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Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels

Food for Climate

Die steigende Nachfrage nach gesunden, regionalen und nachhaltigen Produkten war dieses Jahr das zentrale Thema der Lebensmittelmesse Anuga. Dabei zeigte sich auch, welchen Einfluss die Pandemie als Katalysator ausübt.

Von Christian Böttcher 26.11.2021

© Koelnmesse GmbH

Kerngesunde Kost: Lebensmittel, die fit halten, sind bei Verbrauchern höchst gefragt. Entsprechend standen sie in diesem Jahr bei der Branchenmesse Anuga im Fokus.

Mit der diesjährigen Anuga haben wir die Welt der Ernährungsmessen erfolgreich aus dem Coronalockdown geholt. Die Messe hat zudem eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass wir die Transformation unseres Ernährungssystems entschlossen voranbringen“, fasst Friedhelm Dornseifer seinen Eindruck zusammen. Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) zieht damit nach fünf Messetagen mit mehr als 70 000 Besuchern und rund 4 600 Ausstellern ein positives Fazit.

Wie stark die Coronapandemie nicht allein die Messelandschaft, sondern auch das Kundenverhalten im Lebensmittelhandel in jüngster Vergangenheit geprägt hat, belegen aktuelle Zahlen: Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsunternehmens IRI kauft ein Drittel der Verbraucher seit Beginn der Krise seltener ein, 29 Prozent bevorzugen Geschäfte, in denen sie ihren kompletten Bedarf mit einem Einkauf decken können. Fast 40 Prozent sind überzeugt, dass sie auch nach dem Ende der Pandemie dauerhaft anders einkaufen werden als zuvor.

Weitere Ergebnisse: Die Hälfte der Konsumenten erwartet, in den Regalen verstärkt regionale, nachhaltig produzierte Produkte zu finden. Ebenso viele wünschen sich mehr qualitativ hochwertige und gesunde Ware. Der Anteil der Haushalte, die versuchen, möglichst gesund und nachhaltig zu konsumieren, ist laut Gesellschaft für Konsumforschung von knapp 25 Prozent im Jahr 2009 auf aktuell fast 40 Prozent gestiegen.

Wachstumstreiber Nachhaltigkeit

Die Branche stellt sich den Veränderungen. So widmet sich der Messestand des BVLH ganz dem Thema Nachhaltigkeit, präsentiert unter anderem Maßnahmen des Lebensmittelhandels zur Verringerung von Treibhausgasemissionen und von Nahrungsmittelverlusten sowie zur Förderung der Artenvielfalt. Noch während der Anuga verständigen sich BVLH und der Bundesverband Fischindustrie und Fischgroßhandel auf eine Fortführung der Wildfisch-Datenbank „Fischbestände Online“ bis 2025. Kombiniert mit Standards wie dem „Marine Stewardship Council“, hilft die Datenbank Handelsunternehmen dabei, ausschließlich Wildfisch aus bestandserhaltender Fischerei zu beziehen.

Schon seit Längerem gehören nachhaltige Sortimente zu den Wachstumstreibern im Lebensmittelhandel (LEH), wie etwa der Umsatz mit Bio-Produkten belegt: Er lag 2020 bei mehr als neun Milliarden Euro, hat sich also im Vergleich zu 2010 fast verdreifacht. Mit 60 Prozent Marktanteil ist der LEH der mit Abstand größte Absatzkanal für ökologisch erzeugte Lebensmittel. Aber auch vegane und vegetarische Produkte verkaufen sich gut, vor allem klimaschonende Fleischersatzprodukte, vegane Süßwaren sowie Milchprodukte auf Soja- und Erbsenproteinbasis.

Gesundheitsbewussten Verbrauchern werde der Handel vermehrt sogenannte Clean-Labeling-Produkte anbieten, bei deren Produktion auf möglichst viele Zusatzstoffe verzichtet wurde, prognostiziert BVLH-Hauptgeschäftsführer Franz-Martin Rausch. So könne sich nach Überwindung der Coronakrise auch der Markt der Convenience-Produkte wieder erholen.

Bei den Verbrauchern, die weiterhin Fleisch verzehren, steht das Tierwohl hoch im Kurs. „Wir werden in Zukunft mehr und mehr Produkte aus Fleisch und Milch von Tieren sehen, die nach höheren Standards gehalten wurden“, fasst Rausch die aktuelle Entwicklung zusammen. Mit der Weiterentwicklung des Labels der Initiative Tierwohl (ITW) seien große Fortschritte erzielt worden.

Konsumenten könnten künftig beim Kauf tierischer Produkte die Haltungsform noch einfacher nachvollziehen, erklärt der Hauptgeschäftsführer. „Seit Juli dieses Jahres können Verbraucher auch Wurst mit diesem Produktsiegel erwerben. Außerdem labeln die an der ITW teilnehmenden Lebensmitteleinzelhändler ganze Sortimentsbereiche bei Geflügel und unverarbeitetem Schweinefleisch mit dem ITW-Siegel“, so Rausch.

Appell an die künftige Regierung

Aber nicht allein die Wirtschaft, auch die Politik trage Verantwortung. Daran erinnert der BVLH-Präsident sowohl in seiner Eröffnungsrede als auch beim Besuch der scheidenden Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner (CDU), am Messestand des Verbands. Dornseifer betont, dass ein Wandel zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung nur gelingen werde, wenn er mit den Menschen und nicht gegen sie vollzogen werde. Einer „Verbotswelle von oben“ werde kein Erfolg beschieden sein.

Dornseifer appelliert an die künftige Bundesregierung: „Lassen Sie uns diese gewaltige Herausforderung gemeinsam angehen. Lassen Sie uns die Transformation des Ernährungssystems als ein Gemeinschaftswerk in die Tat umsetzen, das die Lebensmittelwirtschaft einbezieht und die Menschen mitnimmt.“

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Regionalität, Regionale Produkte, Gesundheit

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