Ehrenamt

Händler mit Herz

Sehr viele Einzelhändler arbeiten nicht nur für die eigene Kasse, sondern engagieren sich auch freiwillig fürs Gemeinwohl – zumeist aus Spaß an der Sache und mit dem Bestreben, der Gesellschaft etwas von ihrem Erfolg zurückzugeben.

Von Eva Neuthinger 27.07.2020

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Viele Einzelhändler engagieren sich gleich in mehreren Projekten – immer im Dienst der Gesellschaft und der guten Sache.

Die Moderatorin des Bayerischen Rundfunks fragt gezielt nach, wie viele Kunden denn bereits kontaktlos in seinem Geschäft bezahlt haben. „Bisher nur zwei“, antwortet Peter Büscher. In der Münchener Maxvorstadt führt er ein Lederwarenfachgeschäft, das er vor rund 20 Jahren von seinen Eltern übernahm. Peter Büscher ist als Interview­partner gefragt. „Nicht nur, wenn es um neue Entwicklungen in der Branche geht, sondern auch zu fachlichen Fragen rund um unser Sortiment“, sagt der Einzelhändler.

Seit vier Jahren engagiert er sich im Einzelhandelsverband Bayern und insbesondere im HBE Oberbayern, dem Fachverband für Lederwaren. Auch privat übernimmt er Verantwortung. „Mir war es immer wichtig, für andere da zu sein und dazu beizutragen, Positives zu erreichen“, sagt Büscher. Vor etwa zehn Jahren gründete er zum Beispiel mit sechs Elternpaaren in seinem Heimatstadtteil einen Kindergarten. Inzwischen betreut die Einrichtung fast 20 Sprösslinge.

Nach einer Erhebung des HDE bringen sich mehr als 70 Prozent der befragten Händler in Vereinen, Verbänden und in Interessengemeinschaften ein (siehe Grafik rechts). Viele Einzelhändler engagieren sich wie Büscher gleich in mehreren Projekten – immer im Dienst der Gesellschaft und der guten Sache. Hier ein Überblick:

Verbands- und Vereinsarbeit

Dirk Wittmer zum Beispiel führt in Ratingen einen Euronics-XXL-Markt. Etwa ein Drittel seiner Arbeits- und Freizeit investiert er in freiwillige Tätigkeiten als Aufsichtsratsvorsitzender der Euronics-Genossenschaft, als Vorstandsmitglied des Branchenvereins BSH Mittelstandskreis für den Elektrofachhandel sowie als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der örtlichen Stadtmarketinggesellschaft. Seine Führungskräfte unterstützen ihn, indem sie einen Teil seiner Aufgaben im Tagesgeschäft übernehmen. Er selbst erhält nur eine Aufwandsentschädigung sowie eine niedrige Monatspauschale. Seine Motivation ziehe er daraus, dass er Menschen begegne, von denen er sehr viel lerne, und so seinen Horizont erweitere. Wittmer engagiert sich, um zu verändern: „Mir ist es ein Anliegen, in einer Stadt, in der ich lebe, oder in einer Genossenschaft oder einem Verein nicht nur Kritik zu üben.“ Vielmehr möchte er durch persönliche Initiative mitgestalten.

Spendenaktionen

Ähnlich sieht das David Hegemann, Inhaber eines Rewe-Marktes mit einer Fläche von 800 Quadratmetern in Düsseldorf. Auch Hegemann geht es um soziale Verantwortung: „Schon weil ich von meinem geschäftlichen Erfolg der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte.“ Deshalb bringt er sich in verschiedenen sozialen Vereinen ein. Im Schnitt binden ihn seine Projekte rund zehn Stunden pro Woche: „Sehr oft organisiere ich Spendenaktionen, in die ich unsere Kunden mit einbeziehe.“

Zum Beispiel unterstützte er einen Düsseldorfer Obdachlosenverein, indem er Einkaufstüten im Wert von fünf Euro verteilte. „Diese enthielten nur ausgewählte Waren, die Menschen ohne Wohnung auch tatsächlich gebrauchen können“, sagt Hegemann. Das Geld dafür kam von seinen Kunden. Er als Unternehmer verdoppelte jeweils den gespendeten Betrag. So macht er es auch bei der Aktion zugunsten der Elterninitiative einer Kinderkrebsklinik. Binnen einer Woche sammelte er zudem Spenden in Höhe von 10.000 Euro, die zugunsten eines Kinderhospizes, eines Tierheims und in die Kassen des Naturschutzbundes flossen.

Rund 37.000 Euro spendete Benjamin Haase, Rewe-Händler in Neustadt an der Ostsee, an verschiedene soziale Vereine. Er schenkte seinen Kunden bei einem Einkauf von mehr als zehn Euro einen Spendenbon im Wert von zehn Cent. „Über drei Monate stellten sich in unserer Region 40 Vereine in den Märkten vor. Die Kunden votierten, wem sie ihre Bons zukommen lassen wollten“, sagt Haase.

Im vergangenen Jahr erhielt Haase zudem einen Wirtschaftspreis, weil er Flüchtlingen half, sich zu integrieren. „Wir unterrichteten Deutsch, haben eine Ausbildung angeboten und dabei unterstützt, wieder Fuß zu fassen. Wir wollten den Geflüchteten Wertschätzung entgegenbringen, damit sie sich in ihrer neuen Heimat wohlfühlen“, sagt Haase.

Politisches Engagement

Seit Jahrzehnten aktiv ist ebenso Friedrich Conzen, erster Bürgermeister in Düsseldorf. Für ihn zählen die Verantwortung für die Gemeinschaft sowie der Spaß an der Sache. Der 73-Jährige hat seinen Kunsthandel mit Bilderrahmenmanufaktur vor zehn Jahren an seinen Sohn übergeben: „Unter anderem, um die Zeit für meine politische Tätigkeit zu haben.“ Rund 2.500 Euro im Monat bekommt er für seinen Job. „Dafür bin ich hauptamtlich jeden Arbeitstag für die Stadt tätig“, sagt Conzen.

Die Aufwandsentschädigungen der Ehrenamtlichen in Verbänden und Vereinen oder in Kammern bewegen sich sonst in der Regel nur bei wenigen Hundert Euro im Jahr. Das weiß der Fiskus und gewährt Steuervorteile. Für Lederwareneinzelhändler Büscher ist das nicht relevant, er träumt von anderem. Wenn er sich ehrenamtlich eingebracht hat, musste er mitunter auch Kritik einstecken. „Leider gibt es doch immer wieder Mitmenschen, die meinen, sie könnten alles besser.“ Seinen Freiwilligenjob beim örtlichen Fußballverein hat er nach 25 Jahren aufgegeben – auch deshalb.

Was der Fiskus ­verschont

Ehrenamt verpflichtet – ohne nennenswerten Ertrag. Der Fiskus beteiligt sich im Sinne des Gemeinwohls, indem er zumindest die Aufwandsentschädi­gungen steuerfrei belässt. Neue Regeln gelten seit Jahresanfang.

1. Der Übungsleiterpauschbetrag

Zum Beispiel gewährt der Fiskus einen Freibetrag für Übungsleiter oder Ausbilder, die sich nebenberuflich engagieren. Dieser beträgt 2.400 Euro im Jahr. Vergütungen bis zu dieser Höhe bleiben von Steuern und Sozialabgaben verschont. Entscheidend ist, dass es sich um eine Tätigkeit für eine gemeinnützige Organisation oder eine öffentliche Einrichtung handelt. Überdies muss der Ehrenamtliche persönlichen Kontakt mit anderen Menschen haben und pädagogisch deren Entwicklung und Fähigkeiten fördern. Die Nebentätigkeit darf insgesamt nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeiterwerbs ausmachen – pauschal nicht mehr als 14 Stunden wöchentlich (Paragraf 3 Nr. 26 EStG).

2. Der Ehrenamtsfreibetrag

Für andere gemeinnützig Engagierte im Auftrag eines Vereins oder einer Person des öffentlichen Rechts gewährt der Fiskus den Ehrenamtsfreibetrag. Bis zu 720 Euro im Jahr bleiben steuer- und sozialversicherungsfrei. Die Pauschale erhalten die Freiwilligen allerdings nur einmal, selbst wenn sie parallel für verschiedene Organisationen aktiv sind. Allerdings können der Ehrenamtsfreibetrag und die Übungs­leiterpauschale miteinander kombiniert werden, wenn jemand mehrere ehrenamtliche Aufgaben wahrnimmt. Ein Händler in einem Sportverein kann sich beispielsweise auch um die Vereins­kasse kümmern (Paragraf 3 Nr. 26a EStG).

3. Die Nebenkosten

Fahrtkosten, Weiterbildungen oder andere Aufwendungen im Zusammenhang mit der Tätigkeit dürfen zwar erstattet werden, sofern die Satzung dies zulässt – es besteht mitunter sogar ein Anspruch darauf. Doch lässt der Fiskus den Kostenabzug in der Steuererklärung erst dann zu, wenn der Ehrenamtliche selbst über den Freibeträgen liegende Ausgaben zu tragen hat.

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