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Die Ware leben: Auf Küchenstühle gesetzt

Ein Zufall war es, der Kai Wiechmann vor über 40 Jahren zum Antiquitätenhändler werden ließ. Ausgangsort der Karriere war ein Dachboden. Heute unterhält der 74-Jährige vier gut gehende Ladenlokale.

Von Mirko Hackmann 14.03.2016

© Privat

Das erste Ladenlokal: Kai Wiechmann mit Sohn Axel vor dem Geschäft an der Hamburger Bismarckstraße.

Abitur. Ausbildung zum Speditionskaufmann. Was dann? Diese Frage stellte sich Kai Wiechmann mit Anfang 20 des Öfteren. Schon früh erkannte er, dass ein geregelter Arbeitsalltag nichts für ihn wäre. Die Lehrstelle, die ihm seine Mutter besorgt hatte, forderte ihm bereits alles ab: „Ich musste mich erst einmal in das Hafenbecken übergeben, als ich das erste Mal meine zukünftige Ausbildungsstätte gesehen hatte.“ Orientierungslos wie er war, hielt er sich nach der Lehrzeit mit kleineren Jobs über Wasser, immer auf der Suche nach der einen Sache, bei der der Funke überspringt.

Eine Chance eröffnete sich in Person von Gerd Grau, in der Hansestadt auch als „King of Trödel“ bekannt. Von einer Möbellieferung aus England mochte Grau nicht alles übernehmen und fragte Wiechmann, ob er Interesse habe. Der haderte nicht lang und verbrachte 80 britische Kitchen-Chairs samt zehn passenden Tischen auf den Dachboden seiner kleinen Eppendorfer Altbauwohnung, wo er das Mobiliar abbeizte und auf Hochglanz polierte. „Das war viel Arbeit, aber ich konnte die Stücke zu einem guten Preis an einen Kölner Auktionator weiterverkaufen“, berichtet Wiechmann. Mit dieser Zuversicht im Rücken und der Gewissheit, dass er sich erstmalig für etwas wirklich begeistern konnte, reiste er durch England, um Nachschub zu sichern. Zwei Jahre später wagte er den großen Schritt und mietete sein erstes Geschäftslokal an.

Nur 160 Mark zahlte Wiechmann für seinen 16-Quadratmeter-Laden in der Bismarckstraße. „Nach einer Woche betrat die erste Kundin das Geschäft und fragte mich, was denn aus der Änderungsschneiderei geworden sei“, erzählt Wiechmann. Um das Geschäft anzukurbeln, inserierte er im Abendblatt: „Räumung alter Lagerbestände“ – und konnte fortan über einen Mangel an Interessenten nicht mehr klagen. Größere Ladenlokale folgten, eine Dependance in der Münchener Frundsbergstraße kam hinzu, betrieben vom Schwager. „Der war zuvor lange als Musiker mit Roy Black unterwegs gewesen, aber das lief damals schon eine Weile nicht mehr so gut“, begründet Wiechmann seine Personalentscheidung.


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Heute ist die Firma Kai Wiechmann ein traditionsreiches Hamburger Familienunternehmen mit 15 fest angestellten Mitarbeitern an vier Standorten; die drei Kinder von Kai Wiechmann sind ebenfalls im Unternehmen tätig. Da englische Antikmöbel heutzutage rar sind, vertreibt Wiechmann mittlerweile auch hochwertige Replikationen aus britischen Manufakturen. Den Handel mit Gartenmöbeln aus Teakholz etablierte er als weiteren Geschäftszweig.

Nach den Gründen für seinen Erfolg befragt, antwortet Wiechmann: „Das Finanzielle stand bei mir nie im Vordergrund. Ich hatte immer Freude an den schönen Objekten und dem Austausch mit den Kunden.“ Mit Wehmut sieht er der Entwicklung entgegen, dass der Absatz über das Internet immer mehr Raum einnimmt. Das Persönliche ist ihm immer noch sehr wichtig. „Aber man muss mit der Zeit gehen und darf nicht stehen bleiben. Dank unserer langjährigen Mitarbeiter und meiner Kinder wissen wir auch das Internet für uns zu nutzen“, resümiert Wiechmann.

Schlagworte: Die Ware leben, Handelshelden, Antiquitariat, Antiquitäten

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