einfach für von der Heydt, aber heute kann sie von ihrem im Jahr 2010 eröffneten Laden leben. „Viel wichtiger als ein hohes Einkommen ist mir, dass ich meine Arbeit liebe und einen Beitrag dazu leiste, dass die Welt nicht schlechter wird.“


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