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Testfahrt

Elegant ins Gelände

Volvo macht auch beim Volvo V90 Cross Country B5 Benzin Mild-­Hybrid AWD Pro wieder vieles bewusst anders als andere Auto­bauer. Nicht unbedingt besser, aber individueller. Der geschmackvolle ­Geländekombi mit dem sperrigen Namen inszeniert Under­statement als Show.

Von Frank Heide 29.01.2021

© Volvo

Der Volvo V90 Cross Country B5 Benzin Mild-­Hybrid AWD Pro.

Bevor ich losfahre, ein kurzer Blick auf die Preisliste: Mit knapp 62.000 Euro schon kein billiges Basisfahrzeug, hat Volvo den Testwagen mit einigen modernen und komfortablen Extras ohne Probleme auf stramme nahezu 85.000 Euro aufgerüstet. Man mag kaum noch von Mittelklasse sprechen. Was bekommt man für das Geld?

Die über fast fünf Meter gestreckte Form wirkt auch als höher gelegter Geländekombi mit viel Bodenfreiheit eher chic als rustikal. Äußerlich ist der Cross Country vor allem ein sehr langes Fahrzeug mit glasklarer, knackiger Linienführung. Modern, nordisch-sachlich kommt er daher, eine stattliche Erscheinung. Das eigenwillig geformte LED-Tagfahrlicht namens „Thors Hammer“ ist bei allem zur Schau getragenen Understatement ein echter Blickmagnet.

Innen geht es mit Echtholzeinlagen und weichem Leder großzügig zu; im V90 gibt es keine billigen Plätze. Die Raumverhältnisse sind überall üppig. Kein Wunder, denn der Radstand misst fast drei Meter, der Kombi ist aber mit 4,94 Metern sogar drei Zentimeter kürzer als die Limousine S90. Das Raumgefühl entspricht dem einer Lounge, was das riesige Panoramaglasdach betont. Edel gebürstetes Leichtmetall wechselt sich mit schönen Echtholzeinlagen ab.

Eingebautes Tempolimit

Der wie gehämmertes Silber wirkende Start-Stopp-Knopf und der in gleicher Optik gehaltene Wahlschalter für die Fahrmodi sind besondere Highlights. Man fasst diese kleinen Schmuckstücke einfach immer wieder gerne an. Die Sitze sind nicht nur komfortabel und sehr gut auf alle Körpermaße und Positionswünsche einstellbar. Sie verwöhnen zudem mit entspannenden bis zupackenden Sitzmassagefunktionen, die vor allem Kilometerfresser zu schätzen wissen werden.

Die obligatorische Achtgang-Automatik überzeugt vom Start weg in vielen Fahrsituationen, dass sie so gut wie alles richtig macht. Was im Stadtverkehr kaum, auf der Landstraße sehr und bei hohem Autobahntempo enorm auffällt: Die optionale Akustikverglasung sorgt effektiv für Ruhe an Bord. Der lange Radstand in Verbindung mit optional luftgefederter Hinterachse und 1 925 Kilo Leergewicht lassen den Wagen auch während Spurwechseln bei hohem Tempo wie das sprichwörtliche Brett auf dem Asphalt liegen.

Eine Besonderheit der schwedischen Marke, die seit 2010 unter chinesischer Regie steht, ist traditionell ihr hoher Sicherheitsanspruch. An Bord bemüht sich demzufolge eine Vielzahl technisch aufwendiger und teurer Assistenten – teils übereifrig piepend – um die Unversehrtheit von Lack und Leben. Ein neuer Entwicklungsschritt ist das selbst verordnete Tempolimit: Bei 180 km/h ist Schluss. Man kann das gut finden – oder muss woanders kaufen. So selbstbewusst ist Volvo.

Entsprechend bietet der Autobauer das Modell ausschließlich als Zweiliter-Vierzylinder an, während andere Hersteller locker ein halbes Dutzend Motorvarianten für ihre besten Kombis vorhalten. Auch bei der Kraftverteilung gibt es keine Auswahl: Der V90 Cross Country kommt immer mit einer Achtgang-Automatik und ist ausschließlich mit Allradantrieb zu haben.

Sportlicher Antritt

Die Komfort- und Sicherheitsfeatures sind umso zahlreicher. Dazu zählen unter anderem die Autopilot-Funktion, ein Notbrems­assistent mit Fußgänger- und Radfahrer-­Erkennung bei Tag und bei Nacht, ein City-­Safety-System, das sogar Zusammenstöße mit großen Wildtieren vermeiden kann, ­eine Parkkamera mit 360-Grad-Surround-View sowie ein Luftqualitätssystem mit Aktivkohle-­Fein­staub­filterung.

Kritikpunkte gibt es am V90 Cross Country nur wenige. Klar ist aber, dass man sich mit ihm beschäftigen sollte. Schon die Kurzform der Bedienungsanleitung besteht aus zehn Seiten und nicht alles, was sich hinter dem zentralen Hochkant-Touchscreen verbirgt, ist intuitiv zu bewerkstelligen.

Dass man einen Mild-Hybrid fährt, also einen Benziner mit Elektro-Unterstützung, merkt man kaum, allerdings auch nicht beim Verbrauch. Unter acht Litern habe ich das Fahrzeug nie bewegen können, oft waren es eher zweistellige Verbräuche. Dafür entschädigen mag ein wirklich sportlicher Antritt des großen Schweden, wenn der kleine Elektromotor den Benziner unterstützt.

Zu den wichtigeren Kaufargumenten für Kombifahrer zählen traditionell Stauraum und Zuladung. Hier macht Volvo Zugeständnisse an den Lifestyle. Sprich: Einige Mitbewerber in der oberen Mittelklasse laden mehr ein. Dennoch herrscht kein Platzmangel, der Kofferraum kann auch als 1,99 Meter langes Schlafabteil genutzt werden. Der Vorgänger V70 fasste allerdings 74 Liter mehr.

Früher war der große Schwedenkombi, die Älteren werden sich erinnern, das Auto der Nonkonformisten. Eine schwere und sichere Stahlfuhre mit massig Stauraum für Kind und Kegel, der es nicht auf hektische Tempojagd ankam. Es ist beeindruckend, wie die Schweden unter chinesischer Regie viele dieser traditionellen Stärken in die Zukunft tragen.

Heides Testurteil

Wer gegen die üblichen Premium-­Verdächtigen in der oberen Dienst­wagen-Liga einen Stich bekommen will, der muss etwas Besonderes vorfahren. Für Volvo ist das gar kein Problem, dank des Lifestyle-Kombis V90. Als Cross Country wirkt er sogar im Gelände elegant, aber das ist ein teures Vergnügen.

Schlagworte: Autokauf, Automobile

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