Anzeige

Handel fordert rasche Öffnung der Geschäfte ab dem 8. März

25.02.2021

Der Einzelhandel fordert eine rasche Öffnung der wegen der Coronakrise geschlossenen Geschäfte ab dem 8. März. "Wir brauchen jetzt den Einstieg in den Ausstieg aus dem Lockdown", verlangte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Berlin.

Bund und Länder müssten auf der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März eine transparente, verbindliche und evidenzbasierte Öffnungsstrategie mit konkreten Maßnahmen beschließen. Die Wiedereröffnung der Innenstädte dürfe nicht vom Erreichen einer Inzidenz von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen abhängig gemacht werden, verlangte Genth. "Es muss mehr geben als ,Geschlossen' bis 35." Genth plädierte für eine "Wiedereröffnung in Stufen". Bei höheren Inzidenzen könnten strengere Vorgaben für Kundenzahl und Hygiene gelten, die dann bei sinkenden Infektionszahlen gelockert würden.

Die Lage im Handel sei dramatisch, betonte Genth unter Berufung auf eine aktuelle Umfrage des Verbandes unter mehr als 2.000 Händlern. Mindestens 50.000 Unternehmen seien akut in Insolvenzgefahr und jeder weitere Tag des Lockdown werde diese Zahl erhöhen. Rund 250.000 Jobs seien akut gefährdet.

Kritik an bürokratischen Staatshilfen

Eine Ursache dafür liege in den nach wie vor oft zu bürokratischen und zu langsamen staatlichen Hilfen. Im Schnitt hätten die vom Lockdown betroffenen Händler im vergangenen Jahr lediglich 11.000 Euro an Unterstützung erhalten. "Der Handel stirbt häufig leise: Kleine Unternehmen verschwinden, große verkleinern ihr Filialnetz. Das findet jetzt schon statt", sagte Genth.

Inzwischen plant der HDE-Umfrage zufolge mehr als ein Viertel der Bekleidungshändler, gegen die Schließung des eigenen Geschäfts vor Gericht zu ziehen. Klagen wollen auch Deutschlands größte Buchhandelskette Thalia und der Textilhändler Ernsting's family, wie die Firmenchefs Michael Busch und Timm Homann in Berlin ankündigten. Busch betonte: "Es gibt keine Argument gegen die Öffnung des Handels." Er sei kein Infektionshotspot. Das beweise jeden Tag der Lebensmittelhandel. Homann sagte mit Blick auf den Lockdown: "Diese politische Irrfahrt muss jetzt enden."

Zur News-Übersicht geht es hier.

Mehr Nachrichten zur Coronakrise

Studie

Coronakrise beschleunigt Strukturwandel im Handel

Neue Zahlen des IFH Köln und der Kölner Universität zeigen: Pandemiebedingt wird der Strukturwandel im Handel circa sieben bis acht Jahre früher erfolgen. Geschäftsaufgaben, Onlinewachstum und Formatverschiebungen erfolgen mit nie dagewesener Dynamik.

Coronapandemie

Was Konsumenten bequemes Einkaufen wert ist

Eine Umfrage des IFH Köln und der Kölner Universität zeigt: Bequemlichkeit ist ein wesentlicher Treiber des Konsums. So würden Verbraucher bis zu 15 Euro monatlich zahlen, um Zugang zum Angebot des Onlineriesen Amazon zu erhalten. Nachhaltigkeit steht ebenfalls hoch im Kurs.

Coronapandemie

Oster-Lockdown: Lebensmittelhandel befürchtet lange Schlangen

Die Karwoche ist eine der umsatzstärksten Wochen im deutschen Lebensmittelhandel. Weil jetzt einer der Verkaufstage wegfällt, rechnet der Handel mit noch mehr Ansturm an den verbleibenden Tagen. Der Handel reagiert mit Unverständnis und kritisiert den Oster-Lockdown als kontraproduktiv.

Coronakrise

Wie sich das Einkaufsverhalten im ersten Pandemie-Jahr verändert hat

Ein Jahr Coronakrise hat das Einkaufsverhalten der deutschen Konsumenten verändert: Durch wiederkehrende Lockdowns, vermehrtes Homeoffice und Social Distancing hat sich in Deutschland eine neue Form des Wohlfühlkonsums durchgesetzt.

Pandemie

Wie Coronatest-Angebote des Handels bei Verbrauchern ankommen

Corona-Schnelltests sind derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Im Einzelhandel sind die Tests bereits zu erwerben, zudem planen einige Händler, für Bürger kostenlose Testzentren aufzubauen. Eine aktuelle Umfrage deutet darauf hin, dass diese Angebote positiv auf das Markenimage wirken.