Deutscher Handelspreis 2021

Feier der Branchenbesten

Im Rahmen des Handelskongresses Deutschland verleiht der Handelsverband Deutschland den Deutschen Handels­preis. Der HDE würdigt Händlerinnen und Händler, die sich während der Pandemie besonders hervorgetan haben.

Von Jens Gräber 10.12.2021

© Jörg Sarbach

Ausgezeichnete Handelskompetenz: HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth (l.) und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser (Fünfter v. l.) verliehen beim von Dunya Hayali (r.) moderierten Galaabend die Deutschen Handelspreise.

Die Freude steht Andrea Kehry-Rudolph und Brigitte Schreiber-Heise ins Gesicht geschrieben, als sie ihren Preis aus den Händen von HDE-Präsident Josef Sanktjohanser entgegennehmen. Mit einer klugen Verknüpfung von On- und Offlinewelt trotzten die Inhaberinnen des Tee- und Keramikladens Potteery im nordrhein-westfälischen Hattingen nicht nur der Pandemie, sondern überzeugten auch die Jury des Handelspreises. Dabei hatten die Unternehmerinnen bis zum Frühjahr 2020 keine nennenswerte Online-Expertise: „Wir mussten fast bei null anfangen“, berichtet Kehry-Rudolph.

Die Mühe hat sich gelohnt: QR-Codes im Schaufenster weisen Kunden nun den Weg zum modernen Onlineshop, wo sie Ware zur Abholung im stationären Laden ordern oder einen Keramikmalkurs buchen können. YouTube-Tutorials zum Keramikmalen und Videotelefonate mit Kunden helfen den Inhaberinnen ebenfalls, den Kontakt zu ihrer Zielgruppe zu halten. Dass der Laden während der Lockdowns öffnen durfte, um Tees zu verkaufen, hätten viele Kunden ohne die Online-Aktivitäten gar nicht gewusst, ist Schreiber-Heise überzeugt.

Sanktjohanser gratuliert und erklärt, die Preisträger des Abends würden stellvertretend für die Leistung der gesamten Handelsbranche in den vergangenen 20 Monaten geehrt. Eine Leistung, für die auch Gastredner Ulf Poschardt, Chefredakteur des Medienunternehmens Welt-N24, hohe Anerkennung äußert. „Was Sie geschafft haben, war ein wichtiges Thema unserer Berichterstattung – aber auch unabhängig davon sehr wichtig“, ruft er den versammelten Branchenvertretern zu.

Preisträger danken Mitarbeitern

Ein weiteres Beispiel herausragenden Unternehmertums bieten Simona und Daniel Libner. Die Inhaber des Bekleidungs- und Interieurgeschäfts Fräulein Mode und Wohnen im nordrhein-westfälischen Meerbusch erhalten den Handelspreis für ihre auf Videos und Livestream-Verkäufen basierende Onlinestrategie. „Bei uns kann man nicht nur einkaufen, sondern wird auch unterhalten“, fasst Simona Libner das Konzept zusammen. Das Inhaberpaar dankt dem Mittelstand 4.0 – Kompetenzzentrum Handel, dessen Konsortialleiter der HDE ist, für dessen Unterstützung. Weiterer Dank geht an die eigenen Mitarbeiter: „Sie zeigten sich bereit, gemeinsam mit uns Neues auszuprobieren“, sagt Daniel Libner.

Neues wagten auch Brigitte und Markus Wahl, die mit ihrem gleichnamigen Männer-Modehaus in Ertingen in Baden-Württemberg nach Pandemiebeginn den Onlineverkauf von Kleidung und Schuhen starteten – erst über Plattformen, dann im eigenen Onlineshop. Für den Erfolg im Netz gibt es den dritten an diesem Abend verliehenen Preis. Fernsehmoderatorin Dunja Hayali, die launig durch den Abend führt, stellt fest: „Mut zahlt sich eben meistens aus.“

Den bewies Albrecht Hornbach, Inhaber der gleichnamigen Baumarktkette mit Firmensitz in Rheinland-Pfalz, im Lauf seiner Karriere bei vielen Gelegenheiten. Als Lohn kann er sich – per Video zugeschaltet – über den Lifetime Award des Deutschen Handelspreises freuen. Laudatorin Simone Krah, Präsidentin des MMM-Wirtschafts-Clubs, hebt den Börsengang im Jahr 1987 hervor, der die Voraussetzungen für die Expansion des 1877 gegründeten Unternehmens schuf.

„Ein Vorreiter war das Unternehmen, das heute 160 Bau- und Gartenmärkte in neun Ländern betreibt, auch im Hinblick auf Frauen in Führungspositionen“, erklärt Krah. In der Coronakrise habe Hornbach im Sinne des Mitarbeiterschutzes und der Kundenorientierung früh wirksame Hygienekonzepte umgesetzt. Der so Gelobte betont, die Anerkennung gebühre gleichermaßen den Mitarbeitern: „Sie alle können stolz sein.“

Begeisterung für den Handel

Erkennbar stolz ist auch Anja Döring, Mitarbeiterin von Edeka Seitz in Berlin, als HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sie als Gesicht des Handels 2021 auszeichnet. Er begründet die Jury-Entscheidung: „Uns hat Ihre Begeisterung für Ihren Laden und die Branche überzeugt.“ Döring bedankt sich und versprüht gleich noch etwas mehr Begeisterung: „Ich arbeite seit fast zehn Jahren bei Edeka – den Job kann ich nur empfehlen.“

Award ZukunftHandel – die Preisträger

Zukunftsorientierte Strategien und Geschäftsmodelle ­zeichneten HDE und Google beim Handelskongress mit dem Award der gemeinsamen Initiative ZukunftHandel aus. Preise erhielten der Online-Supermarkt MyEnso, das Food-Start-up ECF Farmsystems, der Online-Probiersupermarkt Utry.me, das Omnichannel-­Modehaus Ebbers und die Digitalisierungshelfer des Unternehmens Gmvteam. Zwei Sonderpreise für Kleinhändlerinnen und Kleinhändler, die sich als Digitalstarter erwiesen haben, gingen an das Bekleidungs- und Interieurgeschäft Fräulein Mode und Wohnen sowie die ­Nicolaische Buchhandlung.

Schlagworte: Deutscher Handelspreis, Deutscher Handelskongress, Coronakrise

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