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Nachhaltigkeit

Grün gewinnt

Klimaneutralität ist momentan ein viel diskutiertes Thema. Wer weiterwirtschaftet wie bisher, dem drohen hohe Abgaben. Einzelhändler sind daher gefordert, ihre Geschäftsräume und Gebäude auf den aktuellen Stand zu bringen.

Von Eva Neuthinger 26.10.2021

© REWE Markt GmbH

Gläserne Dachfarm: Mit dem Markt in Wiesbaden leitet Rewe eine neue Generation grüner Märkte ein.

Ende Mai eröffnete Rewe in Wiesbaden den wohl ersten Supermarkt in Europa mit Lebensmittelproduktion auf dem Dach – ressourcenschonend und mit Blick auf Klimaneutralität. Säulen aus gestapelten Hölzern bilden die Tragwerkkonstruktion für eine gläserne Dachfarm. „Wir leiten mit dem Green Farming in Erbenheim eine neue Generation grüner Märkte bei Rewe ein. Ganzheitlichkeit beim Thema Nachhaltigkeit schließt für uns nicht nur Sortimente, sondern auch die Bauweise und die Betreibung ein“, sagt Peter Maly, Bereichsvorstand Rewe Group und für die Märkte von Rewe verantwortlich.

Auf der neuen Dachfarm wachsen jährlich 800 000 Basilikumpflanzen. Außerdem gibt es eine Fischfarm, die pro Monat ab Ende 2021 rund eine Tonne Frischfisch liefern soll. In diesen Rewe-Märkten kommen überdies moderne Heizungs-, Lüftungs- und Beleuchtungstechnik, energieeffiziente Kälteanlagen und eine wirksame Dämmung zum Einsatz. Damit spart die Filiale im Vergleich zu den Standardbauten der Lebensmittelkette bis zu 40 Prozent Energie ein.

Die Rewe Group gilt als einer der Vorreiter bei Energieeffizienz und klimafreundlichen Gebäuden und setzt mit ihren Green Buildings Maßstäbe. Kleine und mittlere Unternehmen haben es schwer, da heranzukommen. „Komplettsanierungen von Gebäuden binden enorm viel Kapital, oft in Höhe von einer Million Euro“, sagt Lars Reimann, Abteilungsleiter Energie beim Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin.

Potenziale ausloten

In den Großkonzernen beschäftigen sich ganze Abteilungen mit mehreren Hundert Mitarbeitern damit, die Energieeffizienz der Filialen und Märkte zu verbessern. „Mittelständische Unternehmer sind häufig viel zu stark vom hektischen Tagesgeschäft absorbiert. Sie können sich zwangsläufig nicht so intensiv mit diesen Fragen beschäftigen“, erklärt Jelena Nikolic, Projektleiterin der HDE-Klimaschutzoffensive.

Beides sind Gründe, warum kleine und mittlere Unternehmen den Klimaschutz eher mit Einzelmaßnahmen vorantreiben: Sie investieren zuvorderst in effiziente LED- und Tageslichtkonzepte sowie in moderne Kühlung – Letzteres nicht allein mit Blick auf die Energieeffizienz. Die steigenden Außentemperaturen infolge des Klimawandels zwingen dazu, die Verkaufsräume auf einem für die Kunden angenehmen Temperaturlevel zu halten.

Der Druck auf die Wirtschaft dürfte nach den jüngsten Warnungen des Weltklimarats noch steigen – auch politisch. Unternehmen müssen mit erhöhten Abgaben und Steuern rechnen, wenn sie sich nicht umfassend am Klimaschutz beteiligen. „Einzelhändler sollten sich daher jetzt mit dem Thema Klimaeffizienz ihrer Gebäude auseinandersetzen“, so Reimann. Er rät dazu, sich im ersten Schritt intern zusammenzusetzen, um einen Sanierungsplan zu entwickeln. Im zweiten Schritt sollte ein Energieberater ins Haus kommen, der die Potenziale und die Amortisation konkret ausloten kann.

Für dessen Leistungen erhalten Händler einen Zuschuss vom Bundeswirtschaftsministerium, das bis zu 80 Prozent der Kosten übernimmt. Der genaue Anteil hängt von der Art der Beratung sowie von den Energiekosten der Firmen ab. Auch die Maßnahmen selbst fördern Bund und Länder aktuell recht freigiebig. Zum 1. Juli dieses Jahres wurden die Konditionen deutlich verbessert – insbesondere wer die Energieeffizienz seiner Gebäude verbessert, erhält umfangreiche Unterstützung. „Letztlich muss jedoch die effektivste Lösung für den Betrieb für die Wahl der Maßnahme entscheidend sein, nicht die Höhe der Förderung“, sagt Michael Wandt, Direktor Fördermittelmanagement der Wabeco Fördermittelberatung in Gießen und Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Finanzierung.

Geld folgt der Investition

Informationen zu sämtlichen Förderprogrammen finden sich im Netz zuhauf. „Unternehmen müssen sich daher gezielt einarbeiten, um zu wissen, welches Programm welche Maßnahme unterstützt“, sagt Matthias Voigtmann, Energie- und Umweltauditor sowie zertifizierter Fördermittelberater der Unternehmensberatungsgesellschaft Qualitas Orbis. Doch erst wenn das Konzept feststehe, folge die Fördermittelrecherche. „Die meisten Unternehmer benötigen Hilfe von außen“, sagt Voigtmann. Ohne externe Unterstützung begingen sie häufig Fehler. „Zum Beispiel vergeben Firmenchefs bisweilen Aufträge vorzeitig, was in der Regel eine spätere Förderung ausschließt“, weiß Voigtmann.

Bei Malte Reupert, Geschäftsführer und Gründer der Biomare-Supermärkte in Leipzig, hat es mit einer Bundesförderung funktioniert. Bis 2024 will Reupert die Klimalast seines Unternehmens um 75 Prozent senken. Deshalb investiert er. Zum Beispiel setzt er auf Kühlung mit Kaltwasserersatz auf klimafreundlicher Propanbasis statt auf das traditionell verwendete und schädliche Kältemittel R404. Er konnte seine CO2-Last bei der Kühlung damit fast vollständig herunterfahren. Der Strombedarf stieg dadurch zwar, doch die Service- und Reparaturkosten sanken.

Weitere Informationen zu Förderprogrammen und -bedingungen

• Ende September geht die Datenbank der Klimaschutzoffen­­sive des Handels zu den Fördermaß­nahmen des Bundes und der Länder hier online.

• Informationen zu den Effizienz­förderprogrammen des Bundes­wirtschaftsministeriums finden Sie hier.

• Informationen der KfW zur „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG) hier.

Weiterlesen

Warum Klimaschutzmaßnahmen häufig am Vermieter scheitern, was Eigentümer klugerweise tatsächlich tun sollten und wie sie mithilfe einer Datenbank Händlern Orientierung im Dschungel der Fördermaßnahmen bieten will, verrät Jelena Nikolic, Projektleiterin der HDE-Klimaschutzoffensive, hier im Interview.

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Einzelhandel

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