Onlinehandel

Erstmals rückläufiger Umsatz im E-Commerce

Die Zeiten des Wachstums im deutschen Onlinehandel sind vorerst vorbei, so eine aktuelle Erhebung. Für das abgelaufene Jahr 2022 verzeichnen die 1.000 umsatzstärksten B2C-Onlineshops einen Umsatzrückgang von 2,8 Prozent (netto, nicht preisbereinigt).

27.09.2023

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Kaffee auf: Nach dem dramatischen Wachstum des Onlinehandels in den Coronajahren ging es im Vorjahr abwärts - und auch für das laufende Jahr zeigt der Trend nach unten.

Dies entspricht einem Rückgang von 2,2 Milliarden Euro auf insgesamt 77,7 Milliarden Euro im Vergleich zu 2021, wie die Ergebnisse der Studie „E-Commerce-Markt Deutschland 2023“ von EHI und EcommerceDB zeigen. Damit ist das kontinuierliche Wachstum des Onlinehandels in der 15-jährigen Studiengeschichte erstmalig gestoppt.
 
„Einige Shops kämpfen mit großen Umsatzrückgängen oder tauchen in der diesjährigen Studie wegen Geschäftsaufgabe sogar zum letzten Mal auf. Allerdings zeigen insbesondere kleinere Shops im neuen Ranking ein starkes relatives Wachstum. Insgesamt betrachtet ist der Top-1.000-Umsatz 1,5-mal so hoch wie vor der Pandemie. Für das laufende Jahr rechnen wir als EHI aber zunächst mit einer Fortsetzung des rückläufigen Trends“, ordnet Lars Hofacker, Leiter des Forschungsbereichs E-Commerce beim EHI, die aktuelle Lage ein. Nach dem starken Zuwachs im Pandemiejahr 2020 (33,1 Prozent) konnten die Top-1.000 im Jahr 2021 noch mit 16,1 Prozent zweistellig zulegen. Im Jahr 2022 hingegen schwächte sich die allgemeine Konsumstimmung und damit auch die Online-Kaufbereitschaft in Deutschland ab. Dennoch ergibt sich im Pre-Covid-Vergleich (2022 mit 2019) immer noch ein Wachstum von 50,2 Prozent.

Kleinere Shops gewinnen, Marktkonzentration sinkt leicht

Die kleineren B2C-Onlineshops auf den hinteren 500 Plätzen des diesjährigen Rankings sind mit 7,3 Prozent im Vergleich zu den hinteren 500 Plätzen des Vorjahres relativ am stärksten gewachsen. Der deutsche E-Commerce-Markt ist nach wie vor stark konzentriert, schließlich erwirtschaften die Top-100 über 70 Prozent des Umsatzes der Top-1.000. Da insbesondere die großen Onlineshops Umsatzrückgänge verkraften müssen, ist die Marktkonzentration leicht gesunken: Der Netto-E-Commerce-Umsatz der diesjährigen Top-10 ist im Vergleich zu dem der letztjährigen Top-10 um 9,7 Prozent gesunken, sodass der Anteil mit 38,2 Prozent unter dem Vorjahr (-2,9 Prozentpunkte) liegt.

AboutYou zum ersten Mal in den Top-10

Im Rennen um die Spitzenpositionen steigt Aboutyou.de mit einem Wachstum von 8,8 Prozent in die Top-10 auf. Angeführt wird das Ranking wie in den letzten 15 Jahren von Amazon.de (mit 14,4 Milliarden Euro) und Otto.de (mit 4,5 Milliarden Euro). Der Vorjahresvierte Zalando.de (2,6 Milliarden Euro) schafft es diesmal auf das Siegertreppchen und verdrängt Mediamarkt.de (1,8 Milliarden Euro) von Platz drei. Mit Shop.Rewe.de und Bestsecret.com gibt es zudem zwei Newcomer in den Top-20. Die größten Wachstumstreiber sind hier Apple.com (+18,2 Prozent), Breuninger.com (+16,1 Prozent) und Shop-apotheke.com (+15,9 Prozent).

Top-10 B2C-Marktplätze

Darüber hinaus weist die Studie erstmals die Top-10 der B2C-Marktplätze aus, die im Jahr 2022 einen Umsatz von 72,8 Milliarden Euro erzielen und damit 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr verlieren. Platzhirsch Amazon.de behauptet seine Spitzenposition mit einem Bruttohandelsvolumen (GMV) von 46,3 Milliarden Euro, gefolgt von Ebay.de (9,0 Milliarden Euro) und Otto.de (6,4 Milliarden Euro).

Definitionen und Methodik
B2C-Onlineshop: Ort im Internet, an dem Endverbraucher Waren eines Unternehmens erwerben können.
Reiner B2C-Marktplatz: Ort im Internet, an dem Endverbraucher von mehr als einem Unternehmen Waren erwerben können. Der Anbieter eines reinen B2C-Marktplatzes betreibt die Plattform, bietet selbst keine Waren zum Kauf an.
Hybrider B2C-Marktplatz: Ort im Internet, an dem Endverbraucher von mehr als einem Unternehmen Waren erwerben können. Der Anbieter eines hybriden B2C-Marktplatzes betreibt die Plattform und bietet selbst Waren zum Kauf an.

Diese Studie fokussiert die B2C-Onlineshops sowie reine und hybride B2C-Marktplätze, die physische Waren anbieten. B2C-Onlineshops sowie reine und hybride B2C-Marktplätze wurden nicht berücksichtigt, wenn sie ihre Umsätze ausschließlich oder zum Großteil über Apps generieren. Für B2C-Marktplätze wurde das E-Commerce-GMV berücksichtigt.

Die komplette Studie kann hier im EHI-Shop erworben werden.
 

Schlagworte: Onlinehandel, E-Commerce, EHI Retail Institute

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