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HDE-Jahrespressekonferenz

Verstetigtes Wachstum

Der Umsatz des deutschen Einzelhandels wird 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent zulegen, prognostiziert der Handelsverband Deutschland (HDE). Die Branche wächst das elfte Jahr in Folge. Doch insbesondere der Standort Innenstadt steht unter Druck.

Von Ralf Kalscheur 12.02.2020

© Mirko Hackmann

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf der HDE-Jahrespressekonferenz

Der deutsche Einzelhandel erwartet ein „ordentliches“ Jahr, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth auf der HDE-Jahrespressekonferenz: „Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Konsum sind weiterhin gut. Der Konsum bleibt Treiber für die Gesamtwirtschaft.“ Die Verbraucherstimmung entwickelt sich stabil, die Menschen haben wenig Grund zum Sparen. Deshalb wird der Umsatz im Einzelhandel 2020 das elfte Jahr in Folge wachsen.

Im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert der HDE ein nominales Umsatzplus von 2,5 Prozent auf dann rund 557 Milliarden Euro. Der Onlinehandel trägt dazu 63 Milliarden Euro bei und bleibt wichtigster Wachstumstreiber der Branche, wenn auch mit einer im Vergleich zu den Vorjahren leicht geringeren Steigerungsrate in Höhe von 8,6 Prozent. Der stationäre Handel erzielt ein Plus von 1,8 Prozent.

Im Jahr 2019 konnte der Einzelhandel seine Umsätze deutlich um 3,2 Prozent steigern, so die HDE-Bilanz. Dazu trug ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft bei, das erstmals die Marke von 100 Milliarden Euro riss. Im November und Dezember 2019 erlöste der deutsche Einzelhandel 101,9 Milliarden Euro. Zu den Gewinnern des vergangenen Jahres (Januar bis November) gehören der Handel mit Fahrrädern und Fahrradteilen (12,8 Prozent Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr) sowie Sport- und Campingartikeln (plus 8,3 Prozent). Mit negativen Umsatzentwicklungen müssen die Branchen Spielwaren, Bücher und Bekleidung umgehen.

Eine aktuelle Umfrage des HDE unter 500 Handels-​unternehmen aller Größenklassen und Standorte zeigt, dass rund ein Drittel (34 Prozent) der Händler erwartet, die Umsätze 2020 im Vergleich zum Vorjahr erhöhen zu können. 30 Prozent der Teilnehmer rechnen mit einer rückläufigen Geschäftsentwicklung, 36 Prozent erwarten keine nennenswerten Veränderungen. Insbesondere Multichannel-Händler blicken optimistisch in die Zukunft: 67 Prozent der befragten Händler, die dieses Geschäftsmodell betreiben, erwarten höhere Online-Umsätze im Vergleich zum Vorjahr.

Konstante Ausgaben trotz sinkender Frequenzen

Zwar sind die Verbraucher, die ausschließlich stationär einkaufen, noch in der Mehrheit (42 Prozent). Doch steht ihr Anteil nur für 25 Prozent der Ausgaben im gesamten Nonfood-Handel. Hingegen stehen 58 Prozent der Konsumenten, die online und offline einkaufen, für 75 Prozent der Nonfood-Ausgaben.

Der vom HDE online neu veröffentlichte Standort-Monitor zeigt, dass der Handel vor einer wachsenden Herausforderung durch sinkende Einkaufsfrequenzen steht. So nahm die Einkaufshäufigkeit im stationären Handel für Nonfood-Waren im Jahr 2018 um zwölf Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 ab. Die Ausgaben pro Einkaufsakt blieben jedoch konstant. Im Onlinehandel zeichnet sich eine gegenteilige Entwicklung ab. Auf vergleichsweise niedrigem Niveau stieg die Einkaufsfrequenz im gleichen Zeitraum um 47 Prozent an, während die Ausgaben pro Einkauf um elf Prozent stiegen.

Ladenschließungen bringen Städte in Schieflage

Weil die Kunden vermehrt online einkaufen und nicht mehr ins Geschäft gehen, verlor der stationäre Einzelhandel seit dem Jahr 2010 rund 39 000 Läden, Filialen und Märkte. „Damit geraten ganze Städte in Schieflage“, warnt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth und ruft Händler, Politik und Gesellschaft dazu auf, endlich an einem Strang zu ziehen, um die Innenstädte zu retten. „Wenn der Handel stirbt, sterben Stadtzentren und damit ein Stück Heimat.“

Der Handel in der City sei auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen, ob per Auto, öffentlichem Nahverkehr oder Fahrrad. Um den Standort City mit Events zu beleben, fordert der Handel verlässliche Genehmigungen für die Sonntagsöffnung. Die Branche gibt viel zurück: Handelsunternehmen engagieren sich pro Jahr im Gegenwert von einer Milliarde Euro für das Gemeinwohl, etwa durch die Tafeln oder in Form von Unterstützung für Veranstaltungen und Kultureinrichtungen. ●

Schlagworte: Jahrespressekonferenz HDE, Stefan Genth, HDE, Konjunktur, Binnenkonjunktur

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