Anzeige
Retail Pitch Night

Fachverkäufer

Mietbare Verkaufsfläche in Form von Obstkisten – mit diesem Konzept hat sich der Retail-as-a-Service-Anbieter ’s Fachl beim Start-up-­Wettstreit Retail Pitch Night durchgesetzt.

Von Jens Gräber 09.11.2021

© ‘s Fachl

Die Gründer von ‘s fachl: Christian Hammer (l.) und Markus Bauer

Einkäufer erwarten an den ’s Fachl­-Standorten helle, einladende Flächen, die in zu Regalen arrangierten rustikalen Obstkisten Lebensmitteln, Deko- und Designobjekten Raum bieten. Der Preis der Produkte, die fast ausschließlich von Start-ups und Kleinmanufakturen stammen, liegt Gründer Christian Hammer zufolge in der Regel unter zehn Euro – die psychologische Preisschwelle für ein Mitbringsel, wie der 40-Jährige weiß.

„Wir führen ausschließlich Produkte, die im regulären Einzelhandel nicht erhältlich sind. Wer bei einem großen Supermarkt gelistet ist, hat bei uns keine Chance“, stellt Hammer klar. 2018 in Österreich gegründet, gibt es Filialen des Unternehmens inzwischen an 30 Standorten – auch in Deutschland. Möglich wird solch rasante Expansion durch das von den Gründern etablierte Franchisesystem: Nur die Stammfiliale führen sie selbst, die übrigen Filialen werden von Partnern betrieben.

Mit ihrem Konzept überzeugten Hammer und sein Mitgründer Markus Bauer das Publikum bei der Retail Pitch Night, einem von Mittelstand-4.0-Kompetenzzentrum Handel und der Gründungswerkstatt Deutschland veranstalteten Wettbewerb für Start-ups aus der Handelsbranche: Unter den jungen Handelsunternehmen, die ihre Geschäftsmodelle dort vorstellten, schaffte es ’s Fachl auf den ersten Platz.

Expansion nach Italien und Ungarn

Die Pandemie verlieh dem Unternehmen Auftrieb, wie Hammer berichtet: Die Zahl der Anfragen von potenziellen Franchisenehmern explodierte, weil sich in dieser Zeit viele Menschen beruflich umorientieren wollten. Einer, der das schon lange vorher getan hatte, ist Nils Tönnesen, der seine ’s Fachl-Filiale mit 280 Verkaufsfächern in zentraler Lage im Hamburger Stadtteil Ottensen betreibt. Der 54-Jährige, der zuvor als Führungskraft in der Industrie tätig gewesen war, eröffnete seinen Laden im Jahr 2018.

Als großen Vorzug des Konzepts sieht er die Software, die die ’s Fachl-Gründer ihren Franchisenehmern zur weitgehend automatisierten Abwicklung der Kistenvermietung zur Verfügung stellen: „Sie ermöglicht einen schnellen Einstieg und sorgt im laufenden Betrieb für enorme Entlastung.“ Auch die Mieter der Kisten erhielten über die automatisch erhobenen und aufbereiteten Umsatzdaten wichtige Einblicke in das Verhalten ihrer Kunden.

„Zudem übernehmen wir für ’s Fachl-Mieter die komplette Abwicklung der Verkäufe und die Vermarktung. Ein Webshop, an dem wir gerade arbeiten, wird ihnen im kommenden Jahr ohne Aufpreis auch den Onlineverkauf ermöglichen“, führt Hammer aus. Aus Sicht der Mieter, die eine wöchentliche Gebühr zwischen zwölf und 14 Euro sowie eine Umsatzbeteiligung von zehn Prozent zahlen, offenbar ein stimmiges Angebot: Nach Unternehmensangaben verkaufen derzeit rund 7 000 Anbieter ihre Produkte über ’s Fachl.

Es dürften bald mehr werden, denn die Gründer wollen weiter wachsen – auch international. Konkrete Gespräche über eine Expansion des Fachverkaufs nach Italien und Ungarn liefen bereits.

Schlagworte: Standort, Mittelstand 4.0, Start-up

Kommentare

Ihr Kommentar