Coronapandemie

Teil-Lockdown bremst Shopping-Lust

Seit knapp einer Woche ist die Bundesrepublik im Teil-Lockdown. Museen und Konzerthäuser sind geschlossen, viele Restaurants und Cafés auch. Der Handel sieht in einer ersten Zwischenbilanz seine Befürchtungen bestätigt: Es fehlen vielerorts Kunden, weil die Innenstädte leerer sind als sonst.

09.11.2020

© Steffen Unger / Imago Images

Läden und Shoppingcentern in Innenstadtlage fehlen vielerorts die Kunden.

Beispiel Berlin: Weil viele Restaurants und Cafés in der Hauptstadt dicht sind, ist auch in Geschäften weniger los. Das gilt auch fürs Wochenende. Haben die Berlinerinnen und Berliner nicht noch mehr Lust auf Shoppen, wenn im Teil-Lockdown bis Ende November Theater, Opern und Museen, Konzerthäuser, Clubs, Fitnessstudios und Kosmetiksalons dicht sind? "Genau das Gegenteil ist der Fall", sagt der Hauptgeschäftsführer beim Gesamtverband des Berliner Einzelhandels, Nils Busch-Petersen, am ersten Samstag des Teil-Lockdowns.

Die Innenstadt besuchen, das heiße für viele Menschen, sich mit anderen zu treffen, mal einen Kaffee zu trinken, essen zu gehen. Wenn das alles wegfalle, leide darunter auch der Handel. Der profitiere überhaupt nicht davon, dass die Verbraucher anderswo zwangsläufig Geld sparen. Die vergangene Woche sei sehr schlecht gelaufen, sagt Busch-Petersen. "Und das Wochenende reißt da gar nichts raus." Es sei wie bei einem Orchester: Im Moment fehlten die Streicher und die Bläser. "Und jetzt bleiben wir als die Percussion-Leute und sollen die Neunte aufführen. Das funktioniert nicht."

Bundesweite Zurückhaltung beim Shopping

Und das gilt auch bundesweit: Ein Trend, dass mehr Menschen Shoppen gingen, weil vieles andere geschlossen sei, lasse sich nicht beobachten, sagt Stefan Hertel, Sprecher des Handelsverbands Deutschland (HDE) in Berlin. Weil Restaurantbesuche nicht mehr möglich seien, stehe der ein oder andere öfter am Herd und kaufe deshalb mehr Lebensmittel ein. Es gehe auch einzelnen Branchen vergleichsweise gut, Baumärkte etwa seien gefragt. Aber in den Innenstädten sei es deutlich leerer geworden, auch an den Wochenenden - der Samstag ist üblicherweise der umsatzstärkste Einkaufstag.

Eine aktuelle HDE-Trendumfrage unter 500 Einzelhändlern untermauert die Einschätzungen: Die befragten Innenstadthändler melden für die erste Novemberwoche im Durchschnitt Umsatzausfälle von mehr als einem Drittel, die Kundenzahlen seien um mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. Am schlimmsten trifft es dabei die Bekleidungs- und die Schuhhändler. „Ohne staatliche Nothilfen werden viele mittelständische Innenstadthändler diesen November wirtschaftlich nicht überleben können“, so das Fazit von HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Entsprechend pessimistisch blickt der HDE auf das diesjährige Weihnachtsgeschäft, das bereits im November beginnt: Der Onlinehandel werde profitieren, viele stationäre Händler dagegen leiden, so die Prognose. Der Verband fordert die Bundesregierung angesichts der Branchenprobleme auf, ihr aktuelles Nothilfeprogramm für geschlossene Gastronomie- und Hotelbetriebe auch für Einzelhändler zu öffnen und die Schwelle für den Bezug von Überbrückungshilfen durch den Einzelhandel zu senken. Die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, Sabine Hagmann, appelliert außerdem an die Verbraucher: "Gehen Sie einkaufen!"

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus, HDE, Innenstadt

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