Zukunft Innenstadt

Fundierter Blick in die Glaskugel

Eine aktuelle Studie untersucht die Konsequenzen der Pandemie für die Innenstädte und wagt einen Blick auf hoffnungsvolle Strategien für die Zeit danach.

Von Cornelia Dörries 14.03.2022

© Illustration: xoio GmbH/Foresight: Fraunhofer IAO

Was ist dran an der einmütig beklagten coronabedingten Fast-Forward-Dynamik, mit der sich allerorten Leerstand und funktionale Entkernung ausbreiten? Das Bild zeigt eine Illustration der Szenariostudie "#ELASTICITY. Experimentelle Innenstädte und öffentliche Räume der Zukunft" des Fraunhofer IAO.

Geht es um die Lage der deutschen Innenstädte während der fortdauernden Coronapandemie, werden gern Begriffe aus der Kraftfahrzeugtechnik bemüht. So ist häufig die Rede von den Beschleunigungseffekten und der Katalysatorwirkung, die die Krise auf die Entwicklung der Stadtzentren habe. Doch was ist dran an der einmütig beklagten coronabedingten Fast-Forward-Dynamik, mit der sich allerorten Leerstand und funktionale Entkernung ausbreiten?

Dieser Frage ging die auf Marketing und Kommunalentwicklung spezialisierte Imakomm Akademie aus dem schwäbischen Aalen im Rahmen einer umfassenden Untersuchung nach. Die nationale Studie „Zukunftsfeste Innenstädte“ liefert eine feinkörnige Analyse zur aktuellen Situation in den Stadtzentren und kann als eine der wenigen einschlägigen Untersuchungen für sich in Anspruch nehmen, die Lage nicht nur explorativ zu analysieren, also anhand weniger Modellfälle, sondern tatsächlich einen repräsentativen Querschnitt abzubilden.

Prognose des zu erwartenden Leerstands

Hofften die Aalener Forscher anfangs wenigstens auf 400 Teilnehmer, konnten sie am Ende die Daten von 747 Kommunen auswerten. Unterstützung erhielten sie von mehr 40 Industrie- und Handelskammern (IHK) aus der ganzen Bundesrepublik, aber auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie von den kommunalen Spitzenverbänden, Stadtmarketingorganisationen und Wirtschaftsfördereinrichtungen. Durchgeführt als Onlinebefragung, wertet die Erhebung quantitative Angaben, aber auch sogenannte qualitative Aussagen aus, bei denen es nicht um harte wirtschaftliche Zahlen, sondern um Beschreibungen, Wahrnehmungen und subjektive Beurteilungen geht.

Die Studie analysiert neben der aktuellen Situation der innerstädtischen Betriebe im Einzelhandel und in der Gastronomie zudem den Erfolg der Stabilisierungsmaßnahmen im Zuge der Pandemie und leitet daraus sowohl Prognosen für den zu erwartenden strukturellen Leerstand als auch Änderungsbedarf ab. Anders formuliert: Aus dem, was in der Krise geholfen hat, könnten sich probate Strategien für die künftige Entwicklung einer Post-Corona-Innenstadt ergeben – mit entsprechender Anpassung des gesetzlichen Handlungsrahmens für Planung und Verwaltung.

Zu den vielen überraschenden Erkenntnissen gehört die Einsicht, dass die Erreichbarkeit mit dem eigenen Kraftfahrzeug für die Innenstädte keine Priorität genießt. Vielmehr gilt der Umkehrschluss: Warum mit dem Auto in eine Stadt fahren, die vor allem breite Zufahrtsstraßen und günstige Parkplätze zu bieten hat? Den befragten Kommunen geht es vielmehr um die Attraktivität ihrer Zentren, in denen Fußgänger und Fahrradfahrer Vorrang genießen und die als Schaufenster für ein nachhaltiges und regional produzierendes Gewerbe zu einer eigenständigen, identitätsstiftenden Präsenz finden. 

Eine Zusammenfassung der Studie steht hier zum kostenlosen Download bereit.

Schlagworte: Innenstädte, Einzelhandel

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